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Mit Bauchschmerzen in den Ausbildungsbetrieb

Jeder vierte Ausbildungsvertrag bundesweit wird vorzeitig aufgelöst. Besonders viele Abbrecher gibt es bei Restaurantfachleuten, im Friseurhandwerk, bei Fachkräften für Schutz und Sicherheit sowie bei Köchinnen und Köchen.

05.10.2017

Im Jahr 2015 sind bundesweit 142.275 Ausbildungsverträge vorzeitig gekündigt wurden. Das entspricht 24,9 Prozent aller Verträge. Gut zwei Drittel der Trennungen finden im ersten Ausbildungsjahr statt. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) betrug die Auflösungsquote bei Restaurantfachleuten 49,6 Prozent, gefolgt vom Friseurhandwerk (48,6 Prozent), von Fachkräften für Schutz und Sicherheit (48,3 Prozent) und Köchinnen/Köchen (48,1 Prozent). Kaum Vertragsauflösungen gab es bei Verwaltungsfachangestellten (3,6 Prozent), Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (5 Prozent) und Notarfachangestellten (5,1 Prozent). Auszubildende ohne deutsche Staatsbürgerschaft waren stärker betroffen (33 Prozent) als Azubis mit deutschem Pass (24,2 Prozent).

„Ich lernte nichts mehr dazu“, sagt Lara, Auszubildende des Friseurhandwerks in Köln. Die 23-Jährige vermisste, „dass man sich mit mir beschäftigt“. Dass sich junge Menschen in der handwerklichen Ausbildung schwer tun, kann Buunternehmer Thomas Heppner aus Jena gut verstehen. In der Schule gehörten sie noch zu den Großen, bewundert von den Jüngeren. „Dann kommst du in den Betrieb – und kriegst erst einmal einen Besen in die Hand.“

„Zu dem Gefühl, persönlich gescheitert zu sein, kommt oft die Angst vor prekären Arbeitsverhältnissen.“

Laut Ausbildungsreport 2016 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) kritisieren 19,3 Prozent der Azubis „in hohem Maße“ oder „in sehr hohem Maße“ den Leistungs- oder Zeitdruck. In dieser Gruppe überlegen 36,5 Prozent „immer oder häufig“, ob sie die Ausbildung abbrechen sollten. Nach aktuellen Zahlen des Ausbildungsreports 2017 werden 10,3 Prozent der Auszubildenden „selten“ oder „nie“ von der Ausbilderin oder dem Ausbilder betreut. 11,5 Prozent sind gezwungen, „häufig“ oder „immer“ ausbildungsfremde Tätigkeiten auszuüben.

Werde ein Vertrag aufgelöst, sei dies „ein gravierender Einschnitt“, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. „Zu dem Gefühl, persönlich gescheitert zu sein, kommt oft die Angst vor prekären Arbeitsverhältnissen.“ Deshalb bräuchten Azubis in solchen Situationen unbedingt Hilfe. Die Bundesagentur für Arbeit vermittelt zum Beispiel Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) oder die Assistierte Ausbildung.

Der komplette Artikel von Matthias Holland-Letz ist in der Oktoberausgabe der „E&W“ veröffentlicht.

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