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Ratgeber Sozialversicherung für Promovierende

02.05.2012

In keiner bildungspolitischen Sonntagsrede fehlt die Aussage: Deutschland braucht in Zukunft nicht weniger, sondern deutlich mehr hoch qualifizierte Fachkräfte. Das ist eine Folge des Übergangs von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, in dem wir uns befinden. Dieser Entwicklung entspricht der steigende Anteil eines Altersjahrgangs, der ein Studium aufnimmt – in Deutschland sind es mittlerweile über 40 Prozent, im Durchschnitt aller Industrieländer 60 Prozent, in einigen Ländern werden schon über 80 Prozent erreicht.

Auch wissenschaftliche Kompetenzen, wie sie durch die Promotion vermittelt werden, werden zu einer immer wichtigeren Voraussetzung für die Bewältigung beruflicher Herausforderungen. Das gilt nicht nur für Berufe in Hochschule und Forschung, sondern offensichtlich auch für die berufliche und gesellschaftliche Praxis außerhalb der Wissenschaft.

Bund, Länder und Hochschulen müssten promotionswilligen Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen also eigentlich den roten Teppich ausrollen, ihren Weg in die Wissenschaft absichern. Sie tun es aber nicht. Wer ein Promotionsstipendium oder eine DoktorandInnenstelle ergattert, ist häufig mit viel zu kurzen Förder- oder Vertragslaufzeiten konfrontiert. Hinzu kommt, dass in hohem Maße promotionsfremde Dienstleistungen den Alltag von Doktorandinnen und Doktoranden bestimmen, sogar Stipendiatinnen und Stipendiaten werden zuweilen als billige Arbeitskräfte eingesetzt. An einer verlässlichen Betreuung mangelt es vielfach ebenso wie an konkreten Angeboten zur wissenschaftlichen Weiterbildung. Promovierende ohne Beschäftigungsverhältnis haben nicht selten das praktische Problem, keinen Arbeitsplatz an der Uni oder keinen Zugang zu Bibliotheken und Datenbanken zu bekommen. Und damit nicht genug: Die soziale Absicherung von Doktorandinnen und Doktoranden ist häufig prekär. Wer mit einem Stipendium promoviert, kann damit konfrontiert werden, bis zu einem Viertel seines bescheidenen Salärs für die Kranken- und Pflegeversicherung aufwenden zu müssen. Wer ins Ausland geht, reißt damit nicht selten ein weiteres Loch in seine Rentenversicherungsbiografie, nachdem bereits fürs Studium keine Versicherungszeiten mehr angerechnet werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist die Bildungsgewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund und damit auch die gewerkschaftliche Interessenvertretung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die GEW fordert eine bessere Absicherung der Doktorandinnen und Doktoranden. Diese Forderung steht im Mittelpunkt von einem der zehn Eckpunkte des Templiner Manifests, mit dem sich die GEW für den „Traumjob Wissenschaft“ stark macht. Gemeinsam mit rund 10.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern treten wir für eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung ein.

Die GEW versteht die Promotion als erste Phase wissenschaftlicher Berufsausübung. Daraus folgt, dass Doktorandinnen und Doktoranden einen Anspruch auf tarifvertraglich geregelte Beschäftigungsverhältnisse mit Sozialversicherungsschutz haben sollten, die mindestens drei Viertel der Arbeitszeit für die eigenständige Qualifikation vorsehen. Wenn die Promotion mit Stipendien gefördert wird, dann muss es auch in diesem Fall eine soziale Absicherung der Doktorandinnen und Doktoranden geben. Die GEW tritt daher für die Anerkennung des DoktorandInnenstatus in der Krankenversicherung ein. Stipendiengeber müssen den Promovierenden eine Sozialversicherungszulage zahlen, mit der sie die Kranken- und Pflegeversicherung und die freiwillige Rentenversicherung finanzieren können.

Die GEW tritt nicht nur politisch für die Rechte der Doktorandinnen und Doktoranden ein, sie hilft ihnen schon heute dabei, ihre Rechte kennen zu lernen und durchzusetzen. Mit dem vorliegenden Ratgeber bieten wir einen Überblick, wie es mit der Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Renten- und Unfallversicherung von Promovierenden bestellt ist. Die Rechtslage ist sehr unterschiedlich, je nachdem, ob die Doktorandinnen und Doktoranden in einem Beschäftigungsverhältnis mit ihrer Hochschule oder Forschungseinrichtung stehen, mit einem Stipendium finanziert werden oder sich auf andere Weise über Wasser halten. Rechtsanwalt Cord Würmann hat es geschafft, Licht ins Gestrüpp des Sozialrechts zu bringen. Ihm gebührt der Dank dafür, den Text des GEW-Ratgebers verfasst zu haben.

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