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Parlamentarischer Abend zur Bildungsagenda 2030

Auf dem UN-Gipfel im September 2015 wurde das Menschenrecht auf Bildung im Globalen Nachhaltigkeitsziel 4 fest verankert. Wie kann dies national und international umgesetzt werden? Ansätze lieferte ein parlamentarischer Abend am 3.11.2015 in Berlin.

06.11.2015 - Manfred Brinkmann, Isa Klinger

Der von Globaler Bildungskampagne und Bündnis ZukunftsBildung, in denen die GEW jeweils Mitglied ist, organisierte parlamentarische Abend unter der Schirmherrschaft von Claudia Lücking-Michel (MdB, CDU) in den Räumen der Bundespressekonferenz in Berlin bot die Möglichkeit, über die Rolle Deutschlands bei der Verwirklichung des Bildungsziels in der neuen UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) zu diskutieren. Podiumsgäste waren BMZ-Staatssekretär Thomas Silberhorn (CSU), BMBF-Ministerialdirigent Thomas Greiner, Ernst Dieter Rossmann (MdB, SPD) und Rosemarie Hein (MdB, Die Linke).

Bildung als eigenes Ziel – Welche Schritte müssen jetzt folgen?

Die SDGs bestehen aus 17 globalen Entwicklungszielen mit zahlreichen Unterzielen, die bis zum Jahr 2030 verwirklicht werden sollen. Bildungsziel 4 enthält zehn Unterziele, darunter Grundbildung für alle, Inklusion, frühkindliche Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Bei allen Podiumsbeiträgen in Berlin wurde klar, dass Bildungsanstrengungen zukünftig in einem internationalen Zusammenhang gedacht werden müssen. Die neue globale Bildungsagenda 2030 sei ein enorm wichtiger Schritt hin zu inklusiver, gleichberechtigter und hochwertiger Bildung weltweit. Rossmann betonte, dass es nun darauf ankomme, die Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels 4 ganzheitlich durchzuführen – Erwachsenenbildung und Bildung für Mädchen dürften hier nicht auf der Strecke bleiben. Laut Silberhorn ist es wichtig, die Bildungsagenda 2030 an den Bedürfnissen der Partnerländer zu orientieren und von den Entwicklungs- und Schwellenländer auch Eigenverantwortlichkeit einzufordern. Nach Ansicht von Hein müsse Deutschland international mehr für Bildung tun. Ein bloßer Export des deutschen Bildungswesens würde anderen Ländern aber nicht helfen – man müsse ein neues Bildungsverständnis entwickeln, um Kulturen anderer Länder nicht zu zerstören. Darüber hinaus müsse man bereits bestehende Projekte mit Struktur füllen, wie Greiner herausstellte.

Bildung in Deutschland – nachhaltig?

Auch in Deutschland sei das Hauptproblem noch immer die fehlende Chancengleichheit.  Mit Hinblick auf die enorm hohe Zahl an Schulabbrecher/innen könne man nicht von nachhaltiger Entwicklung sprechen, so Hein. Sie tritt für ein im Grundgesetz zu verankerndes Grundrecht auf Bildung in Deutschland ein und fordert mehr ausgebildetes Fachpersonal für Inklusion und bessere Finanzierung von Schulsozialarbeit.

Verbindung nationaler und internationaler Umsetzung der Ziele

Die Bildungsarbeit der Zukunft muss sektoren- und fächerübergreifend geschehen und punktuelles Engagement muss Veränderungen in der Breite weichen, da waren sich alle Podiumsteilnehmer/innen einig. Öffentliche Mittel müssten in die Daseinsversorgung – Silberhorn zufolge umfasst diese Bildung, Nahrung und Gesundheit - geleitet werden. Wenn notwendig, sollten Eltern zusätzliche Anreize geboten werden, um ihre Kinder, insbesondere auch ihre Töchter, in die Schule zu schicken. Solche Anreize könnten das Angebot einer warmen Mahlzeit oder saubere sanitäre Anlagen für die Kinder sein, wie Silberhorn erklärte.

Auf den Punkt gebracht – die größte Herausforderung in einem Satz

Für Hein liegt die größte Herausforderung bei der Umsetzung der Bildungsagenda 2030 darin, soziale Gerechtigkeit beim Bildungszugang weltweit zu schaffen. Greiner hält es für problematischer, die Bildungsinvestitionen in der Entwicklungszusammenarbeit aufzustocken. Silberhorn vertrat die Meinung, dass das starke weltweite Bevölkerungswachstum und der damit verbundene enorme Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften die größte Schwierigkeit darstellt. Laut Rossmann ist es das Wichtigste, gebildete Frauen in der Welt zu haben. Dies sei „der Hebel der Agenda 2030“. Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe betonte in ihrem Diskussionsbeitrag die Notwendigkeit verstärkter Anstrengungen zur Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern: Gut qualifizierte Lehrkräfte seien die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Verwirklichung des globalen Nachhaltigkeitsziels zu Bildung.

Forderungen von Globaler Bildungskampagne und Bündnis ZukunftsBildung

Dorothea Schönfeld für die Globale Bildungskampagne und Thomas Hohn vom Bündnis ZukunftsBildung verlangten von der Bundesregierung und den Parlamentariern, öffentliche Bildung als Menschenrecht zu stärken, Inklusion endlich umzusetzen und auch zu finanzieren und Jugend und Zivilgesellschaft mehr an Bildungsprozessen zu beteiligen. Zudem fordern sie, dass Deutschland zehn Prozent anstelle der zuletzt nur 2,3 Prozent der offiziellen Gelder für Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit für Grundbildung bereitstellt und mindestens 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in Entwicklungszusammenarbeit investiert. Darüber hinaus soll der deutsche Zuschuss zum internationalen Bildungsfonds  „Global Partnership for Education“ (GPE) von derzeit jährlich sieben Millionen Euro auf mittelfristig mindestens 100 Millionen Euro jährlich angehoben werden.

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