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Schule in Baden im Zeichen des Nationalsozialismus

In welchem Maße war das badische Schulsystem von den Nazis umgestaltet? Welche Rolle spielte die Schulaufsicht bei der Umerziehung der Lehrerschaft? Ingeborg Wiemann-Stöhr hat dies in einem Buch untersucht.

28.05.2018

In „Die pädagogische Mobilmachung: Schule in Baden im Zeichen des Nationalsozialismus“ fasst Ingeborg Wiemann-Stöhr die Ergebnisse ihrer Untersuchung der Nazifizierung der Schulen im Land Baden zusammen. Ihr Ergebnis: „Der lang ersehnte soziale Aufstieg der Lehrerschaft erfolgte nicht durch materielle Besserstellung, sondern durch Teilhabe am System der Macht: Lehrer wurden zu staatlich besoldeten Parteiarbeitern mit Lehrauftrag an der Schule.“ Wiemann-Stöhr legt dar, dass offenbar drei Viertel – und nicht nur rund ein Drittel, wie in der Literatur bislang oft angegeben – der badischen Lehrer der NSDAP, der SS oder SA angehört hätten. Sie schildert, wie sich die Lehrerschaft überwiegend bereitwillig in den Dienst der NS-Politik gestellt habe, und belegt an Beispielen aus der Arbeit der Partei- und der Kultusbürokratie, wie hoch der Anpassungsdruck gewesen sei.

Durch die Fülle an Material wird glaubhaft und nachvollziehbar, in welchem Maße Schule und Lehrerschaft in den zwölf Jahren der Diktatur nazifiziert wurden. Nicht nur die sogenannten Gesinnungsfächer wie Deutsch, Geschichte und Geografie, sondern der gesamte Unterricht dienten laut Autorin der Einimpfung der Rassenlehre sowie der „wehrgeistigen“ Erziehung. Die Autorin stellt ihrer Publikation eine Widmung voran: „Die Arbeit ist allen Geschichtslehrern und -lehrerinnen gewidmet, die zusammen mit Schülern und Schülerinnen dieses schwierige Kapitel deutscher Geschichte an ihrer eigenen Schule aufgearbeitet haben.“

Ingeborg Wiemann-Stöhr, „Die pädagogische Mobilmachung: Schule in Baden im Zeichen des Nationalsozialismus“, Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 2018, ISBN: 978-3-7815-2217-6,49 Euro.

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