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ISTP virtuellMit sozialem Dialog besser aus der Corona-Krise

Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind besonders wirksam, wenn sie im Dialog zwischen Regierungen und Gewerkschaften beraten werden. Das ist das Fazit des diesjährigen „International Summit on the Teaching Profession“ (ISTP).

25.06.2020 - Manfred Brinkmann

In vielen Staaten hat die Coronakrise den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Bildungsgewerkschaften zum Nutzen der Schülerinnen und Schüler intensiviert. Das haben Regierungs- und Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertreter aus mehreren Ländern auf dem in diesem Jahr als Videokonferenz abgehaltenen „International Summit on the Teaching Profession“ (ISTP) übereinstimmend  berichtet. Zusammenarbeit sei eine Stärke und Lehrkräfte Teil der Lösung, bekannte auch OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher mit Verweis auf die aktuelle OECD-Studie, die zu diesem Ergebnis kommt („Schooling disrupted, schooling rethought – How the Covid-19 pandemic is changing education“).

Zusammenarbeit sei eine Stärke und Lehrkräfte Teil der Lösung
Zusammenarbeit sei eine Stärke und Lehrkräfte Teil der Lösung, bekannte auch OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher (Foto: Manfred Brinkmann).

Digitale Kluft gibt Anlass zur Sorge

Während Einigkeit bestand, dass die Corona-Krise den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien massiv befördert hat, gab die digitale Kluft Anlass zur Sorge. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Videokonferenz machten deutlich, dass Schulen für Kinder aus benachteiligten Familien von entscheidender Bedeutung sind, da sie Sicherheit, Ernährung, Sozialisation und Lernen bieten. Aus England wurde berichtet, das rund eine Million Kinder keinen Zugang zum Internet hätten. In Österreich hat die Regierung mit einem Telekommunikationsanbieter 10.000 kostenlose Internetzugänge für sozial schwache Familien vereinbart und bietet für deren Kinder spezielle Sommerschulen in den Ferienwochen an. Auch Frankreich plant solche Sommerschulen. Die dortige Regierung hat zudem eine eigene Schulplattform für Fernunterricht eingerichtet, auf die 400.000 Lehrkräfte Zugriff haben. Aus Dänemark hieß es, man sei zwar weltweit führend in digitalen Unterrichtstechniken, aber dennoch überzeugt, dass Lehren und Lernen als soziale Prozesse nicht durch Online-Unterricht ersetzt werden können.

Das Wichtigste sind gute Lehrkräfte

Gewerkschaftsvertreterinnen und -verteter sprachen auch lieber von krisenbedingtem Notfallunterricht, sogenanntem „Emergency Teaching“ statt von digitalem Lernen. Lehrkräfte hätten bisher oft nicht die nötige Erfahrung und Ausbildung zur Nutzung neuer Technologien im Unterricht und seien zudem in der Krise der Doppelbelastung durch Präsens- und Fernunterricht ausgesetzt. Mehrfach wurde von Gewerkschaftsseite auch die Befürchtung geäußert, dass neue Technologien in der nun zu erwartenden Wirtschaftskrise missbraucht werden könnten, um Privatisierung im Bildungswesen voranzutreiben und Kosten zu senken. Übereinstimmung herrschte darin, dass Technologie zwar Unterstützung biete, aber die Arbeit von Lehrkräften nicht ersetzen kann. Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch darin: Technologie und Infrastruktur seien wichtig, aber das Wichtigste für eine qualitativ hochwertige Bildung seien gute Lehrerinnen und Lehrer.

Supranationaler Dialog zu Bildung

Zum zehnten Mal fand auf Einladung von OECD und Bildungsinternationale ein „Internationaler Gipfel zum Lehrkräfteberuf“ (ISTP) statt, der 2011 von der damaligen Obama-Regierung ins Leben gerufen wurde. Seitdem kommen einmal jährlich Bildungsministerinnen und Bildungsminister aus OECD-Staaten mit Vorsitzenden von Bildungsgewerkschaften zusammen, um im Dialog über aktuelle Bildungsthemen zu beraten. Der diesjährige ISTP, der ursprünglich im spanischen Valencia hätte stattfinden sollen, wurde am 2. Juni nun digital als Videokonferenz durchgeführt. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen und Reaktionen auf die Corona-Krise in den Bildungssystemen der OECD-Staaten.

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