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GEW und Brot-für-die-WeltSchüler demonstrieren gegen Kinderarbeit in Berlin

Jugendliche aus sechs Bundesländern haben in Berlin ein Ende der Kinderarbeit gefordert. Gemeinsam mit Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi trafen sie am Reichstag Politiker und übergaben ihnen symbolisch einen Gesetzesparagraphen.

28.11.2019 - Manfred Brinkmann

Rund zweihundert Schülerinnen und Schüler und einige Erwachsene waren am 27. November gemeinsam mit dem indischen Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi von der Zentrale von Brot-für-die-Welt am Berliner Nordbahnhof zum Reichstag marschiert, um gegen die weltweite Ausbeutung von Kindern zu demonstrieren. Mit Slogans wie „Keine Jeans aus Kinderhänden, Kinderarbeit jetzt beenden“ und „For every child in every nation: freedom, safety, education“ und unterstützt von einer brasilianischen Samba-Band machten sie im Zentrum der Hauptstadt lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam. „Wir sind hier um der ganzen Welt zu sagen, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung hat“, rief Satyarthi den Jugendlichen und Passanten zu. „Für Kinderarbeit gibt es keine Entschuldigung. Kinderarbeit ist ein Verbrechen.“

GEW und Brot-für-die-Welt unterstützen „100 Million“-Kampagne

Gemeinsam mit der Pakistanerin Malala hatte Satyarthi 2014 für seinen unermüdlichen Einsatz gegen Kinderarbeit den Friedensnobelpreis erhalten. Mit der von ihm initiierten „100 Million“-Kampagne setzt er sich nun dafür ein, weltweit Millionen Kinder aus Armut und Ausbeutung zu befreien und ihnen eine Zukunft in Freiheit und Sicherheit mit guter Bildung zu ermöglichen. In Deutschland wird die „100 Million“-Kampagne von Brot-für-die-Welt und der GEW unterstützt. Seite an Seite mit Satyarthi und den Jugendlichen marschierte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe an der Spitze des Zuges hinter einem großen Banner mit der Aufschrift „When will every child have justice?“. Den fragend blickenden Passanten rief sie zu: „Wissen Sie, dass in Schokolade Kinderarbeit steckt? Dass auch in Ihren Handys Kinderarbeit ist? Kauft keine Produkte aus Kinderarbeit! Setzen Sie sich dafür ein, dass Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden, Kinderarbeit in Lieferketten auszuschließen.“

„Es ist ein Skandal, dass Kinder in vielen Ländern der Welt immer noch brutal in Steinbrüchen und Minen ausgebeutet werden.“ (Vera Isabella Arndt)

Nicht nur aus Berlin, auch aus Hamburg, Leipzig, Stralsund, Kassel und dem brandenburgischen Oderbruch-Neuendorf waren Schulklassen nach Berlin gekommen, um Kailash Satyarthi zu treffen und an dem Marsch teilzunehmen. Vera Isabella Arndt von der Brot-für-die-Welt-Jugend, die die Aktion mit vorbereitet hatte, forderte ein Verbot für den Import von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit: „Es ist ein Skandal, dass Kinder in vielen Ländern der Welt immer noch brutal in Steinbrüchen und Minen ausgebeutet werden.“ Am Reichstag angekommen, wurden die Schülerinnen und Schüler von Bundestagsabgeordneten von CDU/CSU, SPD, FDP, LINKE und GRÜNE empfangen. Symbolisch übergaben sie den PolitikerInnen einen Paragrafen, um damit ihre Forderung nach gesetzlichen Regelungen für Unternehmen zu unterstreichen.

Bundestagsbeschluss gegen Kinderarbeit

Im Ziel waren sich alle Abgeordneten einig: Kinderarbeit gehört abgeschafft. Nur über den Weg dahin gab es unterschiedliche Vorstellungen. Bärbel Kofler (SPD) und Wolfgang Stefinger (CSU) verwiesen auf den kürzlich auf Initiative der Regierungsfraktionen gefassten Beschluss des Bundestages „Kinder weltweit schützen – ausbeuterische Kinderarbeit verhindern“. Darin wird die Bedeutung der Kinderrechte hervorgehoben und deutsche Unternehmen werden aufgefordert, ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten weltweit nachzukommen. Für Helin Evrim Sommer (LINKE) ist das zu unverbindlich. Sie forderte ein Lieferkettengesetz für die im Ausland tätigen deutschen Unternehmen. Auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (DIE GRÜNEN) sprach sich für gesetzliche Regelungen aus. Sie beklagte, dass es nicht zu einem interfraktionellen Antrag gekommen sei. Fröstelnd im kühlen Novemberregen erinnerte Satyarthi zum Abschluss in Richtung Abgeordnete daran, dass die Staatengemeinschaft sich 2015 mit den UN-Nachhaltigkeitszielen verpflichtet hat, Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 zu beseitigen: „Fünf Jahre sind nicht mehr viel Zeit. Wir können es schaffen, wenn wir es wirklich wollen. Gemeinsam haben wir die Kraft dazu. Ihr in Deutschland solltet mit gutem Beispiel vorangehen.“

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