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Pflege geht uns alle an

10.01.2018 - Frauke Gützkow, GEW-Vorstandsmitglied Frauenpolitik

Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, damit die Pflege zu Hause gelingen kann. Dazu gehören neue Arbeitszeitmodelle, das Recht auf Teilzeit wegen Pflege und eine finanzielle Honorierung von Pflegezeiten.

Wenn die Gesellschaft altert, wird Pflege für viele Menschen Alltag. 2,08 Millionen Menschen werden in Deutschland heute schon von ihren Angehörigen gepflegt. Mal im Alleingang, mal mit Unterstützung ambulanter Pflegedienste, mal mit der Hilfe von Freunden, Bekannten, Nachbarn. Und doch läuft vieles im Verborgenen ab. Es wird Zeit, Pflegenden in unserer Gesellschaft mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Arbeitgeber können dazu einen Beitrag leisten, indem sie Arbeitszeitmodelle entwickeln, die verhindern, dass die Entscheidung, ein Familienmitglied zu pflegen, zum Armutsrisiko wird.

Das Recht auf Teilzeit wegen Pflege sollte Gegenstand von Tarifverhandlungen sein. Nur wenn die Unternehmen und Dienststellen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermuntern, diesen Rechtsanspruch einzulösen, nur wenn Vorgesetzte sowie Kolleginnen und Kollegen die Entscheidung solidarisch mittragen, anstatt mit den Schultern zu zucken, setzen sie ein klares Signal: Pflege ist eben kein individueller Job, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, die alle etwas angeht.

Doch mit einem solidarischen Signal ist es nicht getan. Pflegezeiten müssen auch finanziell honoriert werden. Es ist an der Zeit, dass die Pflegekassen finanziell einspringen, wenn Pflegende in Teilzeit gehen müssen und deshalb eine Zeitlang weniger Rentenbeiträge zahlen können. Nur so können wir verhindern, dass Pflege zum Armutsrisiko wird. Mit ihrer aktuellen Tarifkampagne macht sich die IG Metall zu Recht für einen Lohnausgleich stark, wenn Beschäftigte ihre Arbeitszeit wegen Pflege- und Familienaufgaben reduzieren.

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