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Permanenter Zeitdruck: Kritik am 45-Minuten-Takt

Bildungsexperten kritisieren zu starre Zeitstrukturen an Schulen. "Wann ein Schüler etwas verstanden hat, richtet sich nicht nach der Schulklingel", ist ein Argument. Je heterogener die Schüler seien, desto unterschiedlicher sei auch das Lerntempo.

06.02.2017

Bildungsexperten stellen den Unterricht im 45-Minuten-Takt in Frage. Dahinter stecke die Fiktion, dass Lernen im Gleichschritt möglich sei, sagt Barbara Riekmann, Mitglied im Programmteam der Deutschen Schulakademie. Doch je heterogener die Schülerschaft sei, desto unterschiedlicher entwickle sich das Lerntempo in den Klassen. Ein enges Zeitkorsett führe nur zu Stress. Durch eine andere Taktung – etwa Doppelstunden oder Projekttage – gewännen Lehrkräfte und Schüler mehr Zeitautonomie, berichtet die ehemalige Schulleiterin über ihre Erfahrungen an der Hamburger Max-Brauer-Schule. Dort gibt es keine Fächer mehr, sondern Projektunterricht. Die Kinder lernen in Lernbüros und Werkstätten. Zwei, drei Unterrichtsstunden sind stets gekoppelt. "Das schafft Möglichkeiten für selbstgesteuertes und selbstverantwortliches Lernen", sagt Riekmann. Davon profitierten Kinder und Lehrkräfte.

Auch Otto Seydel, Leiter des Instituts für Schulentwicklung in Überlingen in Baden-Württemberg, ist überzeugt, dass zu starre Zeitstrukturen dem Lehren wie dem Lernen entgegen stünden. "Wann ein Schüler etwas verstanden hat, richtet sich nicht nach der Schulklingel", sagt der Pädagoge. Zudem würden die Lehrpläne von Jahr zu Jahr mehr vollgestopft. Wenn ein neues Thema Schwerpunkt im Schulprogramm werde, aktuell etwa digitale Bildung, müssten dafür andere Inhalte gestrichen werden, fordert Seydel: "Sonst reicht die Zeit nicht." Die Lehrpläne seien jedoch in vielen Bundesländern durch die verkürzte Gymnasialschulzeit von neun auf acht Jahre (G8) zusammengepresst worden. "Das lässt den Kindern keine Zeit mehr zum Nachdenken."

Der komplette Artikel von Kathrin Hedtke ist in der Februarausgabe der "E&W" veröffentlicht.

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