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Rund 35.000 Grundschullehrkräfte fehlen bis 2025

Bis zum Jahr 2025 fehlen an Grundschulen einer aktuellen-Studie zufolge rund 35.000 Lehrkräfte. Die GEW fordert, umgehend mehr Quereinsteiger und -einsteigerinnen anzuwerben, mehr Lehrkräfte auszubilden und diese auch besser zu bezahlen.

30.01.2018

Die Personalnot an Grundschulen spitzt sich weiter zu: Insgesamt müssen laut einer aktuellen Studie der Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn bis 2025 knapp 105.000 Grundschullehrerinnen und -lehrer neu eingestellt werden. Davon müssen rund 60.000 Lehrkräfte ausscheidende Kolleginnen und Kollegen ersetzen und weitere 26.000 Lehrkräfte die Unterrichtsversorgung bei steigenden Schülerzahlen gewährleisten. Für den Ausbau von Ganztagsschulen werden weitere 19.000 Lehrerinnen und Lehrer benötigt. Allerdings stehen bis 2025 nur 70.000 regulär ausgebildete Absolventinnen und Absolventen für das Lehramt an Grundschulen zur Verfügung. Damit fehlen mindestens 35.000 Lehrkräfte.

Eine eigene, aktuelle Abfrage der GEW-Landesverbände zum Lehrkräftemangel an Grundschulen zeigt: Bundesweit konnten an die 2.000 Stellen nicht besetzt werden. Dazu kommen mehrere Tausend Quer- und Seiteneinsteiger. Zudem sind rund 1.000 Schulleitungsstellen an Grundschulen nicht besetzt.

An den Universitäten werden indes gerade genug Lehrkräfte ausgebildet, um die zu ersetzen, die alters- oder gesundheitsbedingt aus dem Schuldienst ausscheiden. „Aufgrund der langen Dauer der Lehrerausbildung reicht eine Aufstockung der Ausbildungskapazitäten nicht. Zusätzlich müssen kurzfristigere und flexible Lösungen gegen den Lehrermangel umgesetzt werden“, schreiben Klemm und Zorn in der Studie „Lehrkräfte dringend gesucht – Bedarf und Angebot für die Primarstufe“.

Als Maßnahmen schlagen die Bildungsforscher den Ländern vor, Anreize dafür zu schaffen, dass erfahrene Lehrkräfte mehr unterrichteten – insbesondere Teilzeitkräfte und angehende Pensionärinnen und Pensionäre. Fast 40 Prozent aller Grundschullehrkräfte, überwiegend Frauen, arbeiteten in Teilzeit. Damit diese aufstocken könnten, seien verlässliche Kinderbetreuungsmöglichkeiten erforderlich, so die Wissenschaftler. Auch Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger müssten für den Einsatz an Grundschulen gewonnen werden. Angesichts der besonderen pädagogischen Herausforderungen müssten diese jedoch sorgfältig ausgewählt, qualifiziert und begleitet werden.

„Für Quer- und Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger brauchen wir bundesweit einheitliche Standards.“ (Marlis Tepe)

Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe hingegen betont die Bedeutung von Seiten- und Qereinsteigerinnen und -einsteigern sowie besserer Arbeitsbedingungen, um die Attraktivität des Berufes zu erhöhen. „Wenn jetzt nicht effektiv gegengesteuert wird, verschärft sich die Situation bis 2025, ja 2030 sogar noch“, sagte Tepe. Die Kultusministerien müssten aktuell zusätzliche Quer- und Seiteneinsteiger werben, die sofort berufsbegleitend nachqualifiziert und durch Mentoringprogramme unterstützt werden müssten. „Dafür brauchen wir bundesweit einheitliche Standards.“ Zeitgleich müssten die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte deutlich raufgefahren werden. „Es ist vollkommen unverständlich, dass es noch Studiengänge für das Lehramt an Grundschulen gibt, die mit einem Numerus clausus (NC) belegt sind“, sagte die GEW-Chefin.

Um das Lehramtsstudium für junge Menschen attraktiver zu machen, seien die Arbeitsbedingungen zu verbessern. „Dazu gehört auch, alle voll ausgebildeten Lehrkräfte nach A13 (Beamte) und E13 (Angestellte) zu bezahlen. Im Moment werden fast alle Lehrkräfte an Grundschulen deutlich schlechter bezahlt als ihre Kolleginnen und Kollegen an anderen Schularten –trotz gleichlanger Ausbildung und gleichwertiger Arbeit.“

„Hier müssen CDU/CSU und SPD während der Koalitionsverhandlungen noch kräftig nachlegen.“ (Marlis Tepe)

Der geplante und pädagogisch sinnvolle Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen gehe in die richtige Richtung, sagte die GEW-Vorsitzende weiter. Zudem müsse die Inklusion endlich materiell und personell besser ausgestattet werden. Mit Blick auf die Finanzierung dieser Projekte und die bisher im Sondierungspapier veröffentlichten Zahlen forderte sie: „Hier müssen CDU/CSU und SPD während der Koalitionsverhandlungen noch kräftig nachlegen.“ Lehrkräfte fehlten darüber hinaus nicht nur an Grundschulen, sondern an allen Schulformen. 

Die GEW-Vorsitzende bot der Kultusministerkonferenz (KMK) und den Kultusministerien die Zusammenarbeit mit der Bildungsgewerkschaft bei der Bekämpfung des Lehrkräftemangels an: „Brandenburg und Thüringen zeigen, dass und wie es gehen kann.“

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