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Digitalisierung an Schulen„Noch kein Land in Sicht“

GEW-Schulexpertin Ilka Hoffmann hat im +3 Magazin der Süddeutschen Zeitung die Umsetzung des Digitalpakts Schule kommentiert. Wir veröffentlichen ihr Statement im Wortlaut.

01.04.2021

Die Umsetzung der zweiten Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt Schule, mit der 500 Millionen Euro für IT-Administratoren bereitgestellt werden, geht nach Ansicht der GEW zu schleppend voran. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen fürchten die Kommunen hohe und unübersehbare Folgekosten, zum anderen fehlen die gesuchten Expertinnen und Experten auf dem Arbeitsmarkt. Das führt dazu, dass sich nach wie vor Lehrkräfte nebenbei um die Technik kümmern – für die GEW ein unhaltbarer Zustand.

Für das +3 Magazin der Süddeutschen Zeitung (Heft 72) antwortete GEW-Schulexpertin Ilka Hoffmann daher auf die Frage „Wie digitalisiert man eine Schule?“: 

„Zusätzliche 500 Millionen Euro für die IT-Administration an den Schulen – das hört sich zunächst einmal gut an. Aber der Teufel steckt wie immer im Detail. Bislang ist an den Schulen noch nicht viel von der Unterstützung durch zusätzliche IT-ler zu spüren. In manchen Fällen werden sich Land und Kommunen nicht über die Finanzierung einig, anderswo gibt es keine Fachleute, die für die Stellen infrage kommen.

Und wenn es tatsächlich kommunale Administratoren gibt, kommt es nicht selten zu Verständigungsproblemen: Die IT-Experten kennen sich mit IT aus, aber nicht mit Pädagogik. Und die Lehrkräfte stellen pädagogische Anforderungen an Endgeräte und Tools, die nicht immer zu erfüllen sind.

Einstweilen arbeiten meist technisch versierte Lehrkräfte nebenbei als Administratoren. Zusätzlich geben sie Unterricht und führen Gespräche mit Eltern und Lernenden. Diese Aufgaben sind für die Lehrkräfte kaum zu stemmen. Es reicht nicht, digitale Endgeräte zu haben, diese müssen auch eingerichtet und gewartet werden. Das Personaltableau der Schulen war und ist auf diesen durch die Pandemie beschleunigten digitalen Ausbau nicht ausgelegt.

Die Probleme müssen dringend gemeinsam mit den Schulen analysiert und gelöst werden. Die Schulen halten die Bildung mit Bordmitteln am Laufen. Jetzt muss Politik die Schulen auf allen Ebenen tatkräftig unterstützen.“