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Sechs Jahre in Quito

Von 2006 bis 2012 war Vivian Breucker als Lehrerin für Deutsch und Ethik an der Deutschen Schule Quito tätig und hat dort auch ein schulinternes Fortbildungskonzept entwickelt. Sie berichtet von einer familiären Schulatmosphäre und bereichernden Erfahrungen.

30.04.2015 - Vivian Breucker

Fotos: Vivian Breucker

„¿Y, te gusta nuestro pais?“ – „Und? Gefällt dir unser Land?“ – Immer wieder wurde mir diese Frage während der sechs Jahre Aufenthalt gestellt und die Antwort darauf fiel mir immer leicht und schwer zugleich. So vielfältig wie der Andenstaat selbst sind auch meine Eindrücke von Ecuador, die ich in der Zeit von diesem Land, der Stadt Quito, der Deutschen Schule und den Menschen, denen ich hier begegnet bin, gesammelt habe.

Faszinierende Vielfalt

Die „Costa“, die „Sierra“ und der „Oriente“ und die Galapagos-Inseln sind faszinierende Reiseziele. Sie bieten die Möglichkeit, auf nahem Raum in ganz unterschiedliche Welten einzutauchen und ganz unterschiedliche Landschaften, Klimazonen, Pflanzen und Tiere kennen zu lernen – und das alles in „Wochenendnähe“. Diese Vielfalt auf kleinstem Raum bezieht sich aber nicht nur auf die Landschaft, sondern auch auf die unterschiedlichen Kulturen, die hier vorzufinden sind. Ecuador ist ein multinationales, multiethnisches und multikulturelles Land. Rund 15 Mio. Einwohner hat der kleine Andenstaat und die Bevölkerungszahlen steigen stetig. Der größte Teil sind Mestizen, oft europäischer Abstammung, daneben gibt es Indigenas, Mulatten und Afroamerikaner. Diese Mischung bietet aufgeschlossenen Menschen ein spannendes Potpourri an neuen Kulturen.

Herkunft und Hautfarbe

Die Vermischung verschiedener Ethnien geht aber häufig mit einer kulturellen Transformation vom Indigena zum Mestizen einher, die man als „blanqueamiento“ (Weißwerdung) bezeichnet und oftmals die Ecuadorianer von ihrer ursprünglichen Identität entfremdet. Seinen Ursprung hat dieses Problem in der unfreiwilligen und traumatischen Hispanisierung und die gegenwärtigen Auswirkungen dessen sind, dass in Ecuador – vereinfacht dargestellt – die Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Schicht noch immer durch die Hautfarbe dargestellt wird. Dieses Identitätsproblem wird immer wieder deutlich, auch in der Schule. Während meines Aufenthaltes haben die meisten unserer SchülerInnen bei einer Umfrage des Ministeriums für Erziehung als Hautfarbe „weiß“ angegeben, obwohl sie in der Mehrheit Mestizen der Oberschicht sind. Dies zeigt meiner Meinung nach die noch immer bestehenden rassistischen Vorurteile gegenüber Mestizen und die fehlende Wertschätzung der eigenen Kultur.

 

Unterschiedliche Lebenswelten

Ecuador ist leider in den letzten Jahren gefühlt immer unsicherer geworden, was sich insbesondere als Frau stark auf meine Lebensqualität und Bewegungsfreiheit ausgewirkt hat. Nichtsdestotrotz ist die Lage relativ ruhig, wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der Bevölkerung unter dem Existenzminimum lebt und der Wohlstand so ungleich verteilt ist. Der Reichtum einer vielfältigen, unglaublich fruchtbaren Natur und die bittere Armut vieler Menschen stehen im südamerikanischen Ecuador im schmerzhaften Widerspruch zueinander.

Dieser Kontrast findet sich auch in Quito. Schon räumlich bedingt teilt sich Quito in den armen Süden und in den wohlhabenderen Norden, in dem ich gelebt habe. Die Schule befindet sich im „reichen“ Cumbaya, einem etwas tiefer gelegenen Nachbartal. Beruflich und wohnlich habe ich mich demnach im privilegierten Teil Ecuadors, in dem man sehr gute Lebensbedingungen vorfindet, bewegt. Durch meinen Sport „Capoeira“ und meinen Wohnort „Bella vista“ habe ich aber auch Zugang zum weniger privilegierten Bevölkerungsteil gehabt und hatte so die Möglichkeit, beide Lebenswelten in meinen Alltag zu integrieren, was sehr bereichernd, aber auch nicht immer ganz einfach gewesen ist.

Bewusstsein für die Entwicklung Ecuadors fördern

Eine gebildete Mittelschicht ist in Ecuador nach meinen Erfahrungen schwer zu finden, vielleicht auch, weil scheinbar viele fleißige, gebildete Menschen das Land verlassen, weil sie nicht glauben, dass sie in ihrer Heimat eine Chance haben. Verständlich, aber traurig, denn Ecuador braucht gerade diesen Teil der Bevölkerung so dringend, da meiner Meinung nach gerade sie die Entwicklung ihres Landes auf der Basis der eigenen Kultur weiter vorantreiben könnten.

Aus diesem Grund wollte ich an der Deutschen Schule arbeiten. Ich wollte den Schüler/innen während ihrer Schullaufbahn neben fachlichen Qualifikationen auch ermöglichen, ein Bewusstsein für ihr Land zu entwickeln, welches Ihnen die aktive Beteiligung an dessen Entwicklung in eigener kultureller Verantwortung ermöglicht.

Sie sollten ein kritisches Denken und einen Blick für die Schönheit und für die Probleme ihres Landes entwickeln. Gleichzeitig wollte ich sie aber auch bei ihrem Identitätsfindungsprozess begleiten, damit sie eventuell nach einer guten Ausbildung dem Land mit allen Kräften zur Verfügung stehen, um die Situation im Land zu verbessern, damit Ecuador, das schon heute eine Reise wert ist, nicht nur für Reisende und die wohlhabenden Ecuadorianer attraktiv ist, sondern für die ganze Bevölkerung.

Indirekte Kommunikation verstehen

Ecuador ist eine High-Kontext-Kultur, d.h. der Kontext ist wichtiger als das gesprochene Wort, wie es z.B. in Deutschland von Bedeutung ist. Daher kann es zwischen Deutschen und Ecuadorianern schnell zu Missverständnissen kommen. Auch wird in Ecuador, anders als in Deutschland, ein eher indirekter Kommunikationsstil gepflegt. Grundsätzlich ist Harmonie und Höflichkeit wichtiger als die Wahrheit, und Kritik wird eher in Witz oder Ironie verpackt, oder ganz vermieden. Offene Kritik wird kaum geübt und eher durch Zwischentöne geäußert, die wir oft überhören. Unsere direkte Kritik und Korrektur z.B. von Fehlern wirkt oft einschüchternd, was insbesondere im Unterricht zu berücksichtigen ist.

Grundsätzlich hat das gesprochene Wort ein geringeres Maß an Verbindlichkeit. Oft bekommt man auch auf Einladungen nur verhaltene Zu- und Absagen, selten ein klares Nein. Auch die Zuverlässigkeit öffentlicher Institutionen ist weniger verbindlich. Was für uns erst einmal ungewohnt ist, ermöglicht gleichzeitig ein hohes Maß an Spontanität und Flexibilität.

Grundsätzlich ist der Glaube an eine objektive Wahrheit viel weniger verbreitet als in Deutschland. Oft werden auch andere Denkkategorien berücksichtigt, die weniger auf Fakten und Eindrücken beruhen. Insgesamt ist die Beziehungsebene wichtiger als der Inhalt und Beruf und Privatleben werden grundsätzlich nicht so strikt voneinander getrennt. Humor ist auch beruflich wichtig.

Im Unterricht wird viel Wert auf Lob gelegt

Ecuadorianer halten meist längere Redebeiträge und auch die Pausen innerhalb eines Redebeitrags sind größer. Das ist wichtig, weil wir das oft als Gesprächsende verstehen und somit „ins Wort fallen“. Gesprächsbeiträge orientieren sich vielfach an der Betriebshierarchie. Männer haben meist höhere Redeanteile als Frauen.

Allgemein scheint das Sprachempfinden in Ecuador feiner, Deutsche und auch Spanier z.B. werden oft als „derb“ empfunden. Ecuadorianer freuen sich sehr, wenn man ihre Sprache spricht, egal wie und Small-Talk ist grundsätzlich erwünscht. Insgesamt werden viele Floskeln benutzt (Hallo, wie geht es dir? – man erwartet keine ehrliche Antwort) und man grüßt sich häufig mehrmals, wenn man sich öfter am Tag über den Weg läuft.

Im Ecuadorianischen Spanisch sind die Quechua-Einflüsse groß. Es werden viele Diminutive (Unterschriftchen, Papierchen etc.) gebraucht und es wird UNENDLICH viel mehr gelobt als im Deutschen (wichtig im Unterricht). In der Regel duzt man sich auch: Eltern der Schüler duzen Lehrer. Duzen nimmt jedoch meiner Erfahrung nach nichts von dem Respekt, den man LehrerInnen grundsätzlich erst einmal entgegen bringt.

Küsschen zur Begrüßung

Die Betonung im ecuadorianischen Spanisch ist variationsreicher als im Deutschen, wodurch die Betonung der Deutschen oft als monoton empfunden wird, d.h. man muss im Unterricht besonders auf Stimmvariation achten. Ironie, wie wir sie im Deutschen einsetzen, wird meiner Erfahrung nach selten verstanden und als verletzend empfunden. Grundsätzlich bin ich oft auf sehr private Dinge angesprochen worden, z.B. im Taxi: Hast du Kinder? Bist du verheiratet?, wobei ich die Erfahrung gemacht habe, dass wirklich private Dinge, insbesondere Probleme, im Familienkreis bleiben.

Auch nonverbal kommunizieren Ecuadorianer oft anders: Grundsätzlich pflegt man mehr Körperkontakt, wobei insbesondere unsere weibliche unbedarfte Körpersprache auch als Aufforderung missverstanden werden kann. Kennt man sich, küsst man sich zur Begrüßung neben der Wange in die Luft, auch Eltern von SchülerInnen küssen LehrerInnen.
Gesten sorgen ebenfalls für Verwirrung, so gibt es eine Geste, die in Ecuador „komm her“ bedeutet, auf uns jedoch eher wie „geh weg“ wirkt. Auch werden z.B Größenangaben für Tiere mit flacher Hand angegeben (wie Größenangaben in Deutschland grundsätzlich), für Menschen mit aufgestellter Hand.

Traditionelle Sitten und christliche Wertvorstellungen

Insgesamt ist das Andenhochland ein christlich geprägter Landstrich, bei dem die Familie bzw. die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht. Man ist grundsätzlich eher beziehungs- statt sachorientiert. Daher ist es auch wichtig, mit wem man Beziehungen pflegt und wen man kennt. Ordentlich angezogen zu sein ist eine Form von Respekt und insgesamt sind traditionelle Sitten und Gebräuche wichtig.

Die Natur dient als Inspirationsquell, der Mythologie und des Aberglaubens. Man ist insgesamt eher ereignisorientiert, spontan und flexibel. Das Leben orientiert sich in der Regel nicht an der Uhr sondern an Ereignissen. Es ist immer wichtiger im Augenblick präsent zu sein, als Zeit zu sparen und das bedeutet eben auch oft, das man zu Veranstaltungen kommt, wenn es äußere Ereignisse ermöglichen, obwohl man auch anerkennt, dass man in einigen Bereichen nach der Zeit strukturiert arbeiten muss.

Gleichberechtigung setzt sich nur zögerlich durch. Doch der Einfluss der Industrienationen verändert rasant die Kultur. Insgesamt ist man Hin-und Hergerissen zwischen dem Bewahren und dem neuen Konsum.

Gute Rahmenbedingungen für den Unterricht

Die Deutsche Schule Quito befindet sich auf einem großzügigen, schön bepflanzten Gelände des Vorortes Cumbaya in spektakulärer Bergkulisse. Nicht selten begrüßte mich der Cotopaxi auf meinem Weg zur Arbeit, wenn ich aus den morgendlichen Wolken Quitos ins Tal fuhr. Die Sonne und die Kolibris taten ihr Übriges, damit man gut gelaunt zur Schule kommen kann.

Aber nicht nur das Gebäude und die Umgebung waren angenehm, auch die Schüler/innen, Kolleg/inn/en und Mitarbeiter/innen der Deutschen Schule trugen sehr zu einer freundlichen Atmosphäre bei. Hier merkte man, dass die Schule nicht nur Arbeitsstätte, sondern auch Lebensraum ist, an dem man viel Zeit verbringt und Freunde findet. Man kennt sich, innerhalb der eigenen Sektion – zumindest vom Sehen.
Die DSQ besteht aus Kindergarten, Grundschule (Primaria) und einem gymnasialen Zweig, der Sekundaria, in den Haupt- und Realschule integriert sind. Das „Duale System“, welches sich an die Sekundaria anschließt, ist unserer Berufsschule ähnlich.

Familiäre Atmosphäre

Zur Zeit meines Aufenthalts in Ecuador wurden an der DSQ ca. 1.600 Schüler/innen unterrichtet, davon ca. 900 im gymnasialen Bereich, in dem ich tätig war. Hier werden u.a. ecuadorianische und deutschsprachige Kinder gemeinsam unterrichtet, eine multikulturelle Begegnung, die mir persönlich viel Freude bereitet hat.

Im gymnasialen Zweig gibt es bis zur neunten Klasse eine rein deutschsprachige Klasse (DK), drei nationale Klassen mit Deutsch als Fremdsprache und einen nationalen Zweig mit Deutsch im Fachunterricht (DFU), in welchem besonders sprachbegabte ecuadorianische Kinder zusammen gefasst werden, um sie ab der 10. Klasse in den deutschen Zweig zu integrieren. Die ehemalige DF- und die ehemalige DK-Klasse werden dann gemischt und gemeinsam zum Abitur und zum Bachillerato geführt.

Die Unterrichtsgebäude sind weitläufig, die Klassenräume hell. Da die Schüler/innen meist seit dem Kindergarten die Schule besuchen, kennen sie sich untereinander und die meisten Lehrer/innen gut, wodurch - trotz der Größe - eine familiäre Atmosphäre entsteht. Unterstützt wird dies durch das bis zum Abitur/Bachillerato bestehende Klassensystem und die angenehme Klassengröße von durchschnittlich 25 Schüler/innen. Die DaF-Kurse enthalten meist nicht mehr als 12 Schüler/innen.

Schuleigenes Theater

Es ist in der Regel auch immer eine helfende Hand zur Stelle, sei es bei verwaltungstechnischen oder auch bei ganz praktischen Arbeiten, wie dem Anbringen eines Nagels. Die wachsenden Schülerzahlen machen jedoch weitere Ausstattungsanforderungen nötig. Auch neuere pädagogische Studien bringen den „Raum als dritten Pädagogen“ ins Spiel (z.B. die Dokumentation "Der Raum ist der Dritte Pädagoge" von Reinhard Kahl), was meines Erachtens nach bisher noch zu wenig Berücksichtigung fand.
Als Deutschlehrerin freute ich mich besonders über das schuleigene Theater, das in Zusammenarbeit mit dem „Teatro Sucre“, einer der wichtigsten kulturellen Institutionen der Stadt, ein reichhaltiges Kulturprogramm bot, auch für selbst organisierte Veranstaltungen, wie z.B. zum 3. Oktober. Viele der Theateraufführungen, Dichterlesungen und Filmabende ließen sich hervorragend in den Unterricht integrieren.

Diese kulturellen Veranstaltungen bieten auch die Möglichkeit, dass sie durch Schüler/innen bzw. vielleicht sogar durch Einzelne der gesamten Schulgemeinschaft gruppenübergreifend (Lehrer, Schüler, Eltern, Servicekräfte, Verwaltungsangestellte, Künstler etc.) selbst gestaltet werden, um mehr Beteiligung der Schulgemeinschaft an gemeinschaftlichen kreativen Prozessen und mehr Integration zu ermöglichen.

Im Sinne des Konzepts der „Education Cities“ könnte die DSQ ihren Wirkungskreis auch über das Theater hinaus auf den Einbezug der Umgebung ausweiten. Vernetztes Erziehen und Lernen vor Ort zielt auf eine optimale Kooperation und Kombination von Bildungsträgern und -unterstützern in einer begrenzten Region für lebenslanges Lernen, und Schüler/innen könnten so weniger in einer geschützten Blase ohne anderen Kontakt als zu Elternhaus und DSQ aufwachsen.

Mein Unterrichtseinsatz

Als Gymnasiallehrerin war ich als DaM-, DaF-, Ethik- und Klassenlehrerin in den Klassen 7-12 eingesetzt (I. – VI. Kurs). In jedem Jahr war ich gleichermaßen an der Durchführung der Lernstandserhebungen in DaM, des Sprachdiploms I und II und der mündlichen wie schriftlichen Abiturprüfungen im Fach Deutsch beteiligt. Dass ich jeweils in den IV. Kursen eingesetzt worden bin, einmal sogar als Klassenlehrerin, hat mich sehr gefreut, da dies eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe ist, denn in diesem Kurs steht die Integration der nationalen Schüler/innen in den DI-Zweig im Vordergrund, was eine besondere pädagogische Herausforderung ist und mir als Pädagogiklehrerin große Freude bereitet. Dazu kommt die besondere Aufgabe, im Ausland lebende deutschsprachige und ecuadorianische Schüler/innen an ein nahezu muttersprachliches Deutsch-Niveau heranzuführen und auf das Abitur vorzubereiten, was mich auch als Germanistin gereizt hat.

Die Leitung der Fachschaft Ethik hatte ich seit 2006/07 übernommen. Mitglied in der Steuergruppe (Arbeitsgruppe für das PQM der DSQ) war ich von 2007/08-2010/11. Zeitgleich begann auch meine Aufgabe als Koordinatorin der schulinternen Fortbildungen (SchiLF-Ko), die ich seitdem noch weiter ausgebaut und professionalisiert habe, auch über den Schulrahmen hinaus (s.u.). Zusammen mit Herrn Krämer leitete ich seit 2009 die interkulturellen Fortbildungen für die neuen Lehrkräfte der DSQ und der Region 4. In Zusammenarbeit von SchiLF und PQM, dessen Leiter Herr Krämer lange war, haben wir auch das Pädagogische Kino ins Leben gerufen, wo durch kurze Impulse (Filme oder auch Vorträge) den Schulmitgliedern die Möglichkeit zu Diskussion und Gedankenaustausch gegeben wurde.

Schulinterne Fortbildung

Die Fachschaftsarbeit, die Steuergruppen- und Fortbildungstätigkeit boten neben der Möglichkeit, das Schulleben aktiv mitgestalten zu können, eine einmalige Möglichkeit mit ecuadorianischen und anderen lateinamerikanischen Kollegen zusammenzuarbeiten. Hierbei habe ich in den sechs Jahren viele gewinnbringende Erfahrungen sammeln können, die mich beruflich wie auch persönlich sehr bereichert haben und die ich nicht missen möchte.

Vor ganz neue und andersartige Aufgaben stellte mich die übertragene Funktion der schulinternen Fortbildungskoordinatorin. Hierbei war es meine Aufgabe, ein schulinternes Fortbildungskonzept für die Deutsche Schule zu entwickeln, das unserem Schulprofil, dem Fortbildungsbedarf der einzelnen Lehrer/innen, der DSQ und den Maßstäben des PQM gerecht werden sollte. Des Weiteren umfasste der Aufgabenbereich die Planung von Fortbildungen, ihre Evaluation sowie die Multiplikation und Dokumentation der Ergebnisse. Um eine Nachhaltigkeit zu garantieren. Hierbei war eine enge Zusammenarbeit mit dem ReFoKo wichtig. Außerdem stand ich den Lehrer/inne/n und Fachleiter/inne/n als Ansprechpartnerin in Fortbildungsfragen und der Schulleitung als Kooperationspartnerin in der Fortbildungsplanung zur Verfügung.

Mit der Unterstützung der Schulleitung und Herrn Wicke organisierte ich das nun regelmäßig stattfindende SchiLF-Ko-Treffen, wo wir SchiLF-Kos uns zusammen mit den ReFO-Kos und dem Prozessberater austauschten und gegenseitig fortbildeten, was mir neben dem überschulischen professionellen Austausch auch viele bereichernde Einblicke in andere Deutsche Schulen ermöglicht hat.

Bindeglied zwischen Schule und Wissenschaft

Da die Aufgaben für die SchiLF-Ko immer mehr wurden, haben wir die Stelle zum Team erweitert und konnten ein Team aus einer nationalen und einer deutschen Lehrkraft aus verschiedenen Sektionen der Schule bilden, was ich als große Bereicherung empfinde. So können kulturell unterschiedliche Bedürfnisse und Berufserfahrungen bei der Planung besser in den Blick genommen werden. Außerdem hatten wir uns die Zuständigkeiten aufgeteilt: Eine nationale Ansprechpartnerin war für den Kindergarten und die Grundschule zuständig, ich für die Sekundaria und das Systema Dual, auch das erhöhte die Effizienz der Arbeit, weil wir Informationen in unseren jeweiligen Abteilungen besser transportieren konnten.

Diese vielfältige, spannende und interessante Aufgabe hat mir sehr viel Spaß gemacht und mir auch bereits viel Gelegenheit zur beruflichen wie persönlichen Weiterentwicklung (s.u.) gegeben. Durch die vielfältig administrative Arbeit bleibt jedoch wenig Möglichkeit innovative Ideen und Impulse in die Schule hineinzutragen. Ich sehe in der Funktion des SchiLF-KOs auch ein Bindeglied zwischen Schule und aktueller Wissenschaft. Als SchiLF-Ko könnte man sich auch gut um den neuen Forschungsstand zur Lern-, Unterrichts- und Schulforschung kümmern. Hier könnte man sich ganz konkret zu den für die Schule interessanten Bereichen, z.B. die bei den internen und externen Schulevaluationen herausgefundenen Schwachstellen, informieren und Impulse und konkrete Fortbildungsangebote machen. Hierbei ist es meiner Meinung nach wichtig auch auf sich spontan ergebende Fortbildungsmöglichkeiten reagieren zu können. Ich selbst habe meine Aufgabe so verstanden und dadurch sehr viele Impulse bekommen. Leider wurde meiner Meinung nach insgesamt an der Schule mehr Wert auf den administrativen Teil der Aufgabe gelegt, was ich sehr bedauerte.


Konzeptentwicklung

Für den SchiLF-Bereich sollte ich zunächst ein Konzept für die DSQ entwickeln, was aufgrund meiner mangelnden Erfahrung im Bereich Projektmanagement nicht ganz einfach war. Es hat einige Zeit persönlicher Einarbeitung gedauert, bis ich mir das nötige Wissen beschafft hatte, was dann aber später von Erfolg gekrönt war und mich sehr zur Weiterarbeit in diesem Bereich motivierte. Das Konzept wurde später dann sogar an anderen deutschen, aber auch nationalen Schulen als Grundlage eingesetzt und weiter entwickelt.

Eine Zusammenarbeit mit den jeweils zuständigen KollegInnen über die eigene Schule hinaus auch zusammen mit dem Prozessbegleiter und den Refokos war ein weiterer sehr spannender Arbeitsbereich. Die Zusammenarbeit mit ReFo und dem Ressourcenzentrum haben wir dann sogar strukturell gefestigt und es auch in Bezug zum Fünfjahresplan 12/17 der Schule gesetzt, um die Fortbildungen zu systematisieren und die Nachhaltigkeit zu sichern.

Zusammenarbeit mit überschulischen InstitutionenAus der Erfahrung mit dem Schreiben des SchilF-Konzepts und der Mitarbeit bei der Entwicklung des Konzepts für die Steuergruppe haben Jörg Krämer und ich für die Deutsche Schule Quito ein Konzept zur Implementierung von interkulturellen Fortbildungen für die neuen Kollege/inn/en der Schule und auch der Region entwickelt. Auf Initiative von zwei Kolleginnen der Deutschen Schule Cuenca haben wir auf der Basis unseres Konzepts mit ihnen zusammen auch ein Konzept für ihre Schule entwickelt. Zusammen mit dem Rector Oficial der DSQ habe ich weiterhin ein Konzept zur Zusammenarbeit mit dem Ecuadorianischen Erziehungsministerium erarbeitet, welches die Übernahme einer Mentorenfunktion der DSQ für eine öffentliche Schule in Otavallo vorsieht und welches bereits in die Praxis umgesetzt wird. Gerade diese Zusammenarbeit mit nationalen überschulischen Institutionen und Lehrer/innen hat mir große Freude bereitet, weil ich so noch einmal einen ganz anderen Eindruck vom Land bekommen konnte.Schülerschaft Die Schüler/innen der DSQ kommen aus der unteren Oberschicht. Da die Schule aus Deutschland subventioniert wird, war sie bisher für eine Privatschule vergleichsweise günstig, was es auch weniger reichen Familien ermöglichte, ihre Kinder auf diese Privatschule zu schicken. Die Erhöhung der Schulkosten verändert sicherlich auch das Klientel der Schule. Mir scheint eher dieser Umstand, der gute Ruf der DSQ und die Tatsache, dass die DSQ eine sehr gut ausgestattete Schule mit Schwimmbad und der einzigen Tartanbahn des Landes ist, das Auswahlkriterium für die DSQ zu sein als der Zugang zu einer deutsch oder europäisch geprägten Erziehung oder die Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlenen. Oft habe ich den Eindruck, dass man auf die DSQ geht, obwohl man Deutsch lernen muss. Daher hatte Deutsch als Fremdsprache zwar einen wichtigen, manchmal aber auch schweren Stand.Da oftmals keine besondere Affinität zur deutschen Sprache und Kultur vorhanden ist, fiel es den meisten Schüler/inne/n schwer, sich an die deutsche Sprache, die deutsche Direktheit und unsere deutsche Arbeitseinstellung zu gewöhnen. Die deutsche Vorstellung von Arbeit und Leistung, auch von Verantwortung und Selbstständigkeit, unterscheidet sich sehr von der ecuadorianischen. Eine interkulturelle Schulung der Lehrkräfte hätte ihnen die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur erleichtern können.

Beidseitiges voneinander Lernen

Von Seiten der Schule bestand ein ständiges Bemühen, den ecuadorianischen Schüler/innen die deutsche Kultur und Sprache in vielfältigen unterrichtlichen wie außerunterrichtlichen Aktivitäten näher zu bringen und ihnen eine Annäherung zu erleichtern. Die Schüler/innen nahmen diese Angebote gerne an. Die Bereitschaft der Schüler/innen, sich auf die für sie so andere Kultur einzulassen, hängt meiner Meinung nach auch immer mit der Bereitschaft der deutschen Lehrer/innen zusammen, auch auf die ecuadorianische Kultur zuzugehen. Ein beidseitiges Lernen voneinander ist hier erwünscht, bringt gegenseitigen Respekt zum Ausdruck und ermöglicht Begegnungen.

Da die guten bis sehr guten Schüler die DF oder DI besuchen, ist die Leistungsbereitschaft (m.E. wegen des Creaming-Effekts) in den DaF-Kursen im Fach Deutsch als Fremdsprache vergleichsweise niedrig. Trotzdem war das Leistungsniveau insgesamt immer noch so hoch, dass in den letzten Jahren in der Regel 100% der Schüler/innen das Sprachdiplom bestanden haben.

In Ethik und Deutsch als Muttersprache bin ich auf überwiegend gut motivierte und leistungsbereite Schüler/innen getroffen, die ja insbesondere im DK und DI-Bereich enorme Leistungen bringen müssen, um das Gymnasialniveau in einer für sie meist fremden Sprache halten zu können. Das bringt besondere Schwierigkeiten für die in die DK integrierten Haupt- und Realschüler/innen, die dem gymnasialen Niveau nicht gewachsen sind, aber wenig Möglichkeiten zum Wechseln haben. Das Leistungsniveau der gymnasialen Schüler/innen ist in der Regel gut bis sehr gut. Hier sollte meiner Meinung nach verstärkt die Binnendifferenzierung in den Blick genommen werden, um der Heterogenität in den Klassen gerecht zu werden.

Dafür sind meiner Meinung nach aber verstärkt Schulungen für die Lehrkräfte nötig, da wir Gymnasiallehrer zwar mit Binnendifferenzierung auf Gymnasialniveau vertraut sind, in der Regel aber nicht im Haupt- und Realschulbereich. Auch erscheinen mir andere Unterrichtsformen wie etwa das Team-Kleingruppenmodell (vgl. Gesamtschule Holweide oder Winterhude), der Werkstattunterricht nach Jürgen Reichen oder aber das Prinzip des offenen Unterrichts (z.B. nach Falko Peschel) eine sinnvollere Möglichkeit, mit der Leistungsvielfalt nicht nur umzugehen, sondern sie sogar sinnvoll zu nutzen, um gezielte Leistungsförderung zu betreiben.

Ethikunterricht ermöglicht realitätsnahe Themen

Es muss nicht besonders betont werden, dass dem Fach Deutsch an einer Deutschen Schule, die zum Abitur führt, eine herausragende Stellung zukommt. Mir hat es besonders viel Spaß gemacht in diesem Bereich zu arbeiten, weil wir immer viele gemeinsame Gestaltungsmöglichkeiten im Unterricht hatten, die die Schüler/innen gerne und erfolgreich genutzt haben.

Auch dem Fach Ethik wurde an der Schule eine besondere Bedeutung zugesprochen, was man meiner Meinung nach schon daran sieht, dass mir als ADLK die Fachleitung übertragen wurde. Die Schule vertritt zwar laut Profil theoretisch einen ganzheitlichen Ansatz, eine „Pädagogik des Weges“, der meiner Meinung nach aber bisher weitgehend akademisch umgesetzt wird und neueren Lerntheorien nicht gerecht wird. Die Schule will „eigenständige Menschen bilden, die verantwortungsbewusst entscheiden und handeln und den Grundsätzen eines interkulturellen, toleranten und solidarischen Zusammenlebens folgen, kritisch und akademisch kompetent sind und sich aktiv den Herausforderungen der heutigen Welt stellen“ (Schulprofil), alles Kompetenzen, die im Fach Ethik besonders ausgebildet werden können.

Auch für die Schüler/innen war das Fach Ethik von besonderem Interesse, da es viele schüler- und realitätsnahe Themen anbietet und eigene Handlungsweisen, Konsequenzen und Verantwortlichkeiten in den Blick nimmt. Zudem bietet es vielfach die Möglichkeit, die Probleme ihres Landes gezielt zum Gegenstand des Unterrichts zu machen, z.B. Identität, Korruption, Umweltschutz etc.

Praktische Möglichkeiten realer Beteiligung

Hilfreich hierfür wären praktische Möglichkeiten zur realen Beteiligung der Schüler in der Arbeitskultur, in denen sie die theoretisch gelernten Fertigkeiten auch anwenden und ausprobieren können. Laut Hannam-Report (A pilot Study to evaluate the impact of the student participation aspects of the citizenship order on standards of education in secondary. Report to the DfEE. By Derry Hannam. April 2001) verbessert sich die Situation der Schule für Rektorat, Lehrer und Schüler ungemein bei bestehender Partizipation von Schülern und Schülerinnen im Schulalltag. Beispiele hierfür können sein:
• das gemeinsame Aushandeln von demokratischen Leitbildern und eigenen Regeln in Schulprogrammen, Schulvereinbarungen und Schulverfassungen
• Modelle eines demokratischen oder soziokratischen Schulalltags mit erweiterten Formen der Schüler- und Elternvertretung, z.B. Kinder- oder Schulparlamenten, Klassen- und Jahrgangsräten oder Schulversammlungen und einer selbst gestalteten Schulöffentlichkeit mit eigenen Ausdrucksformen und Medien
• die Einführung demokratischer oder soziokratischer Konfliktlösungsmodelle der Deeskalation, Mediation, Streitschlichtung
• alternative Lehr- und Lernstrukturen wie die Abschaffung oder Auflockerung des Stundenrasters und der Stundentafel, fächer- oder stufenübergreifender Unterricht, offene und Wahlangebote, Projektunterricht, individuelle Lernpläne, altersgemischte Gruppen, Binnendifferenzierung, selbstorganisiertes Lernen, Schülerklubs oder Schülerfirmen, Peer Education oder Service Learning.

Partizipative Arbeitskultur nutzt SchülerInnen

„Schüler und Schülerinnen profitieren unabhängig von der intellektuellen Begabung, des Geschlechts und der sozialen Herkunft in mehrfacher Hinsicht von einer partizipativen Arbeitskultur an ihren Schulen. Das äußert sich hinsichtlich ihres inneren Wachstums (Selbstbewusstsein, Motivation, Empowerment), ihrer Sozialkompetenzen (Kommunikation, Kooperation, Verantwortungsbereitschaft) und ihrer akademischen Leistungen.“ Aus diesem Grund halte ich praktische Möglichkeiten zur realen Beteiligung der Schüler in der Arbeitskultur für unbedingt notwendig.

Insgesamt hatte ich das Glück an der DSQ drei Fächer zu „unterrichten“, die sowohl innerhalb der Schule als auch im Leben der Schüler/innen eine besondere Stellung einnehmen, was eine hohe Beteiligung der Schüler an der Planung, Gestaltung und Auswertung des Unterrichts erleichtert und auch eine Öffnung von Unterricht nach dem Konzept von Falko Peschel ermöglicht - soweit das eine Schule mit vorgegebenen Fächer- und Zeitstrukturen erlaubt – was mir besonders viel Freude macht.

Außerunterrichtliche Aktivitäten

- die Organisation und Teilnahme an Integrations- und Klassenfahrten und –feiern verschiedener Kurse
- Mitgestaltung pädagogischer Tage zu verschiedenen Themen
- Begleitung von Projekten zur „Sozialarbeit“, die die Schüler/innen in der Schule, in deren Umfeld und in dem Andenhochland leisten
- Mitgestaltung am „Arbeitstag für Eltern“
- Begleitung und Mitgestaltung eines Work-Shops zur Zukunftsorientierung der V. Kurs
- Organisation und Mitgestaltung einiger Shows zum Tag der Deutschen Einheit der V. Kurse
- Organisation und Mitgestaltung einiger Abiturfeiern und Abiturvorbereitungswochenenden in Mindo für die VI. Kurse
- Besuche der hiesigen Gebetshäuser verschiedener Religionen mit unterschiedlichen Kursen
- Organisation von interkulturellen Schulungen und Gesprächsrunden von jugendlichen Austauschgruppen

Über den Tellerrand hinaus schauen

Wie oben schon erwähnt, hatte ich durch meine verschiedenen Aufgabenbereiche häufig die Möglichkeit, mit nationalen Lehrkräften zusammen zu arbeiten. Insbesondere durch diese Zusammenarbeit wird man oft vor schwierige fachliche und interkulturelle Situationen gestellt, die einem bei der Einnahme von neuen Blickwinkeln ganz neue Perspektiven und Sichtweisen eröffnen. Ich halte insbesondere diese Zusammenarbeit für außerordentlich bereichernd und persönlichkeitsentwickelnd und zugleich für eine tolle Gelegenheit einen Zugang zur hiesigen Kultur zu finden. Gemeinsame private Unternehmungen wie die Besuche der Fußballspiele der ecuadorianischen Nationalmannschaft oder die gemeinsame Chivafahrt am 6. Dezember neben vielen anderen zeigen, dass auch über das Berufliche hinaus ein großes Interesse an den Kolleg/inn/en untereinander besteht.

Meine Tätigkeit als SchiLF-Ko ermöglichte mir auch mit außerschulischen Partner/inne/n zusammenzuarbeiten, bspw. nationalen wie internationalen Fortbildner/inne/n. Gerade diese Kooperation ermöglichte das „Über-den-Tellerrand-hinaus-Schauen“ und somit auch das Hinterfragen und Überprüfen eigener schulinterner Konzeptionen. Besonders interessant waren Kontakte zu Fortbildner/inne/n, die im außerschulischen Bereich arbeiten und so häufig ganz andere gedankliche Impulse und Anregungen geben können.

Auch meine eigenen Fortbildungen von nationalen Kolleg/inn/en war eine sehr bereichernde und wunderbare Erfahrung. Im Rahmen der oben erwähnten Konzeptentwicklung mit dem ecuadorianischen Erziehungsministeriums habe ich das Fortbildungskonzept der Deutschen Schule bereits erfolgreich vor Ministern des ecuadorianischen Erziehungsministeriums, Rektoren verschiedener Schulen und dem Kollegium der Partnerschule in Otavalo vorgestellt, was eine sehr bereichernde und schöne interkulturelle Erfahrung war. Besonders freut mich, dass aus vielen dieser beruflichen Kontakte mittlerweile auch private Kontakte geworden sind, die mein Privatleben sehr bereichern und mir den Abschied sehr erschwerten.

Vorschläge, die an Deutschen Schulen Berücksichtigung finden könnten

Durch eine Bekannte, die an einer Deutschen Schule in Kairo gearbeitet hat, habe ich von einem „Kulturvermittler“ gehört, der in besonderen interkulturellen Fragen helfen und professionell eigeninitiativ und / oder auftragsorientiert Kommunikationsprozesse initiieren und gestalten kann. Die Einrichtung einer solchen Stelle halte ich für wünschenswert und außerordentlich hilfreich, um interkulturelle Missverständnisse zu vermeiden, die die Zusammenarbeit manchmal unnötig behindern.

Aus eben diesem Grund halte ich auch regelmäßige Fortbildungen zur interkulturellen Kommunikation und Kompetenz für Lehrer/innen und Führungspersonen beider Kulturen an einer Deutschen Auslandsschule für sehr hilfreich und wertvoll. (Tipp: Die Deutschen - Wir Deutsche. Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben von Sylvia Schroll-Machl). Dies gilt insbesondere für Funktionsstellen und Führungspositionen, da Menschenführung in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich funktioniert.

Wie schon erwähnt, halte ich reale Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung der Schüler in der Arbeitskultur für unbedingt notwendig. Ich persönlich würde mir eine Sensibilisierung der für Auslandsschulen arbeitende Personen für die Brisanz der Stellung des Auslandsschulwesens in einem Entwicklungsland wünschen (z.B. anhand des Filmes „Schooling the world“). Ebenfalls ist solches wichtig für Lehrer/innen und Rektoren in Bezug auf die Gefahr der Entfremdung der nationalen Schüler/innen von ihrer eigenen Kultur (z.B. durch die TCK-Theorie).

Insgesamt glaube ich, dass der aktive Einbezug der Eltern in die Arbeitskultur der DSQ für den Lernerfolg und das Wohlbefinden der nationalen Schüler/innen im Deutschzweig sehr förderlich wäre. Der oben angeführte Hannam-Report erläutert die Gründe dafür näher. Eine stärkere Orientierung von Schulorganisation und Unterricht im Allgemeinen an aktuellen neurodidaktischen Studien zum Thema Lernen (z.B. Hüther, Roth, Bauer, Schirp, Spitzer etc. und des Hannam-Reports) halte ich für notwendig.

Gesunde Führung

Laut Dr. Jörg-Peter Schröder sollte eine Führungsperson eines lebendigen und gesunden Unternehmens folgende Aufgaben erfüllen, wobei die in Klammern gesetzten Kommentare von mir stammen:

• Aufbruchstimmung erzeugen
• Sinnstifter eines ganzheitlichen und nachhaltigen Wachstumprozesses sein
• Eine Kultur der Verantwortung und Begegnung initiieren (dafür müssten sie dafür aber geschult werden, in gewaltfreier und interkultureller Kommunikation und in Personalführung)
• Eine Atmosphäre zu unterstützen, in der es Freude und Sinn macht, sich persönlich einzubringen, damit ein gemeinsamer Spirit entsteht
• Die bioklimatischen Verhältnisse durch Respekt und Wertschätzung zu verbessern
• Botschafter eines kontinuierlichen Entwicklungsprozesses zu sein
• Erlaubnis zu geben, damit ein neuer Mind-Set entstehen kann
• Ideen entstehen und beherzt in die Tat umsetzen zu lassen
• Kreative Zerstörung zu ermöglichen, damit sich Besseres entwickeln kann
• Ergebnisoffen zu sein für den Prozess
• Empathisch bei den Bedürfnissen der Mitarbeitenden zu bleiben
• Der Gestaltungskraft der kollektiven Intelligenz aller Zellen zu vertrauen, Schwarmintelligenz zu nutzen.

In diesen Bereichen geschulte Führungspersonen würde ich mir wünschen. Auch würde ich mir eine stärkere Aufgaben- und Verantwortungsverteilung und somit ein Aufweichen von Führungsebenen wünschen, denn ich habe den Eindruck, dass man im Ausland oft allein zwischen allen Fronten steht, zu denen noch einige Dimensionen mehr kommen als in Deutschland, z.B. Verhandlungen mit Schulvorstand und Ministerien des Schulsitzes etc. In meinem konkreten Erfahrungsfall hätten viele dieser Aufgaben jedoch gut Menschen aus dem Kollegium übernehmen können, wenn die Hierarchie flacher und die Kommunikation miteinander offener gewesen wäre. Dafür müssten aber auch Ressourcen für die SchulleiterInnen geschaffen werden, sich professionell auf solche Aufgaben vorzubereiten und sie ausführen zu können.

Fazit

Der Arbeitsaufenthalt an der DSQ in Ecuador gehört wohl zu den besonders bereichernden Ereignissen in meinem Leben, die mich nachhaltig geprägt und verändert haben, beruflich wie privat. Auch wenn ich an vielen Stellen Verbesserungsvorschläge notiert habe, bin ich unglaublich dankbar diese Möglichkeit bekommen zu haben und an ihr so gereift zu sein. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle noch einmal allen Beteiligten - insbesondere aber auch meinem Schulleiter - danken, der mich an diese Schule geholt hat und mit dem ich sehr gewachsen bin.

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