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Kitas in Coronazeiten„Schützen uns so gut wie möglich“

Kitas und Schulen sollen weitestgehend geschlossen werden – so hatten Bund und Länder es am 13. Dezember vereinbart. Was das heißt und wie es in Kitas wirklich aussieht, erzählen drei Beschäftitgte. Hier berichtet Petra aus Stuttgart.

10.02.2021 - Kathrin Hedtke

Am 13. Dezember 2020 vereinbarten die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder und die Bundeskanzlerin alle Schulen und Kindertageseinrichtungen zu schließen. Ein drastischer Schritt, der angesichts der Entwicklung der Infektionszahlen mit dem SARS-CoV-2-Virus unausweichlich war. Kinder sollten wann immer möglich zu Hause betreut werden. Doch wirklich geschlossen waren die Einrichtungen nie – sie stellten auf Notbetreuung um. Anders als im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 fehlten allerdings klare Kriterien dafür, wer sein Kind in die Kita bringen darf und wer nicht. In vielen Bundesländern konnten auch private Gründe geltend gemacht werden.

Für Erzieherinnen und Erzieher in Kitas und Schulhorten bedeutete dies Mehrarbeit und eine höhere Gesundheitsgefährdung. Welche Erfahrungen Erzieherinnen und Erzieher mit dem zweiten Lockdown gemacht haben, zeigen nachfolgend die Berichte von drei Beschäftigten – einer Kita-Leiterin aus Stuttgart, einer Erzieherin aus Mainz und eines Schulhort-Erziehers aus Dresden. Hier berichtet Petra aus Stuttgart.

Foto: Christoph Baechtle
Petra Kilian leitet eine Kita in Stuttgart (Foto: Christoph Baechtle).

Draußen an der Eingangstür der Einrichtung in Stuttgart hängt ein großes Schild: „Diese Kita ist geschlossen!“ Doch drinnen wuseln etwa 90 Prozent der Kinder herum. Offiziell gibt es in Baden-Württemberg aktuell nur eine Notbetreuung. Aber fast alle Eltern in ihrer Einrichtung erfüllten die Vorgaben der Landesregierung, sagt Kitaleiterin Petra Kilian. Entweder sind beide Elternteile berufstätig oder es handelt sich um Familien in besonders schweren Lebenslagen. Die Kita hat zehn Stunden am Tag geöffnet, „also normale Öffnungszeiten“.

Personal ist knapp, schon vor Corona waren Stellen unbesetzt, zudem fehlen Kolleginnen bedingt durch Krankheit und Schwangerschaft. Dennoch sei die Betreuungssituation ganz gut, sagt Kilian. Zur Unterstützung konnte die Kita zwei sogenannte Corona-Aushilfen einstellen, eine Hauswirtschaftshilfe und eine 100-Prozentkraft, „ein Glücksgriff“.

Für die Kitas verlangt die GEW, die individuellen Gefährdungsbeurteilungen nach Arbeitsschutzgesetz umzusetzen. Jede Kita braucht passgenaue und wirksame Hygienepläne. „Die Regelungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) für Kitas zum Infektionsschutz sind zu beachten und umzusetzen. Weiter müssten alle Kitaträger Betriebsmediziner einsetzen, diese sollten die Risikogruppen bei den Beschäftigten beraten und im Einzelfall von der Arbeit in der Kita freistellen“, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe. Sie regte zudem an, freiwillige, kostenfreie Coronatests sowie eine Grippeschutzimpfung für die Beschäftigten anzubieten.

  • Freiwillige, kostenfreie Coronatests sowie eine Grippeschutzimpfung für die Beschäftigten
  • Passgenaue und wirksame Hygienepläne für jede Kita
  • Umsetzung der Empfehlungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) an Kitas
  • Risikogruppen von Betriebsmedizinern beraten lassen und im Einzelfall von der Arbeit an der Kita freistellen

Übersicht: Alles, was sich an Bildungseinrichtungen mit Blick auf den Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten ändern muss.

„Alles, was uns ausmacht, ist jetzt sehr beschränkt.“ (Petra Kilian)

Die Pandemie hat die Arbeit sehr verändert. Die Kita zeichnete sich durch ein offenes Haus aus, die Kinder konnten sich sehr selbstbestimmt bewegen, das große Team arbeitete eng zusammen. „Alles, was uns ausmacht, ist jetzt sehr beschränkt“, so Kilian. Eine junge Kollegin sagte kürzlich, sie verliere langsam ihre pädagogische Identität. „Das ist erschreckend“, findet die Leiterin. Sie beobachtet, dass die Kinder die Einschränkungen relativ gut wegstecken. „Im Alltag läuft alles sehr gut, die Kinder sind glücklich.“ Und trotzdem. Der pädagogische Anspruch ihrer Einrichtung sieht anders aus.

„Aber wir tun alles, um uns so gut wie möglich zu schützen.“ (Petra Kilian)

Hinzu kommt die Angst vor Ansteckung. „Viele Kolleginnen haben ein ungutes Gefühl“, berichtet die Leiterin. Eine Kollegin sei vor einem Jahr schwer an Corona erkrankt und leide sehr an Spätfolgen. „Wir sehen, was dieses Virus anrichten kann.“ Das trage dazu bei, dass alle sehr diszipliniert die Hygienemaßnahmen umsetzten. Das Team habe entschieden, auch bei der Arbeit eine OP-Maske zu tragen. Außerdem werden mehrmals am Tag alle Spielsachen, Türklinken, Treppengelände und so weiter desinfiziert. Klar, werden Kinder weiterhin in den Arm genommen, betont die Leiterin. „Aber wir tun alles, um uns so gut wie möglich zu schützen.“