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LIFE-Studie bestätigt starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von sozialer Herkunft

GEW-Schulexpertin Marianne Demmer zum Ergebnis der Studie, wonach hessische Gesamtschulen für das Berufsleben keine größere Bildungsgerechtigkeit schaffen als Schulen des gegliederten Schulsystems.

03.01.2008 - Marianne Demmer, Leiterin des Organisationsbereichs Schule

In der ZEIT vom 03.01.2008 stellt der bekannte Bildungsforscher Prof. Helmut Fend einige Ergebnisse aus der so genannten LIFE-Studie vor (Lebensverläufe von der späten Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter), die als Kooperationsprojekt der Universitäten Zürich und Konstanz durchgeführt wurde.

Die Studie untersucht in Fortführung der Längsschnittstudie zur "Entwicklung im Jugendalter" (1979 bis 1983) die psychosoziale Entwicklung von 1500 Personen vom 12. bis ins 35. Lebensjahr im Großraum Frankfurt und zwei Nachbarkreisen.

Die berichteten Erkenntnisse sind nicht neu: Das Elternhaus beeinflusst entscheidend Bildungserfolg und Berufswahl junger Menschen, und hessische Gesamtschulen sind kein Allheilmittel für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Während der Schulzeit wirken sie sich noch günstig für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit aus, aber bei den Übergangsentscheidungen (gymnasiale Oberstufe oder Berufsausbildung) setzt sich auch bei Gesamtschüler/innen die soziale Herkunft durch.

Insgesamt zeigen die Untersuchungen: „Die Chancen eines Arbeiterkindes, einen Hochschulabschluss zu erreichen, stehen im Vergleich zu einem Kind aus den Bildungsschichten eins zu zwölf.“ (Fend)

Diese Ergebnisse lassen nur eine vernünftige Schlussfolgerung zu: Die Förderung benachteiligter Kinder und die Bildungswerbung im Elternhaus müssen erheblich verstärkt werden nach dem Motto „Den besten Schulabschluss auch für dein Kind.“ Und beides hat die besten Aussichten auf Erfolg, wenn Kinder frühzeitig gefördert und nicht bereits im Alter von zehn Jahren auf unterschiedliche Schulformen sortiert, sondern stattdessen individuell gefördert werden.

Dass die hessische Kultusministerin auch diese Studie für ihre selektive Schulpolitik instrumentalisiert, muss nicht verwundern. Sie steht mit dem Rücken zur Wand und im Landtagswahlkampf und klammert sich derzeit an jeden Strohhalm.

Allerdings hätte ihr auffallen müssen, dass Prof. Fend ausdrücklich darauf hinweist, dass er durchaus eine „sinnvolle Alternative“ zum selektiven Schulsystem darin sieht, in der Sekundarstufe I „alle Angebote in einer Schule zu konzentrieren und hier intern pädagogische Ansätze auszuprobieren“. Zudem zeigen die Ergebnisse nach Fend auch: „Familien der Bildungsschichten müssen nicht befürchten, bei Gesamtschulen die Bildungsziele für ihre Kinder weniger realisieren zu können“.

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