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Kinder- und Jugendliteratur in Forschung, Schule und Bibliothek (kjl&m)Neues Heft zu biografischem Erzählen

Die neue Ausgabe der „kjl&m“, der Fachzeitschrift der AG Jugendliteratur und Medien (AJuM), widmet sich unter dem Titel „Lebensgeschichten“ dem biografischen Erzählen.

 

08.05.2020

Seit vielen Jahren finden sich auf dem Buchmarkt Biografien für Jugendliche und Kinder, auch in Form von Bilderbüchern und Graphic Novels. Aufgabe der Biografinnen und Biografen ist es, stets eine Balance zwischen Wahrheit und Fiktion, Subjektivität und Objektivität zu wahren, denn Biografien sind grundsätzlich eine subjektive Interpretation und damit eine Konstruktion gelebten Lebens. Gute Biografien bieten ihren Leserinnen und Lesern die Möglichkeit, bei der Lektüre sowohl Nähe als auch Distanz zu entwickeln und sich somit in der Auseinandersetzung mit der biografierten Person, ihrer Zeit und ihrem Werk ein eigenes Urteil bilden zu können.

Die neue Ausgabe der „kjl&m“, der Fachzeitschrift der AG Jugendliteratur und Medien (AJuM), widmet sich in ihrer neuen Ausgabe nun unter dem Titel „Lebensgeschichten“ dem biografischen Erzählen in der Kinder- und Jugendliteratur.

Biografien werden im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft verortet. Lange wurden sie als Sache der Geschichtswissenschaft betrachtet, was vor allem damit zusammenhing, dass man in der Vergangenheit lediglich historische Größen biografierte (Staatsoberhäupter, Könige, führende Persönlichkeiten aus Militär, Politik, Kirche etc.), und diese waren bis auf Ausnahmen wie z. B. Königin Luise allesamt Männer. Die Personen galten als Vorbilder, hatten somit eine Vorbildfunktion und sollten ihre jugendlichen Leserinnen und Leser zu nachahmenswertem Verhalten animieren.

Diese Funktion haben sie jedoch seit Langem nicht mehr. Staat dessen geht es darum, dass Leserinnen und Leser im Zuge der Auseinandersetzung mit einer biografierten Person, ihrer Zeit und ihrem Werk sowohl Nähe als auch Distanz entwickeln können. Nimmt man andererseits die Biografinnen und Biografen in den Blick, so besteht deren Aufgabe darin, – wie Alina Wanzek in ihrem einführenden Beitrag schreibt –, stets eine Balance zwischen Wahrheit und Fiktion, Subjektivität und Objektivität zu wahren. Denn Biografien sind grundsätzlich eine subjektive Interpretation und damit eine Konstruktion gelebten Lebens.

Einblick in die Biografienforschung

In der Bundesrepublik fand zunächst nur zu Beginn der 1960er-Jahre eine Auseinandersetzung mit Biografien für Jugendliche statt. Das änderte sich kurzfristig, als Frederik Hetmann für seine Che-Guevara-Biografie 1973 der Deutschen Jugendliteraturpreis verliehen wurde. Doch erst seit den 1980er-Jahren, als mehrere Verlage Biografien für Jugendliche veröffentlichten und damit das Spektrum der biografierten Personen immer größer wurde, stieg das Interesse in der KJL-Forschung und Literaturdidaktik. Inzwischen richtet sich die Gattung an Kinder und Jugendliche gleichermaßen, entsprechend vielfältig ist das Angebot.

Das vorliegende Heft vermittelt einen Einblick in die aktuelle theoretische, historische und systematische Biografienforschung. Alina Wanzeks Einführungsbeitrag stellt die verschiedenen Formen biografischen Erzählens vor; Felix Giesa zeichnet die historische Entwicklung der Gattung nach. Es folgen Beiträge zur Gruppenbiografie am Beispiel der Beltz & Gelberg-Reihe (Mareike Gronich), über Artist Fantasies, sprich Biografie-basierte Bilderbücher über das Schaffen von Kunst (Julia Benner) und Graphic Novels am Beispiel Alan Turings (Marco Magirius).

Spezifische Personen im Mittelpunkt

Spezifische Personen stehen im Mittelpunkt der vier folgenden Aufsätze: Karin Richter beschäftigt sich mit dem Biographischen und Authentischen im Erzählwerk Mirjam Presslers, Larissa Jagdschian mit der ersten Biografie über Judith Kerr, Ina Brendel-Perpina mit Anne Frank im Medienverbund, wobei auch didaktische Aspekte berücksichtigt werden, und Susanne Brandt zeigt mit ihrem Praxisbericht aus der Büchereiarbeit, wie biografische und autobiografische Schriften von Janusz Korczak zu einer handlungsorientierten Auseinandersetzung und Weiterarbeit mit den Texten und Impulsen inspirieren können.

Den Abschluss des Thementeils bildet das Interview von Jana Mikota mit Alois Prinz, der im deutschsprachigen Raum zu den wichtigsten Autoren gehört, die Biografien für Jugendliche schreiben. Das Spektrum widmet sich der persischen KJL (Elham Moghadas) sowie dem 95. Geburtstag von Klaus Doderer (Winfred Kaminski).

Prof. Dr. Petra Josting, verantwortlich für den Themenschwerpunkt der Ausgabe

In der kjl&m stehen Literatur und Medien für Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt. Alle die sich professionell mit Kinder und Jugendliteratur beschäftigen, finden in der Zeitschrift Informationen sowie hilfreiche Tipps und Anregungen für die Praxis.

Die vierteljährlich erscheinenden Hefte setzen jeweils einen Themenschwerpunkt. Es geht dabei um:

  • medienpädagogische und literaturdidaktische Ansätze,
  • Forschungsbeiträge zu Kinder- und Jugendliteratur,
  • Rezensionen von Fachliteratur und Unterrichtsmaterialien sowie
  • Kinder- und Jugendliteratur in Schule und Bibliothek.

Die Themen der folgenden Ausgaben sind: Marx, Umwelt/Klima und Archive

Herausgegeben wird die Zeitschrift von der AG Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW. 

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