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OECD-Studie bestätigt GEW-Forderungen

12.09.2017

Lehrkräfte werden zu schlecht bezahlt, aber in der frühkindlichen Bildung hat sich einiges getan. Aber es gibt auch Nachholbedarf, etwa an den Hochschulen wie die aktuelle OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ zeigt.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert eine bessere Bezahlung und bessere Lernbedingungen in den Grundschulen und der Sekundarstufe I. Dass das dringend notwendig ist, belegen auch die neusten Zahlen der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“, die die Bildungssysteme der 35 OECD-Länder und die einiger Partnerländern vergleichen. Demnach verdienen Lehrkräfte im Primarbereich sechs Prozent weniger als andere Beschäftigte mit einem vergleichbaren Bildungsabschluss.

„Deshalb verlangen wir, dass alle Lehrerinnen und Lehrer als Beamte nach A13 und als Angestellte nach E13 bezahlt werden. Gerade vor dem Hintergrund des enormen Fachkräftemangels an Grundschulen, ist diese Aufwertung ein wichtiger Beitrag, die Attraktivität des Berufs zu verbessern und so mehr junge Menschen für ein Grundschulstudium zu gewinnen“, sagte Ilka Hoffmann, GEW-Schulexpertin, mit Blick auf den akuten Lehrkräftemangel, unter dem viele Schulen bundesweit leiden.

„Die Lehrkräfte werden überfordert.“ (Ilka Hoffmann)

Neben der besseren Bezahlung für Lehrerinnen und Lehrer legt die Studie einen Schwerpunkt auf die kleinen Klassengrößen. Durchschnittlich sind es im Primarbereich 21 Kinder pro Klasse, im Sekundarbereich sind etwa 24 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse. Schaut man genauer hin, bilden die Durchschnittswerte die Realität jedoch nicht vollständig ab. Ilka Hoffmann betonte: „Was nützt einer Lehrerin im städtischen Ballungsraum eine durchschnittliche Klassengröße von 21 Kindern in Deutschland, wenn sie 29 Schülerinnen und Schüler vor sich sitzen hat? So kann Inklusion nicht gelingen. Die Lehrkräfte werden überfordert.“

In der frühkindlichen Bildung kommt es auf Qualität an

Die Ergebnisse der OECD-Studie belegen auch, dass Deutschland im Bereich der frühkindlichen Bildung gut aufgestellt ist – was die Quantität der Vorschulbildung betrifft. Nahezu alle Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren nehmen an der Vorschulbildung teil, unter den Zweijährigen gehen rund 66 Prozent der Kinder in eine Kita.  

Entscheidend für den Erfolg der Programme ist auch die Qualität, damit die Kinder nicht nur betreut, sondern gefördert werden. Deshalb fordert die GEW bundesweit verbindliche Qualitätsstandards für Kitas durch ein Kita-Qualitätsgesetz. Damit die Kleinsten optimal betreut werden können, ist ein Fachkraft-Kind-Schlüssel von 1:3 für unter Dreijährige und 1:7 für Drei- bis Fünfjährige nötig. Nach Angaben der OECD liegt der Betreuungsschlüssel in Deutschland derzeit bei 1:5 beziehungsweise 1:10.

„Deutschland ist also mal wieder Weltmeister in sozialer Auslese.“ (Andreas Keller)

Die Studie hebt erneut den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen hervor. Im OECD-Durchschnitt haben 20 Prozent der 30 bis 44-Jährigen, deren Eltern nicht studiert haben, einen Hochschulabschluss. In Deutschland sind es gerade einmal 14 Prozent. „Deutschland ist also mal wieder Weltmeister in sozialer Auslese“, sagte Andreas Keller, verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Hochschule und Forschung.

Auch bei den Ausgaben für die Hochschulbildung hat Deutschland Nachholbedarf. Nach Angaben der OECD halten die Ausgaben für die tertiäre Bildung nicht mit der gestiegenen Zahl der Studierenden Schritt. Pro Studierende oder Studierenden gibt Deutschland umgerechnet 9.300 US-Dollar aus – Gelder für Forschung und Entwicklung nicht eingerechnet. Der Durchschnitt der OECD-Staaten liegt bei 10.300 US-Dollar, die USA liegen als Spitzenreiter bei 23.000 US-Dollar pro Kopf.

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