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CoronapandemieKitas sind systemrelevant!

Seit Jahresbeginn kämpft ein Volksbegehren in Sachsen-Anhalt für eine bessere Personalausstattung an Schulen. Doch nun droht die Corona-Pandemie, dem Bündnis um die GEW einen Strich durch die Rechnung zu machen.

08.06.2020 - Björn Köhler, GEW-Vorstandsmitglied Jugendhilfe und Sozialarbeit

Die Corona-Krise zeigt deutlich, wie wichtig die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher für Kinder, Familien und unsere ganze Gesellschaft ist: Neben der Frage, wer Kinder betreut, wenn Eltern arbeiten gehen, rückt zunehmend auch in den Blick, wie wichtig gute Angebote für Kinder und deren Entwicklung sind.

Nachdem der erste Schock des Lockdown verarbeitet war, füllten sich die Kommentarspalten der Medien zunehmend mit der Forderung, Kitas wieder zu öffnen. Expertinnen und Eltern forderten gleichermaßen, Kindern wieder zu ermöglichen, in den Kitas ihre Freunde zu treffen, gemeinsam zu spielen und zu lernen. Viele Fachleute und auch die Fachkräfte sehen die Gefahr, dass sich Kinder nicht angemessen entfalten und entwickeln können, wenn sie isoliert zu Hause sitzen müssen und keine gemeinsamen pädagogischen Angebote wahrnehmen können. Für die Fachkräfte, die Gesellschaft und die GEW bedeutet das einen Spagat und ein sorgsames Abwägen zwischen Gesundheitsschutz, pädagogischem Anspruch sowie den Rechten von Kindern und Familien.

Gleichzeitig zeigt sich so in der Krise aber auch, welche Bedeutung die frühkindliche Bildung mittlerweile hat. Ist sie nicht da, fehlt vielen, vor allem den Kindern, etwas Entscheidendes. Gerade der Lockdown und die Schließung von Kitas zeigen der Gesellschaft schmerzlich, was Erzieherinnen und Erzieher leisten und wie wichtig gute Angebote für Kinder sind.

Auch wenn die Pandemie und ihre Auswirkungen schrecklich sind – es wird deutlich: Kitas sind systemrelevant! Vor allem für die kindliche Entwicklung, für Familien, nicht zuletzt aber auch für die Wirtschaft und unsere ganze Gesellschaft. Aktuell zeigt sich, wie wichtig verlässliche Betreuungsangebote für berufstätige Eltern sind. Auch wenn für uns als Pädagoginnen und Pädagogen oft der Bildungsgedanke vorrangig ist, darf nicht verdrängt werden, dass Kitas einen aktiven Beitrag für mehr Geschlechtergerechtigkeit in unserer Gesellschaft leisten.

Wie schaffen wir Qualität?

Worüber wir reden müssen, ist die Qualität in der Kita. Schon vor Corona gab es einen erheblichen Fachkräftemangel, der sich jetzt, da Kitas wieder öffnen und Kinder und Familien umso mehr eine gute Begleitung brauchen, noch deutlicher zeigen wird. In der Kita werden Kinder nicht nur betreut, sie erhalten vor allem Bildungsangebote, die wichtige Grundlagen für das weitere Leben legen. Gleichzeitig zeigt der Ruf nach Öffnung der Kitas auch, dass es Eltern um eine gute Qualität in der frühkindlichen Bildung geht und wie wichtig der Kontakt ihrer Kinder zu den Bezugspersonen in der Kita ist.

Deshalb müssen wir darüber sprechen, was das in Zukunft für unsere Arbeit heißt. Beschäftigte, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, brauchen gute Bedingungen, damit sie das leisten können, was die Gesellschaft von ihnen erwartet, und damit der Beruf für den Nachwuchs attraktiv wird. Dazu gehört auch eine gute, fundierte Ausbildung auf höchstem Niveau. Es muss endlich Schluss sein mit Debatten, die Ausbildung zu verkürzen, um den Fachkräftemangel schneller zu reduzieren und die Betreuungskapazitäten zu erhöhen. Die Politik muss endlich Antworten finden auf die Frage: Wie schaffen wir Qualität in den Kitas, und wie finanzieren wir diese?

Ich wünsche mir, dass sich Politikerinnen und Politiker, Eltern und Wirtschaftsvertreter, aber auch die Fachkräfte nach der Corona-Pandemie daran erinnern, welche Diskussionen es um die Kita-Öffnungen gab. Dann können wir mit gutem Gewissen sagen: „Wir sind systemrelevant und wir brauchen gute Arbeitsbedingungen!“ – und gemeinsam dafür eintreten.

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