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Lehren und Lernen

Der neue UNESCO-Weltbildungsbericht wurde am 13. Februar in Bonn gemeinsam von BMZ und Deutscher UNESCO-Kommission vorgestellt. Er befasst sich schwerpunktmäßig mit der Rolle der Lehrerinnen und Lehrer bei der Verwirklichung der ‚Bildung für alle‘ Ziele.

13.02.2014 - Manfred Brinkmann

Fotos: Manfred Brinkmann

Etwa fünfzig Gäste, darunter Bildungsgewerkschafter aus Afrika, Asien und Europa, haben auf Einladung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutschen UNESCO-Kommission am 13. Februar in Bonn an der Präsentation des neuen UNESCO-Weltbildungsberichts 'Lehren und Lernen' teilgenommen. Der Bericht wird im Auftrag der UNESCO jährlich von einem Team von Wissenschaftlern verfasst und gibt Auskunft über die Verwirklichung der sechs ‚Bildung für alle‘ Ziele, zu denen sich 164 Länder im Jahr 2000 beim Weltbildungsforum in Dakar verpflichtet hatten: Ausbau der frühkindlichen Förderung und Erziehung, Grundschulbildung für alle Kinder weltweit, Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen, Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbesserung der Bildungsqualität.

Weltweit fehlen qualifizierte Lehrkräfte
Zur Begrüßung wies Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, auf die besondere Bedeutung der Lehrkräfte hin: "In vielen Ländern sind Minderheiten in der Bildung stark benachteiligt. Gut ausgebildete Lehrer sind daher ein Schlüssel zu besserer Bildung, weil sie mit ihrem Unterricht Benachteiligung ausgleichen können“. Nach Berechnungen der UNESCO fehlen 1.6 Millionen zusätzlicher Lehrkräfte, nur um allen Kindern bis 2015 eine Grundbildung zu ermöglichen. Rechnet man die Zahl derer hinzu, die demnächst aus Altersgründen ausscheidenden werden, bedarf es sogar 5.2 Millionen weiterer Lehrerinnen und Lehrer. Mehrfach weist der UNESCO-Bericht auf die besonders schwierige Situation in vielen afrikanischen Ländern hin. Subsahara Afrika liegt am meisten zurück bei der Umsetzung der Bildung für alle Ziele. Jedes fünfte Kind in den Ländern südlich der Sahara geht nicht zur Schule. Lehrermangel ist dort ein Riesenproblem. Von den zehn Ländern mit dem weltweit höchsten Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften befinden sich neun in Subsahara Afrika. Allein Nigeria benötigt bis 2015 mehr als 200.000 zusätzliche Lehrkräfte, um allen nigerianischen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen.

Mangel an politischem Willen
Manos Antoninis, einer der Autoren des UNESCO-Berichts, brachte bei dessen Vorstellung in Bonn seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, dass die Bildung für alle Ziele aufgrund fehlender Finanzmittel bis 2015 nicht mehr zu erreichen sind. So wurde zwar die Zahl der Kinder, die keine Grundschule besuchen, seit dem Jahr 2000 halbiert, doch immer noch haben 57 Millionen Kinder keine Möglichkeit zum Schulbesuch. Er kritisierte die mangelnde Bereitschaft der Regierungen der wohlhabenden Länder, sich angemessen an der Finanzierung der Bildung in den armen Ländern zu beteiligen. Nach Angaben der UNESCO fehlen jährlich zusätzlich 26 Milliarden Dollar, um Grundbildung für alle zu ermöglichen. Nicht viel, verglichen mit den Ausgaben, die weltweit etwa für Rüstung und Militär ausgegeben werden. Antoninis forderte aber auch von den Entwicklungsländern mehr Anstrengungen. Sie müssten ihre Steuerbasis verbessern und mindestens 20 Prozent des Staatshaushalts für Bildung ausgeben.

Die Besten für den Lehrerberuf gewinnen
In ihrem Kommentar zu dem UNESCO-Bericht unterstrich die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe die Notwendigkeit einer guten Ausbildung für Lehrkräfte. Wichtig sei, dass die Lehrerausbildung Praxisbezug habe und nicht allein auf die Vermittlung von Fachwissen beschränkt bleibt. Die GEW Vorsitzende beklagte zudem, dass viele Kinder nicht zur Schule gehen können, weil sie arbeiten oder weil sie ihre Heimat als Flüchtlinge verlassen mussten. Sie forderte von der Bundesregierung, die Gelder für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des BIP zu erhöhen und davon mindestens 100 Millionen Euro für Grundbildung bereit zu stellen. In der anschließenden Diskussion bestand Einvernehmen, dass Lehrer um guten Unterricht zu machen gut qualifiziert sein müssen und Unterstützung für ihre Arbeit benötigen. Um die Besten für den Lehrerberuf zu gewinnen, müssten Lehrer vergleichbar anderen akademischen Berufen bezahlt werden.

Schwerpunkt Afrika
Ein Kollege aus Zambia berichtete von der weit verbreiteten Korruption in seinem Land, unter der auch die Lehrer zu leiden hätten. Öffentliche Gelder für Bildung würden zweckentfremdet, Lehrergehälter oft über Monate nicht bezahlt. Um ausbleibende Gelder ging es auch bei einem anderen Thema der Diskussion: Nicht eingehaltene Finanzierungsversprechen der Geberländer und wie man diese zukünftig verbindlicher machen kann. Seitens der Bundesregierung wies Roland Lindenthal (BMZ) darauf hin, das Deutschland bisher alle Finanzierungszusagen eingehalten habe. Lindenthal versprach zudem einen Zuwachs von mindestens 400 Millionen Euro jährlich für Bildung in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, mit denen insbesondere die Grundbildung stärker gefördert werden soll. „Bei der Grundbildung müssen wir aufholen“, so Linderthal. „Unser Schwerpunkt wird dabei Afrika sein.“

 

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