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Schwarzer Fleck: die Integration der Ureinwohner

Während sich die Sonne für einen angenehm warmen Sommertag entschieden hat, ist es im Raum eisig. Das liegt nicht an den Kolleginnen und Kollegen der Canadian Teachers‘ Federation (CTF), sondern an einer der allgegenwärtigen Klimaanlagen.

21.07.2015 - Uschi Kruse

Heather Smith und die anderen Vorstandsmitglieder der GEW-Schwestergewerkschaft sind am Montag alles andere als unterkühlt. Sie waren nicht nur so freundlich, die im Vorfeld zugesandten Fragen ausführlich in einer 34- seitigen Broschüre zu antworten, sie berichten auch so engagiert, interessant und humorvoll, dass man merkt, wie sehr sie die Situation im kanadischen Bildungssystem persönlich betrifft. Schon nach wenigen Minuten wissen wir, dass die Zeit zu kurz sein wird: Inklusion, frühkindliche Bildung, Finanzierung des Bildungssystems, Rolle der Zentral- und der Provinzregierungen, Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte, Mehrsprachigkeit, Rolle der modernen Medien, Pisa - zu all diesen und weiteren Stichworten werden wir informiert und fragen gerne nach.

Der Widerspruch

Vor allem aber dies: Warum gelingt die Integration von Kindern aus Zuwandererfamilien so gut und warum sind die Kinder der „First People“, der Ureinwohner Kanadas, noch heute so benachteiligt? Die kanadischen Gewerkschafter*innen erzählen uns, welche verheerenden Wirkungen die „Residential Schools“ bis heute haben. In diese Internate wurden rund 150.000 Kinder der kanadischen Ureinwohner gezwungen. Sie wurden ihren Eltern mit Gewalt weggenommen und damit zugleich von deren Tradition abgeschnitten. Nach zehn bis zwölf Jahren waren den Jugendlichen nicht nur ihren Familien entfremdet, auch Muttersprache und kulturelle Identität hatten sie verloren. Hinzu kamen zahlreiche psychische und physische Übergriffe.

In ihrem diesjährigen Bericht hat die „Truth and Reconciliation Commission“ beispielsweise 3.201 Todesfälle unter den Schülerinnen und Schülern dokumentiert. Die letzte dieser Schulen wurde Mitte der 1990er-Jahre geschlossen. Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler kämpfen mit Depressionen, haben häufig Alkohol- und Drogenprobleme. Und: Sie „vererben“ ihre gesellschaftliche Benachteiligung an ihre Kinder. Das stellt das kanadische Schulsystem, die Lehrkräfte und die CTF vor enorme Herausforderungen.

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