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„Promotionsbegleitung“ statt „Promotionsbetreuung“

Die Projektgruppe Doktorandinnen und Doktoranden der GEW setzt sich in ihrem neuen Positionspapier zur „Promotionsbegleitung“ mit den Schwierigkeiten auseinander, die eine Promotion in Deutschland mit sich bringen kann.

19.10.2016

Gegenüber dem traditionellen und weiterhin vorherrschenden „Meister-Lehrling-Modell“ hat sie die Vision einer deutlich transparenteren und kollegialeren „Promotionsbegleitung“ auf Augenhöhe.

Für problematisch halten die gewerkschaftlich organisierten Doktorandinnen und Doktoranden Abhängigkeit der Promovierenden von häufig einer einzigen Person, die „neben der fachlichen Beratungsfunktion auch die Begutachtung übernimmt und oftmals auch noch als Vorgesetzte_r fungiert“. Weiter herrsche Intransparenz über „die Rechte und Verpflichtungen von Promovierenden und ‚Betreuenden‘ sowie über die Rolle weiterer beteiligter Akteure, wie Graduiertenzentren und Fakultäten“. Auch solle die Vorbereitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die Begleitungstätigkeit stärker strukturell verankert werden. Nicht zuletzt schlägt die Projektgruppe vor, als Instrument zur aktiven Gestaltung des Promotionsprozesses die Promotionsvereinbarung einzusetzen. Bereits 2004 hat die Projektgruppe gemeinsam mit der Promovierenden-Initiative eine Mustervereinbarung entwickelt, aktuell lässt die GEW eine juristische Expertise zu Promotionsvereinbarungen erstellen. 

Trotz erster sichtbarer Bemühungen einzelner Institutionen und Akteure, die Promotionsbedingungen – zum Beispiel durch den Aufbau von Graduiertenzentren und die Trennung von Betreuung und Begutachtung – zu verbessern, besteht aus Sicht der Doktorandinnen und Doktoranden in der GEW daher auf verschiedenen Ebenen Handlungsbedarf auf dem Weg zu einer neuen Praxis der „Promotionsbegleitung“. 

Die zentralen Forderungen des Positionspapiers im Überblick:

1. Promotionsbegleitung

Die GEW spricht von "Promotionsbegleitung" statt von "Promotionsbetreuung" und versteht darunter sowohl die fachliche als auch die nicht-fachliche Unterstützung, die durch erfahrene Wissenschaftler_innen in Zusammenarbeit mit Graduiertenzentren, die allen Promovierenden einer Hochschule bzw. Forschungseinrichtung offen sind, geleistet wird.

2. Qualitätssicherung und Abbau von Abhängigkeiten

Besonders problematisch gestaltet sich die Überschneidung von fachlicher Begleitung der Promotion, Bewertung der Dissertation und häufig auch der Vorgesetztenrolle in einer einzigen Person. Die GEW schlägt daher die Aufteilung der unterschiedlichen Funktionen auf mehrere Personen vor, wie dies in anderen Ländern bewährte Praxis ist. Damit sind eine externe Begutachtung und die Abschaffung der Notenskala verbunden.

3. Gestaltung durch Promotionsvereinbarung

Die GEW will Promotionsvereinbarungen nicht als einseitige Verpflichtungen der Promovierenden sehen, sondern als Abbildung eines individuellen Promotionsprozesses, dessen Strukturierung von allen Beteiligten ausgehandelt und eigenverantwortlich fortgeschrieben wird. In der Promotionsvereinbarung soll zudem ein für alle Beteiligten verbindliches Verfahren für den Konfliktfall geregelt sein. Vorlagen für Promotionsvereinbarungen sollen in der akademischen Selbstverwaltung, also unter aktiver Beteiligung der Promovierenden, erarbeitet werden.

4. Stärkung der Graduiertenzentren in der Promotionsbegleitung

Die GEW fordert, dass die von Promovierenden mitbestimmten Graduiertenzentren die Aufgabe der nicht-fachlichen Begleitung und die Rolle einer unabhängigen Instanz in Konfliktsituationen zufällt. Aus diesem Grunde sollten Graduiertenzentren als zentrale Ansprechpartner fungieren für alle Promotionsinteressierten, die vor Ort sind, und für alle Promovierenden, die an der Einrichtung promovieren, unabhängig von ihrer Immatrikulation; die Graduiertenzentren sollen Aufnahme, Durchführung und erfolgreichen Abschluss eines Promotionsvorhabens begleiten und unterstützen.

5. Qualifizierung der Promotionsbegleiter_innen

Die Qualifizierung zur Begleitung von Qualifikationsarbeiten muss zu einem festen Bestandteil der wissenschaftlichen Praxis werden.

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