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Mehr gebundene Ganztagsschulen gefordert

Der quantitative Ausbau der Ganztagsschulen habe zwar für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf viel gebracht, sagt der Bildungsforscher Wilfried Bos. Für mehr Bildungsgerechtigkeit brauche der Ganztag aber deutlich mehr Qualität.

07.07.2017

Der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos sieht bei den deutschen Ganztagsschulen noch viel Verbesserungsbedarf. "Wirklich erfolgreich sind nur die gebundenen Modelle, bei denen alle Kinder an den Angeboten teilnehmen – mit Rhythmisierung des Unterrichts und Förderung durch gut ausgebildetes Personal. So arbeitet bisher aber nur ein kleiner Teil der Ganztagschulen", sagte Bos im "E&W"-Interview. Zwar habe sich die Betreuungssituation für Eltern und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf klar verbessert. Die Förderung leistungsschwächerer Schüler und damit mehr Bildungsgerechtigkeit sei jedoch "bei weitem nicht erreicht" worden.

Die Schulen dürfen nach Aussage von Bos die Hausaufgabenbetreuung und Zusatzförderung nicht Ersatzkräften mit geringer Qualifikation und prekären Arbeitsverträgen überlassen. Stattdessen müssten alle Lehrkräfte bis zum Nachmittag bleiben. Dies hätte auch Vorteile für Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Unterrichtsvor- und -nachbereitung an der Schule erledigen könnten. "Dafür braucht es natürlich mehr Personal und andere Ressourcen", betonte der Experte. "Leider haben Bund und Länder bisher vor allem in die Ausstattung investiert. Das ist auch wichtig. Aber es reicht nicht, eine Kantine zu bauen, ohne zu fragen: Wie gestalten wir den Unterricht neu?"

Das Interview von Katja Irle ist in voller Länge in der Juli-/Augustausgabe der "E&W" abgedruckt. 

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