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„Schulen ohne Bundeswehr“ erhalten Aachener Friedenspreis

Zwei Schulen, die der Bundeswehr Auftritte und Werbeveranstaltungen im Unterricht untersagen, haben am Sonntag den Aachener Friedenspreis erhalten. Ausgezeichnet wurden das Robert-Blum-Gymnasium in Berlin und die Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach. Sie seien die ersten gewesen, die angesichts der verstärkten Werbung der Bundeswehr entsprechende Beschlüsse ihrer Schulkonferenzen gefasst hätten, teilte der Friedenspreis-Verein mit.

01.09.2013

Der Schulleiter des Robert-Blum-Gymnasiums, Bernd Fiehn, sagte, viele Familien seiner Schülerinnen und Schüler aus 30 Nationen seien als Kriegsflüchtlinge nach Berlin gekommen. „Vielleicht gerade deshalb wissen wir, dass Konflikte dauerhaft, befriedigend und befriedend nur im Dialog gelöst werden können“, sagte er bei der Verleihung des renommierten Friedenspreises.

Auch die Käthe-Kollwitz-Schule bemüht sich in besonderem Maße um ein friedliches Miteinander, wie Schulleiter Peter Schug betonte. Das sei die Grundlage für den Beschluss gegen die Präsenz der Bundeswehr gewesen.

Bundeswehr hat an Schulen nichts zu suchen

Die GEW setzt sich seit vielen Jahren gegen Werbeveranstaltungen der Bundeswehr in Schulen ein. Aus Sicht der GEW hat die Bundeswehr an Schulen nichts zu suchen. Dabei ist ein zunehmender Einfluss der Bundeswehr in öffentlichen Schulen festzustellen, z.B. durch Informationsveranstaltungen und Werbeaktionen. Eine kritische Auseinandersetzung diesbezüglich sowie Friedensbildung und -erziehung findet in Schulen hingegen oft nicht ausreichend statt, kritisiert die GEW.

Diese Einschätzung wurde jetzt von den Stiftern des Aachener Friedenspreises bestätigt. Die hinter dem Preis stehende Bürgerinitiative der Friedensbewegung begründete ihre Entscheidung damit, dass der Mut der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer gewürdigt werden sollte und dass die Schulen ein Signal gegen den Mainstream der Militarisierung in der Gesellschaft gesetzt hätten.

Senat erklärt Entscheidung für ungültig

Doch es regte sich auch Kritik an der Entscheidung der Friedensinitiative sowie den Schulen. Vom Berliner Senat etwa hieß es: „Eine solche Festlegung ist mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule nicht vereinbar". Das erklärte Staatssekretär Mark Rackles (SPD) am Dienstag der "Berliner Zeitung". Der Beschluss der Schule beeinträchtige die Aufgabe der einzelnen Lehrer zu einer ausgewogenen Auseinandersetzung mit sicherheits- und friedenspolitischen Fragen im Unterricht, zitiert die Zeitung Rackles weiter. Deshalb sei die Entscheidung ungültig.
(dpa)

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