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Tarifrunde TVöD 2020Nullrunde „einfach nur zynisch“

Sabine Lafrentz ist Betriebsrätin bei Elbkinder – Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten. „Die Arbeitsbelastungen in Kitas haben sich in der Corona-Zeit potenziert, der Job ist heute noch unattraktiver“, stellt sie fest.

02.10.2020 - Michaela Ludwig, freie Journalistin

So leicht lässt sich Sabine Lafrentz nicht aus der Ruhe bringen. In über 40 Jahren Betriebszugehörigkeit, davon bald 30 im Betriebsrat, hat die Hamburgerin betriebliche Krisen, Arbeitskämpfe und persönliche Schicksale miterlebt. Doch wenn die freigestellte Betriebsrätin bei der Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten Elbkinder über die Belastungen ihrer Kolleginnen und Kollegen während der Corona-Pandemie spricht, kommt sie in Fahrt. Als Zuständige für Arbeits- und Gesundheitsschutz ist die 64-Jährige eine ihrer wichtigsten Ansprechpartnerinnen.

„Die Mitbestimmung war und ist erschwert.“ (Sabine Lafrentz)

„Nicht einen Tag waren die Kitas nach Verhängung des teilweisen Shutdowns geschlossen“, sagt Lafrentz. „Die Kolleginnen und Kollegen im Notdienst haben weitergearbeitet. Schutzlos.“ An Abstandhalten ist bei der Arbeit mit den Kleinsten, die auf dem Arm getragen und gewickelt werden müssen, nicht zu denken. Zudem hatte der Arbeitgeber verboten, Schutzmasken zu tragen.

Insbesondere in Fragen wie dieser musste der Betriebsrat die Rechte der Beschäftigten schützen. Doch auch er arbeitete unter Ausnahmebedingungen. „Die Mitbestimmung war und ist erschwert“, sagt Lafrentz rückblickend. Weil das 33-köpfige Gremium nicht mehr tagen durfte, wurde die Arbeit zunächst auf den kleinen Betriebsausschuss übertragen. Um viele Themen wie die Aufhebung des Maskenverbots konnten sie sich kümmern. Manches sei ihnen jedoch „durch die Lappen gegangen“.

Coronakrise machte Job noch unattraktiver

Weiter zugespitzt hat sich die Arbeitssituation im Juni, als die Hamburger Kitas teilweise geöffnet wurden. „Wir haben in geschlossenen Gruppen gearbeitet und mussten Früh- und Spätdienste in den Teams organisieren“, erklärt Lafrentz und rechnet vor: „Um 60 Prozent der Kinder zu betreuen, wurde das gesamte Personal benötigt.“ Nun wurden Angehörige der Risikogruppen zurückgeholt. Damit nicht genug: Weil die Stunden für Reinigungskräfte nicht erhöht wurden, musste das pädagogische Personal zusätzlich die strengen Hygienevorgaben umsetzen und regelmäßig Spielzeug, Tische und Türklinken desinfizieren.

In diesen Monaten klingelte das Diensthandy der Betriebsrätin häufig auch nach dem offiziellen Dienstschluss. Kolleginnen und Kollegen mit Vorerkrankungen oder kranken Familienmitgliedern erzählten von ihren Ängsten und Problemen am Arbeitsplatz. „Der Job frisst ohnehin viel Zeit und beschäftigt mich auch nach Feierabend“, sagt sie. Doch in der Corona-Zeit haben ihr die Sorgen und Probleme der Kolleginnen häufig die Nachtruhe geraubt.

Viele, so sagt sie, dächten ans Aufhören. „Die Arbeitsbelastungen in Kitas haben sich in der Corona-Zeit potenziert, der Job ist heute noch unattraktiver“, stellt Lafrentz fest. Gerade jetzt brauchten die Beschäftigten in Kitas Wertschätzung und Anerkennung. Eine spürbare Lohnerhöhung, so meint sie, sei das richtige Signal. „Die Kolleginnen sind sauer. Viele haben durchgearbeitet.“ Dass die Arbeitgeber die Beschäftigten nun mit einer Nullrunde abspeisen wollen, findet Lafrentz einfach nur zynisch.