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Nordirak: "Bis zu 90 Prozent der Heranwachsenden sind verhaltensauffällig"

In den Flüchtlingslagern im Nordirak droht eine verlorene Generation heranzuwachsen: Rund 300.000 Flüchtlingskinder gehen dort nicht zur Schule. Terre des hommes bietet unter anderem Schulunterricht und Sprachkurse an.

13.03.2017

Im Nordirak besuchen noch immer etwa 300.000 Flüchtlingskinder keine Schule. "Ihre Unterrichtssprache war bis dato kurdisch, deshalb gibt es vor allem für die arabisch sprechenden unter ihnen kaum schulische Angebote. Außerdem fehlt es an Pädagoginnen, Lehrkräften und Sozialarbeiterinnen. Hinzu kommt, dass das Fachpersonal mit der großen Zahl traumatisierter und auffälliger Mädchen und Jungen überfordert ist", sagte Birgit Dittrich von terre des hommes im "E&W"-Interview. Dittrich betreut in der Region ein Hilfsprojekt für Kinder und Jugendliche.

In den Flüchtlingscamps herrsche eine Grundstimmung von Verlust, Trauer und Hoffnungslosigkeit, die sich auch in aggressivem Verhalten bemerkbar mache, schilderte Dittrich. "Heranwachsende verlieren in solch einer tristen Umgebung den Bezug zu einem geregelten Alltag und sozialen Werten." Beobachtet würden auch enorme Apathie, extreme Anpassung, Schläfrigkeit oder depressive Verstimmungen. "Je nach Erlebtem sind an manchen Standorten bis zu 90 Prozent der Heranwachsenden verhaltensauffällig. Etwa drei bis fünf Prozent zeigen Symptome eines klinischen Traumas, wenn Bilder des Schreckens unbearbeitet bleiben."

Seit Beginn des Bürgerkriegs vor rund sechs Jahren sind 230.000 Syrer in die Autonome Region Kurdistan im Nordirak geflüchtet. Auch eine Million Iraker hat hier Zuflucht vor dem Islamischen Staat (IS) gesucht. Die kurdische Bevölkerung sowie die Regionalregierung sind an ihre Belastungsgrenze gestoßen, zumal die irakische Zentralregierung Zahlungen ausgesetzt hat. So ist die Region auf internationale Hilfe angewiesen. Terre des hommes unterstützt Heranwachsende in Flüchtlingscamps und Gemeinden in Erbil und Dohuk durch psychosoziale und schulische Angebote. Finanziert wird das Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Das gesamte Interview von Michaela Ludwig ist in der Märzausgabe der "E&W" veröffentlicht.


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