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KMK formuliert Integrationsziele - GEW fordert mehr Lehrkräfte

Die Kultusminister haben eine Erklärung zur Integration von Geflüchteten verabschiedet. Die Ziele: schneller Spracherwerb, Vermittlung demokratischer Werte, Abschluss von Ausbildung oder Studium. Die GEW fordert mehr Unterstützung für PädagogInnen.

07.10.2016

"Allein im vergangenen Schuljahr sind nahezu 300.000 neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in allgemein- und berufsbildende Schulen in Deutschland aufgenommen worden"heißt es in der Erklärung der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 6. Oktober 2016. Darunter seien 200.000 bis 250.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche. Die Länder und Kommunen hätten "den enormen zusätzlichen Raum-, Ressourcen- und Personalbedarf schnell, unkonventionell und unbürokratisch gedeckt", um die jungen Geflüchteten so schnell wie möglich in das Bildungssystem zu integrieren. Das Bildungssystem habe sich "hierbei als tragfähig und zupackend erwiesen", so die KMK weiter.

Unter den Geflüchteten seien motivierte und gut ausgebildete Menschen. Andere hätten einen hohen Unterstützungs- und Förderbedarf. Die KMK kündigte an, für alle den "Zugang zu einer beruflichen Tätigkeit durch Ausbildung oder Studium" zu verbessern. Dazu seien eine schnelle Bewertung und Anerkennung der mitgebrachten ausländischen Qualifikationen wichtig.

An vielen beruflichen Schulen, Weiterbildungs- und Studienkollegs würden Angebote eingerichtet, die neben dem Deutschlernen auf eine Ausbildung oder ein Studium vorbereiteten. Zusammen mit dem Bund und der Bundesagentur für Arbeit müssten Kooperationen zwischen Schule und Beruf oder Weiterbildung ausgebaut werden. Es werde geprüft, auch für junge Menschen mit ungewisser Bleibeperspektive Angebote zu entwickeln.

Tepe: Mehr Lehrkräfte ausbilden

"Keine Frage: Die Länder haben große Anstrengungen unternommen, um Geflüchteten und Asylbewerbern möglichst schnell Bildungsangebote zu machen. Trotzdem gibt es noch keinen Grund, sich selbst zu feiern", kommentierte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Es dauere beispielsweise viel zu lange, bis geflüchtete Kinder die Chance bekämen, eine Kita oder eine Schule zu besuchen. Auch die Organisatorinnen und Organisatoren der bundesweiten Kampagne "Eine Schule für alle" mahnten anlässlich der KMK-Tagung, dass mehr als Zehntausend Kinder und Jugendliche noch keinen Schulplatz hätten, obwohl sie schon seit Wochen oder Monaten in Deutschland seien.

Die GEW verlangt mehr Unterstützung für PädagogInnen: ErzieherInnen und Lehrkräfte bräuchten mehr Zeit, um sich fortzubilden, mit KollegInnen und Behörden auszutauschen sowie Betroffene zu beraten, so GEW-Chefin Tepe. Deshalb müssten deutlich mehr Lehrkräfte als bisher ausgebildet und eingestellt werden, insbesondere mit der Zusatzqualifikation Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache. Der Bund sei gefordert, die Länder noch stärker zu unterstützen.

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