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Gender Pay GapLänderstudien offenbaren Benachteiligung von Professorinnen

Professorinnen werden schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Das zeigen exemplarisch für die Länder Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zwei von den jeweiligen Wissenschaftsministerien in Auftrag gegebene Studien auf.

16.12.2019

Grund dafür sind gravierende Geschlechterunterschiede bei leistungsbezogenen Entgeltbestandteilen von Professorinnen und Professoren. Dazu GEW-Vize Andreas Keller: „Frauen haben nicht nur deutlich geringere Chancen, überhaupt auf eine Professur berufen zu werden. Wenn sie es schaffen, werden sie mit einer schlechteren Bezahlung konfrontiert. Das ist skandalös, die Länder müssen schleunigst gegensteuern.“

„Wie auf einem Basar“

So lautet der Titel einer Studie des Instituts für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über Berufungsverhandlungen und Gender Pay Gap bei den Leistungsbezügen an Hochschulen in Niedersachsen. Anke Burkhardt und ihr Forschungsteam haben einen flächendeckenden Gender Pay Gap ermittelt, der sich mit wenigen Ausnahmen auf die verschiedenen Hochschularten, Fächergruppen, Besoldungsgruppen und Altersgruppen erstreckt. Besonders betroffen sind die Universitäten. Die Forscherinnen und Forscher führten auch berufsbiografische Interviews mit Professorinnen und Professoren. Ergebnis: Frauen und Männer scheinen dem Einkommen bei ihrer Karriereplanung und in Berufungsverhandlungen unterschiedliche Bedeutung beizumessen.

Für Nordrhein-Westfalen bescheinigt der soeben vorgelegte „Gender-Report 2019“ des bevölkerungs- und hochschulreichsten Lands einen Gender Pay Gap, den eine Forschungsgruppe beim Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW unter Leitung von Beate Kortendiek und Lisa Mense erstellt hat. Verbeamtete Vollzeit-Professorinnen verdienen im Rahmen der Leistungsbezüge durchschnittlich 521 Euro weniger im Monat als ihre männlichen Kollegen. An einigen Hochschulen beträgt die Differenz der durchschnittlichen Leistungsbezüge sogar über 1.000 Euro im Monat.

Strukturelle Diskriminierung

Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender und Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung der GEW, hält die Befunde aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen für skandalös. „Knapp 20 Jahre nach Einführung der leistungsorientierten Besoldung zeigt sich, dass diese nicht nur das Klima an vielen Hochschulen vergiftet hat, sondern auch strukturell Professorinnen diskriminiert. Statt die Chancengleichheit von Frauen in der Wissenschaft zu verbessern, werden ihnen weitere Steine in den Weg gelegt. Die Länder müssen die Professorinnen- und Professorenbesoldung schleunigst auf den Prüfstand stellen und einem Gender-Check unterziehen. Soweit an Leistungsbezügen festgehalten wird, müssen diese in einem transparenten und diskriminierungsfreien Verfahren vergeben werden. Andernfalls könnte das Besoldungssystem schnell ein Fall für den Europäischen Gerichtshof werden“, sagte Keller.

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