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Kongress der türkischen Bildungsgewerkschaft

Vom 13. – 15. Mai 2011 fand in der türkischen Hauptstadt Ankara der achte Kongress der Bildungsgewerkschaft Egitim Sen statt. Für die GEW hat Sabine Skubsch daran teilgenommen.

17.05.2011 - Sabine Skubsch

Foto: Sabine Skubsch, Manfred Brinkmann

Etwa fünfhundert Delegierte aus allen Teilen der Türkei waren Mitte Mai 2011 zum achten ordentlichen Kongress der türkischen Bildungsgewerkschaft Egitim Sen nach Ankara gekommen. Als internationale Gäste hatte Egitim Sen zudem Vertreter von 24 Bildungsgewerkschaften aus 18 Ländern eingeladen u.a. aus Großbritannien, Frankreich, Italien, Dänemark, den Niederlanden, Serbien, Montenegro, Griechenland, Kosovo, Armenien und Deutschland. Die GEW, die seit vielen Jahren enge freundschaftliche Beziehungen zur Egitim Sen enthält, wurde durch Sabine Skubsch aus dem Landesverband Baden-Württemberg vertreten. Der erste Kongresstag stand im Zeichen von Grußadressen türkischer Organisationen und internationaler Gäste. Inhaltlichen Diskussionen und Beschlüsse fanden am zweiten Tag statt. Wichtigste Forderungen der Delegierten in Ankara waren:

· freie, öffentliche und wissenschaftliche Bildung
· ausreichend öffentliche Investitionen in die Bildung
· das Recht in der Muttersprache zu unterrichten und zu lernen
· ausreichend und gut ausgebildete Lehrkräfte
· Festanstellung von Lehrkräften bei ausreichender Bezahlung

Als grundlegendes Problem wurde in allen Statements die negativen Folgen des Neoliberalismus für die Bildung genannt. Bildung wird zunehmend privatisiert. Die Zahl der Privatschulen und Privatuniversitäten steigt. An den Schulen in der Türkei fehlen etwa 600.000 Lehrkräfte. Ein Teil der Lehrerinnen und Lehrer wie „Lohnsklaven“ behandelt. Rund 60.000 Lehrkräfte werden regelmäßig nur während der Schulmonate eingestellt und zudem noch schlecht bezahlt. Der Zugang zur Hochschule wurde erschwert. Alle Schüler, die das Gymnasium erfolgreich beendet haben, müssen anspruchsvolle zentrale Aufnahmeprüfungen bestehen, um an der Universität aufgenommen werden. Um die Chancen zu erhöhen, diese Prüfungen zu bestehen, bereiten sich die meisten Bewerber in Privatkursen vor. Das schließt Kinder aus armen Familien aus, die diese Kurse nicht bezahlen können.

Große Unterschiede bestehen außerdem zwischen den verschiedenen Regionen. In den östlichen (kurdischen) Provinzen der Türkei schneiden die Schulen, was Klassenstärke, Schulerfolg etc. betrifft, weiterhin viel schlechter ab als im Landesdurchschnitt. Die AKP-Regierung unter Ministerpräsident Erdogan hat zwar gemäß ihren Wahlversprechen zahlreiche neue Universitäten geschaffen. Kritisiert wurde jedoch, dass sich gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Lehrkräfte verschlechtert haben. Außerdem lässt die Infrastruktur der neuen Universitäten zum Teil sehr zu wünschen übrig. In einigen Fällen besteht die neue Hochschule lediglich aus nackten Gebäuden. Es fehlen Bibliotheken, Computer, Möbel und vieles andere mehr.

Höhepunkt des Kongresses waren die Vorstandswahlen am letzten Kongresstag. Neuer Vorsitzender wurde Ünsal Yildiz, der die bisherige Vorsitzende Sübeyde Kiliç ablöst. Als Generalsekretär wurde Mehmet Bozgeyik bestätigt, der dieses Amt schon in der vergangenen Wahlperiode inne hatte. Mit Betül Korkut und Sakine Esen Yilmaz wurden auch zwei Frauen in den siebenköpfigen Vorstand gewählt.

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