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GastkommentarKooperation zwischen den Professionen stärken

Der Erfolg der Schulsozialarbeit in den vergangenen 20 Jahren ist leider weder strukturell noch finanziell und politisch ausreichend gesichert. Überwiegend finden sich nur Finanzierungsformen auf einem minimalen Niveau mit zu wenig Kontinuität.

07.02.2020 - Nicole Pötter, Professur für Grundlagen der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Bildungsfragen an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München

Das Handlungsfeld der Schulsozialarbeit blickt zurück auf zwei Jahrzehnte kontinuierlichen Ausbaus und zunehmender Anerkennung. Was wird die Zukunft bringen? Wo wird die Schulsozialarbeit am Ende dieses Jahrzehnts stehen?

Der Erfolg der Schulsozialarbeit in den vergangenen 20 Jahren ist leider weder strukturell noch finanziell und politisch ausreichend gesichert. Es gibt keine explizite rechtliche Grundlage. Überwiegend finden sich nur Finanzierungsformen auf einem minimalen Niveau mit zu wenig Kontinuität. Die Stellenzuteilungen sind für die meisten Schulen unzureichend. Erschwerend kommt hinzu, dass viele politische Akteure auf unterschiedlichen Ebenen mitreden und kaum jemand bereit ist, an der aktuellen gesetzlichen Lage etwas zu ändern, weil dies erhebliche finanzielle Verpflichtungen mit sich bringen würde, insbesondere für die Kommunen.

Entwickelt sich die Schulsozialarbeit aber im nächsten Jahrzehnt mit den gleichen Wachstumsraten wie in den vergangenen zehn Jahren weiter, könnte diese Kombination von starkem quantitativen Ausbau und unzureichender struktureller Absicherung zu einem weiteren Wildwuchs an Modellen und zu einer Beliebigkeit der Ziele und Methoden sowie der Einstellungsvoraussetzungen für Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter führen. Dadurch könnte der mit dem „Anforderungsprofil der Schulsozialarbeit“ (Kooperationsverbund Schulsozialarbeit 2015) erarbeitete qualitative Standard dauerhaft unterlaufen werden.

Das gemeinsame Ziel der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu selbstständigen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten ist nur durch eine Kooperation der unterschiedlichen Akteure an der Schule zu erreichen.

Schulsozialarbeit ist das Ergebnis von Kooperationen zwischen den verschiedenen Akteuren des Systems Schule, insbesondere zwischen den sozialpädagogischen und schulpädagogischen Fachkräften, mit dem Ziel, Anschlussfähigkeit zwischen den Funktionssystemen und den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen sicherzustellen und zu unterstützen. Das gemeinsame Ziel der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu selbstständigen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten ist nur durch eine Kooperation der unterschiedlichen Akteure an der Schule zu erreichen. Für alle müssen deshalb ausreichende Ressourcen für diese Kooperationen zur Verfügung gestellt werden.

Kooperationsvorstellungen sind bislang stark geprägt durch das Selbstverständnis der jeweiligen Profession. Was für die Lehrkräfte schon Kooperation ist, ist für die Sozialpädagoginnen und -pädagogen beispielsweise „nur“ der Austausch von Informationen. Sie würden gerne über dieses Niveau hinausgehen und eine gegenseitige Beratung etablieren, gemeinsame Projekte planen und umsetzen. Hier gilt es in den kommenden Jahren Brücken zu bauen – und dies möglichst schon während der Ausbildung der Fachkräfte.

Auch die wissenschaftlichen Vertreterinnen und Vertreter der Schulpädagogik und der Sozialen Arbeit sind aufgefordert, in den kommenden Jahren stärker zusammenzuarbeiten und gemeinsame Positionen zu entwickeln und dadurch das -gegenseitige Verständnis zu befördern.

Ich kann nicht vorhersehen, was uns das neue Jahrzehnt bringen und wo die Schulsozialarbeit am Ende stehen wird, aber ich habe mir zum Ziel gesetzt, diese Kooperation zwischen den sozialpädagogischen und schulpädagogischen Akteuren zu fördern und auszubauen, sowohl durch interdisziplinäre Zusammenarbeit als auch durch die Unterstützung einer gesetzlichen Etablierung von Schulsozialarbeit auf allen Ebenen.

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