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Schulfach Wirtschaft: Pluralistische Ausbildung der Lehrkräfte nötig

Die Einführung von Wirtschaft als Pflichtfach an den allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg hat zu viel Aufregung geführt. Aber wie sieht es eigentlich in der Lehrkräftebildung aus?

07.12.2016

Während die Forderungen nach mehr Wirtschaftsunterricht an den Schulen immer lauter werden, steht die dafür notwendige Qualifizierung der LehrerInnen selten im Fokus. Das ökonomische Wissen, das Lehrkräfte von den Hochschulen mit an die Schulen bringen, variiert von Bundesland zu Bundesland sowie von Uni zu Uni.

Der Bielefelder Didaktiker und Wirtschaftssoziologe Reinhold Hedtke kritisiert eine fehlende Verbindung zwischen den Disziplinen an den Hochschulen: "Die Politiklehrer haben dann keine Ahnung von Wirtschaft, die Wirtschaftslehrerinnen haben keine Ahnung von Politik, ganz abgesehen davon, dass beide keine Ahnung von Gesellschaft haben."

Die BWL sei zudem eine Wissenschaft für das Management und nicht darauf ausgerichtet, Verbraucher oder Arbeitnehmer zu stärken. Die VWL richte sich vorwiegend an Politiker. Insofern seien die Wirtschaftswissenschaften weit weg vom demokratischen Auftrag der Lehrkräfte, SchülerInnen zu kompetenten Bürgern zu erziehen, betont Hedtke.

Auch die GEW-Schulexpertin Martina Schmerr sieht den Trend hin zu einer monoperspektivischen Ausbildung an den Hochschulen kritisch: "Die GEW ist für eine umfassende sozioökonomische Bildung, in der wirtschaftliche Fragen eingebettet sind in gesellschaftliche und politische Zusammenhänge. Die Ausbildung von Lehrkräften muss genauso ausgerichtet sein: interdisziplinär und plural."

Hedtke appelliert an die Kultusministerien, von den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten eine pluralistische Ausbildung für Lehrkräfte zu fordern. "Als Student wähle ich mein VWL-Studium selbst, aber als Schüler habe ich Schulpflicht, sitze in der Klasse, wenn mir ein Lehrer dann einseitige VWL-Kenntnisse vermittelt, ist das in keiner Weise mit dem Kontroversitätsgebot vereinbar."

Der gesamte Artikel von Eleonora Pauli ist in der Dezemberausgabe der "E&W" nachzulesen.

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