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Portal „WirLernenOnline“ Neue Suchmaschine für Bildungsmaterialien im Netz

Der Markt für freie Bildungsmaterialien im Internet wird zunehmend größer und unübersichtlicher. Das neue Portal „WirLernenOnline“ will das Angebot sammeln und sortieren. Die GEW mahnt seit langem eine gründliche Prüfung an.

15.09.2020

Für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler gibt es eine weitere Plattform mit Lehr- und Lernmaterialien: Für das neue Portal „WirLernenOnline“ wählen Fachredaktionen Bildungsmaterial aus Angeboten im Netz aus und bündeln Unterrichtsideen und Forschungsergebnisse für jedes Schulfach. Für erste Fächer wie Deutsch, Physik oder Chemie gibt es bereits ausgewählte Arbeitsblätter, Klausuren, Videos sowie kleine Softwaretools für Lehren und Lernen. „WirLernenOnline“ ist eine Mitmachplattform: Nutzerinnen und Nutzer können der Redaktion weitere Inhalte und Tools empfehlen. 

Die GEW mahnt derweil grundsätzlich zur Vorsicht: Die Anzahl der freien Online-Bildungsmaterialien habe – auch durch die Coronapandemie – dermaßen zugenommen, „dass der Markt etwas unübersichtlich wird und zum Teil auch fragwürdige Angebote macht“, sagte GEW-Schulreferentin Martina Schmerr im Deutschlandfunk. Die Bildungsgewerkschaft moniert seit Jahren, dass viele Unterrichtsmaterialien aus wirtschaftsnahen Kreisen stammten, und fordert gründliche Prüfungen, welche Angebote für Lehrkräfte empfehlenswert seien. 

Beteiligung der HPI-Schulcloud

WirLernenOnline ist eine von Wikimedia Deutschland und dem edu-sharing Network gemeinschaftlich entwickelte Plattform, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Teilprojekt der HPI Schulcloud gefördert wird. Die GEW sieht die Schulcloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) skeptisch. Im Mai wurden gravierende Sicherheitslücken entdeckt, durch die Daten von Schülerinnen und Schülern ausgelesen werden konnten. Umstritten ist auch die Millionenförderung des BMBF für das Projekt. Zwischen kleinen Anbietern von Schulclouds und großen Wettbewerbern wie dem HPI hat sich ein harter Verdrängungswettbewerb entwickelt. 

Mit Blick auf die Inhalte von „WirLernenOnline“ kommentierte Schmerr: „Das Portal ist durchaus positiv zu bewerten und charmant, weil es eine Fülle lizenzfreier Angebote oder Angebote öffentlicher Stellen wie Ministerien oder öffentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehsender bereitstellt. In gewisser Weise kommt das einer Metasuchmaschine nahe, weil die Seite auf unzählige weitere Plattformen verweist – insofern ein reichhaltiges Portal.“

Angebote auch bei Boeckler Schule

Materialien, die Lehrkräften bedenkenlos empfohlen werden können, gibt es darüber hinaus zum Beispiel beim Portal Boeckler Schule der Hans-Böckler-Stiftung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) reaktivierte zudem jüngst den unabhängigen Materialkompass zur Qualitätsprüfung.

Freie Bildungsmedien sind ein boomender Markt: Die Universität Augsburg listete in einer Studie rund 880.000 Lehrmaterialien im Internet, die Dunkelziffer liegt geschätzt bei einer Million. Die GEW forderte daher bereits mehrfach: „Die öffentliche Hand muss Verantwortung dafür übernehmen, wie Inhalte an Schulen kommen.“