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Migration als Normalität anerkennen und gestalten

Der Gewerkschaftstag fordert einen bildungspolitischen Kurswechsel. Politik und Gesellschaft müssten Migration als Normalität anerkennen und politikfeldübergreifend gestalten. Deutschlands Wirklichkeit werde längst grundlegend von Migration geprägt.

09.05.2017 - Von Norbert Glaser

Konkret verlangten die Delegierten, Asyl-, Migrations- und Entwicklungspolitik neu auszurichten, eine aktive Friedens- und Umweltpolitik zu betreiben sowie den Welthandel fair zu gestalten. Dies müsse begleitet werden von einem Paradigmenwechsel in der Integrationspolitik, der den gesellschaftlichen Zusammenhalt  fördert, Vielfalt und Gleichberechtigung anerkennt und von Reformen in der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Bildungspolitik flankiert wird.

Um diese Ziele zu erreichen, sei gute Bildung von herausragender Bedeutung. Die GEW sieht Bildung als Querschnittsaufgabe. Sie müsse die ökonomische, politische, rechtliche, soziale und kulturelle Teilhabe aller Menschen ermöglichen und gesellschaftlichen Spaltungen entgegenwirken. Allgemein gebühre sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe ein deutlich höherer Stellenwert. Sie seien für ein friedliches und demokratisches Zusammenleben unabdingbar.

Zentrale Aufgabe: Inklusion

Bildung in der Migrationsgesellschaft ist aus Sicht der GEW unmittelbar mit Inklusion verknüpft: "Die zentrale Aufgabe des Bildungswesens ist es, allen Menschen unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des aufenthaltsrechtlichen Status und anderen sozialen und persönlichen Voraussetzungen eine gleichberechtigte Teilhabe an Bildung sowie Chancen für den größtmöglichen Bildungserfolg zu gewährleisten", heißt es im Beschluss.

Die GEW macht sich dafür stark, strukturelle, institutionelle und individuelle Diskriminierungen im Bildungswesen abzubauen und inklusive migrationspädagogische Ansätze in den verschiedensten Bereichen weiterzuentwickeln. Das erfordere einen Kurs- und Perspektivwechsel mit verbesserten rechtlichen Rahmenbedingungen, strukturellen Reformen in allen Bildungsbereichen sowie einer aufgaben- und bedarfsgerechten Ausstattung der Bildungseinrichtungen.

Aktuell fehle es an Geld und Zeit für einen quantitativen und qualitativen Ausbau, an pädagogischem Personal und multiprofessionellen Teams. Das grundsätzliche Selbstverständnis des nationalstaatlich verfassten Bildungswesens müsse hinterfragt werden, fordert die GEW. Vorschriften und Schulbücher spiegelten noch immer die Idee von nationaler, kultureller, ethnischer und sprachlicher Homogenität als Norm wider.   

Weg von den Defiziten der "Anderen", hin zu den Defiziten im Bildungssystem, fordern die GEW-Delegierten. Migration müsse in einer demokratischen Gesellschaft als Chance betrachtet werden.  Dazu will sie nicht nur bildungs-, sondern auch gesellschaftspolitisch in Kooperation mit anderen Akteuren beitragen. Eine diversitätsbewusste Organisationsentwicklung soll die Partizipation von Pädagoginnen und Pädagogen und anderen im Bildungsbereich Beschäftigten mit Migrations- und Fluchterfahrung unterstützen.

Konkret will die GEW in den kommenden Jahren dafür kämpfen, dass

  • zugewanderte Menschen schnell den Zugang zu Bildungsangeboten bekommen
  • Antidiskriminierungsinstrumente in Bildungseinrichtungen installiert werden
  • alle Bildungsbereiche qualitativ und quantitativ ausgebaut werden
  • zusätzliches Personal eingestellt wird
  • pädagogische Fachkräfte Aus- und Fortbildungsangebote für den Umgang mit Vielfalt in Bildungseinrichtungen erhalten
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