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Rückersdorf: Unverständnis für fehlendes Angebot

"100 Euro plus 3,5 Prozent mehr Gehalt fordere ich, weil…" – diesen Satz ließ die GEW-Betriebsgruppe beim Blindeninstitut in Rückersdorf ihre Kolleginnen und Kollegen auf einer Wandzeitung vollenden und informierten sie über die nun beginnenden Verhandlungen. Es gelang den engagierten Kolleginnen, mit vielen Mitarbeitenden vor Ort ins Gespräch zu kommen und mit ihnen über die Tarifrunde und die Wertschätzung der sozialen Berufsfelder zu diskutieren.

14.03.2014 - Björn Köhler

Fotos: Björn Köhler

Dabei wurde schnell klar: Vor allem die Kolleginnen in den unteren Lohngruppen - zum Beispiel im hauswirtschaftlichen Bereich - fühlen sich durch steigende Lebenshaltungskosten und zunehmenden Druck am Arbeitsplatz besonders belastet. Da wäre eine ordentliche Gehaltserhöhung das mindeste, was man für diese Gruppe tun kann. Auch ein Kollege, der Lehrer ist, pflichtet bei: "Ich finde die Forderung nach einem Sockelbetrag richtig! Nur so können wir verhindern, dass die Schere weiter auseinandergeht!". Er schreibt: "...weil meine Kolleginnen zu wenig verdienen!" auf die Wandzeitung.

Unverständnis erntete der Verhandlungsführer für die Arbeitgeberseite, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der kein Angebot zur ersten Verhandlungsrunde mitbrachte. Er hatte am Morgen verlauten lassen, dass die Forderungen der Gewerkschaften zu hoch seien und diese zuerst gesenkt werden müssten. "Am Arsch!" wurde eine ältere Kollegin empört sehr deutlich. "Erst erhöhen sich die Politiker im Bundestag die Diäten und dann sowas!" Viele stimmen ihr zu, auch wenn sie vielleicht nicht ganz so starke Worte gewählt hätten. "Na da werden wir wohl wieder auf die Straße gehen müssen", ergänzt eine andere - und sie könnte recht haben. Einige grinsen ein wenig: Der Standort Rückersdorf ist seit Jahren eine feste Größe, wenn gestreikt werden muss. Sie sind sich sicher, dass auch dieses mal wieder ordentlich was gehen wird.

Die schnell wachsende Wandzeitung macht deutlich: Es gibt viele gute Gründe, diesmal nicht klein bei zu geben. Immer wieder werden die gestiegenen Lebenshaltungskosten genannt. Aber einen Punkt sollte de Maizière auch nicht aus den Augen verlieren: Viele sind schlicht der Meinung, dass ihr Job eine ordentliche Bezahlung auch wert ist und Anerkennung verdient. Und sie sind bereit, dafür zu kämpfen.

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