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PISA 2009: Licht und Schatten

07.12.2010

Das Erfreuliche zuerst: Gegenüber der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 haben sich die Schülerleistungen in Deutschland 2009 in Mathe und den Naturwissenschaften ein Stück weit verbessert. Das Unerfreuliche: Die Lesekompetenz bleibt mittelmäßig. Und: In keinem OECD-Land ist der Schulerfolg nach wie vor so stark vom sozialen Umfeld abhängig wie hierzulande.

"Der Leistungsabstand zweier Schüler mit ähnlichem Hintergrund beträgt in Deutschland mehr als 100 PISA-Punkte (mehr als zwei Schuljahre, Anm. d. Red.), je nach dem, ob er auf eine Schule mit günstigem oder ungünstigem Umfeld geht", so das Fazit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei der Vorstellung der Ergebnisse der PISA-Studie 2009 am Dienstag in Berlin.

Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule und stellvertretende Vorsitzende, machte deutlich, die verbesserten PISA-Resultate rechtfertigten nicht, in Euphorie auszubrechen. "Deutschland ist bei der Lesekompetenz im internationalen Vergleich gerade mal Mittelmaß", so Demmer. "Kollektives Schulterklopfen verstellt den Blick darauf, dass immer noch fast 20 Prozent der 15-Jährigen, bei den Jungen fast 25 Prozent, nicht ausreichend lesen und rechnen können: Sie haben keine Chance, in dieser Gesellschaft beruflich Fuß zu fassen und ihre Lebenschancen zu nutzen".

Ein integratives Schulsystem und qualifizierte, gut bezahlte Lehrkräfte wiesen den Weg in die Gruppe der PISA-Spitzenländer. "Wir brauchen die besten Lehrkräfte für die Schülerinnen und Schüler, die am stärksten benachteiligt sind", erklärte die GEW-Schulexpertin. "Wir gewinnen die engagiertesten jungen Menschen für die Schulen nur, wenn der Lehrerberuf gesellschaftlich stärker wertgeschätzt wird. Mehr Wertschätzung heißt: gleiche Bezahlung und gleich lange Ausbildung aller Lehrkräfte auf hohem Niveau sowie gute Lern- und Arbeitsbedingungen in einer integrativen Schule. Gute Leistungen und Chancengleichheit machen ein starkes Schulsystem aus“, betonte Demmer.

GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne wies darauf hin, dass das Kapital für die Weiterentwicklung der Schulen die Lehrkräfte seien. "Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Menschen. Das deutsche Bildungssystem ist weiterhin völlig unterfinanziert. Schon jetzt haben wir zu wenige Lehrkräfte und steuern weiter in einen dramatischen Lehrermangel hinein. Wir müssen jetzt konsequent umsteuern, sonst werden alle Bemühungen zunichte gemacht“, sagte Thöne.

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