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„Schulen brauchen Unterstützung statt Testeritis“

Die bundesweiten Vergleichsarbeiten in Klasse 3 und 8 (VerA) sind inklusionsfeindlich und verschärfen den Leistungsdruck. Davon sind GEW, der Grundschulverband (GSV) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) überzeugt. In einem gemeinsamen Manifest betonen sie, Schule müsse Lern- und Lebensort sein und dürfe nicht nur der Leistungsmessung dienen.

05.05.2014

„VerA bürdet den Lehrerinnen und Lehrern viel zusätzliche Arbeit auf. Die Datenhuberei hilft aber nicht, an den Schulen sinnvolle Förderkonzepte zu entwickeln“, erklärte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Montag bei der Veröffentlichung des Manifests. Eine aktuelle Pilotstudie der GEW zeige, dass mehr als 70 Prozent der Kolleginnen und Kollegen in den VerA-Untersuchungen keinen Nutzen für ihren Unterricht entdecken können. „Wir geben sehr viel Geld für Maßnahmen zur Qualitätssicherung aus und wissen bis heute nicht, wie bzw. ob diese wirken“, so Tepe.

GSV-Vorsitzende Maresi Lassek betonte, Qualitätssicherung sei unbestritten eine wichtige Aufgabe der Schule. „Aber sie ist anspruchsvoll und schwierig: Die Verfahren dürfen die untersuchten Aktivitäten nicht verfälschen.“ Notwendig sei ein breites methodisches Repertoire, zu dem unter anderem auch Tests zählten. Aber Tests seien auch ein heikles Instrument. Im Rahmen von VerA seien deren Risiken nicht zureichend bedacht.

VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann kritisierte, VerA enge den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen unzulässig ein und verdecke die schulischen Bedingungen vor Ort. „Das Messen in zwei Fächern taugt nicht, um ernsthafte Aussagen über die Schulentwicklung zu treffen.“ Es sei „paradox“, dass VerA von den Lehrpersonen einen erheblichen zusätzlichen Zeitaufwand verlange und so Ressourcen verschwende, die in der Schul- und Unterrichtsentwicklung besser angelegt wären.

Schulen brauchen Unterstützung

In ihrem gemeinsamen Manifest fordern GEW, GSV und VBE in Bezug auf die Tests ein Umdenken und Umsteuern: Schulen seien zwar auf Anstöße von außen angewiesen. Der Fremdblick sei wichtig, um die Binnensicht zu ergänzen, er sei ihr aber nicht überlegen. Schulen sollten als aktive Partner in die externe Evaluation einbezogen und in ihrer Evaluationskompetenz gestärkt werden. Tests könnten dabei das persönliche Urteil ergänzen, nicht ersetzen.

Wichtiger als die technische Perfektionierung von Messmethoden sei ihr Ertrag für Schulentwicklung und individuelle Förderung. Immer neue Bestandsaufnahmen bekannter Schwächen seien sinnlos, wenn es an Mitteln zu deren Überwindung fehle.

Die Aus-, Fort- und Weiterbildung des pädagogischen und des Leitungspersonals müsse als der Schlüssel für die Schul-, Unterrichts- und Qualitätsentwicklung anerkannt und entsprechend gefördert werden.

Das Manifest im Wortlaut sowie weitere Materialien stehen im Infokasten rechts zum Download zur Verfügung.

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