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Filmtipp mit UnterrichtsmaterialienNeuverfilmung von „Berlin Alexanderplatz“

Der als Kind afghanischer Kriegsflüchtlinge in Deutschland aufgewachsene Burhan Qurbani hat Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ über den Außenseiter Franz Biberkopf neu verfilmt.

19.06.2020

In seinem Opus Magnum „Berlin Alexanderplatz“ folgte Alfred Döblin dem Außenseiter Franz Biberkopf auf seinem mühevollen Weg in ein anständiges Leben – ein nahezu aussichtsloses Unterfangen in der anonym-gnadenlosen Großstadt. Die zeitlose Milieustudie aus dem Jahr 1929 hat Regisseur Burhan Qurbani ins transkulturelle Berlin von heute übersetzt. In diesem Berlin versucht der afrikanische Flüchtling Francis, anzukommen und ein ehrliches Leben zu führen. Doch die Versuchung des schnellen Geldes lässt nicht lange auf sich warten.

Bald trifft Francis den zwielichtigen deutschen Drogendealer Reinhold, und die Leben der beiden Männer verbinden sich zu einer düsteren Schicksalsgemeinschaft. Immer wieder versucht Reinhold, Francis für seine Zwecke einzuspannen. Dieser widersteht – um schließlich doch wieder nachzugeben und zu fallen. Eines Tages trifft Francis auf Mieze und verliebt sich. Doch Reinhold lässt Francis nicht aus seinen Fängen.

Modernes Großstadtporträt 

Mit „Berlin Alexanderplatz“ (Kinostart 16. Juli 2020), der im Februar im Wettbewerb der 70. Berlinale Weltpremiere feierte und bei der Onlineverleihung des Deutschen Filmpreises fünf Auszeichnungen bekam, zeichnet Qurbani ein Großstadtporträt am Puls der Zeit. Die beiden Hauptfiguren Francis und Reinhold besetzte er mit Welket Bungué und Albrecht Schuch („Systemsprenger“, „Bad Banks“), Jella Haase („Das perfekte Geheimnis“, „4 Könige“) komplettiert als Mieze das Drama um drei haltlose Seelen. 

Sein Gespür für Randgruppen unserer Gesellschaft sowie für komplexe und relevante Themen zeigte Qurbani bereits mit seinen Filmen „Shahada“ (2010) und „Wir sind jung. Wir sind stark“ (2014). Eigentlich sollte „Berlin Alexanderplatz“ am 16. April in den Kinos anlaufen, der Filmstart wurde wegen des Coronavirus verschoben. 

Pädagogisches Begleitmaterial

Zum Film steht begleitendes Unterrichtsmaterial der Stiftung Lesen bereit, empfohlen ab Klasse 11 für die Fächer Deutsch, Politik, Sozialkunde und Ethik/Religion. Vision Kino empfiehlt: Bei einem Stoff wie „Berlin Alexanderplatz“ erscheine ein Vergleich zwischen Film und Literaturvorlage im Deutsch-Unterricht zwar naheliegend, doch der Roman sei aufgrund seiner Komplexität keine gängige Schullektüre. Einen kurzen Auszug zu lesen, etwa den Romananfang, könne Qurbanis filmische Neuinterpretation aber erläutern.

Der Film biete auch sonst viele Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit: Die Situation von Menschen ohne Status ist das wesentliche politische Thema, das im Detail in die ambivalente Beziehung zwischen Francis und Reinhold hineinwirkt. Formale Aspekte wie die antirealistische, symbolstarke Bildgestaltung sollten bei der Analyse berücksichtigt werden. Mit seinem diversen Figurenensemble entwerfe „Berlin Alexanderplatz“ zudem eine zeitgemäße Repräsentation der deutschen Gesellschaft.

Zur Organisation einer Schulvorstellung müssen die lokalen Kinos vor Ort kontaktiert werden. Bei möglichen Problemen hilft Caroline Bernhardt von Entertainment One Germany.

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