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Schwarzbuch "Arbeit in Integrationskursen"

Leider keine Seltenheit: Lehrkräfte, die für die Vermittlung der deutschen Sprache für Migrantinnen und Migranten im Rahmen der Integrationskursverordnung tätig sind, werden selbst ins soziale Abseits gedrängt. Dieses Unrecht geschieht in staatlicher Regie auf Bundesebene, denn die Steuerung der Integrationskurse erfolgt durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das wiederum den Weisungen des Bundesinnenministeriums (BMI) zu folgen hat. Mit dem zweiten Schwarzbuch zur Lage der Integrationslehrkräfte nimmt die GEW diesen Skandal ins Visier.

09.10.2012

Warum von sozialem Abseits gesprochen werden kann, wird in diesem Schwarzbuch nachgewiesen und zwar von denjenigen, die selbst in Integrationskursen arbeiten: Für ihre Arbeit in Integrationskursen erhalten akademisch qualifizierte Lehrkräfte Vergütungen am Rande des Existenzminimums, ohne soziale Absicherung durch den staatlichen Auftraggeber, eine eklatante Ungerechtigkeit im Vergleich zu anderen Lehrkräften im öffentlichen Dienst! Altersarmut ist vorprogrammiert. Ungerecht ist auch, dass die pädagogische Arbeit in Integrationskursen ähnlich reglementiert ist, wie im staatlichen Schulsystem und dennoch am freiberuflichen Status der Lehrkräfte festgehalten wird, auch bei vollberuflichem Einsatz. Dagegen wurde schon mehrmals geklagt, wie letztlich in Schleswig-Holstein. Dieses Gerichtsverfahren wird im Schwarzbuch 2 dargestellt und der freiberufliche Status der Lehrkräfte aus juristischer Sicht kritisiert.

Die betroffenen Lehrkräfte wehren sich, gemeinsam und mit gewerkschaftlicher Unterstützung. Sie erheben ihre Stimme, machen Aktionen, wenden sich an politisch Verantwortliche, bis hin zum Bundespräsidenten und zur Bundeskanzlerin. Auch darüber und über die konkreten Forderungen zur Verbesserung der Situation informiert das Schwarzbuch 2.

Die GEW will mit ihrem aktuellen Schwarzbuch sowohl die parlamentarischen Initiativen im Deutschen Bundestag unterstützen, die Lage der Lehrkräfte in Integrationskursen zu verbessern, sowie die verantwortlichen Entscheidungsträger auffordern, die skandalöse Unterbezahlung und soziale Unsicherheit für die Lehrkräfte in Integrationskursen endlich zu beenden. Auch die Bildungsträger sollten ein Interesse daran haben, ihren Lehrkräften gute Arbeitsbedingungen zu bieten.

Bereits in ihrem ersten Schwarzbuch zur Beschäftigungssituation in der Weiterbildung von 2010 wurden prekäre Arbeitsverhältnisse im staatlich organisierten Weiterbildungsbereich aufgezeigt und bessere Rahmenbedingungen für die Weiterbildung gefordert.

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