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Monatsbericht zur Corona-Kita-StudieKinder sind keine Infektionstreiber

Der jüngste Monatsbericht der Corona-Kita-Studie wurde von zwei Ministerien vorgestellt. Gemeinsam versicherten Franziska Giffey (SPD) und Jens Spahn (CDU): Kinder sind keine Infektionstreiber. Die GEW fordert mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz.

20.10.2020 - Jeannette Goddar

Auch wenn in Zeiten einer Pandemie jede Nachricht bald überholt sein kann: Deutschlands 56.000 Kindertagesstätten sollen trotz rasant steigender Infektionszahlen geöffnet bleiben. Das bekräftigten am Freitag, 16. Oktober, Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor der Presse. Die Schließung von Kitas und Schulen solle die „allerallerletzte Maßnahme“ sein, erklärte Giffey; im Sinne des Kinderschutzes und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollten sie „so lange wie möglich“ offengehalten werden. Jens Spahn sagte: „Kitas sind keine Infektionstreiber. Und sie sind prioritär.“

Ansteigende Corona-Infektionen führen nicht zu mehr Ausbrüchen in Kitas

GIffey und Spahn hatten den jüngsten Monatsbericht der Corona-KiTa-Studie mitgebracht, mit der Deutsches Jugendinstitut (DJI) und Robert Koch-Institut (RKI) im Auftrag der Bundesregierung die Rückkehr in den Regelbetrieb begleiten. Um möglichst aktuell zu sein, hatten sie zusätzlich die bis Montag, 12. Oktober, eingegangenen Angaben aus rund 12.000 Kitas auswerten lassen. Dabei zeigt sich: Bis jetzt führen die rasant ansteigenden Covid-19-Infektionen nicht zu mehr Ausbrüchen in den Kitas. Rund 1 Prozent der Einrichtungen melden pro Woche einen Infektions-, 10 Prozent einen Verdachtsfall. In der Summe allerdings hatte bereits jede 4. Kita mit einem Verdacht, jede 20. mit einer Infektion zu tun. „Über die Zeit betreffen diese Fälle doch viele Einrichtungen“, erklärte DJI-Projektleiterin Susanne Kuger.

Treiber der Infektion sind jedenfalls jüngere Kinder hingegen nicht. Der RKI-Experte Walter Haas bestätigte, Kinder trügen, wie vermutet, kaum zur Übertragung bei – und zwar je jünger sie sind, desto weniger. Der Anteil der Unter-5-Jährigen an allen Infektionen betrage nur 3 Prozent, obgleich sie 6 Prozent der Bevölkerung stellen. Auf Schulen lassen sich diese Erkenntnisse allerdings nur begrenzt übertragen: Ab einem Alter von 13 bis 14 Jahren gleicht sich das Infektionsgeschehen laut RKI dem von Erwachsenen allerdings an.

Wieviele Beschäftigte von Covid-19-Infektionen betroffen sind, stellt das Kita-Register nicht dar. Doch es zeigt, dass fast alle im Regelbetrieb tätig sind. „Ich möchte den Fachkräften danken, dass sie zu über 90 Prozent in der pädagogischen Arbeit am Kind arbeiten“, erklärte Giffey. Vor Ort seien zudem zahllose gute Lösungen entstanden, etwa was die Schließung kleiner Gruppen statt ganzer Einrichtungen angehe, oder auch dafür, Händewaschen zum Ritual werden zu lassen. Gute Beispiele und Praxistipps wurden in einer neuen Handreichung zusammengetragen, die Giffey ebenfalls präsentierte.

„Gerade jetzt muss der Infektions- und Arbeitsschutz verbessert werden.“ (Björn Köhler)

Die GEW fordert, die Gesundheit der Beschäftigten stärker in den Blick zu nehmen. „Immer mehr Orte werden zu Hotspots, die lokalen Infektionszahlen steigen, das wird sich auch in den Kitas bemerkbar machen. Deswegen muss gerade jetzt der Infektions- und Arbeitsschutz verbessert werden“, sagte Björn Köhler, GEW-Vorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit. Der GEW-Experte verwies auf die große Risikogruppe unter den Erzieherinnen und Erzieher. Es sei zu befürchten, dass viele trotz der rasant steigenden Infektionszahlen arbeiten gingen, um weder die Kinder noch die Kolleginnen und Kollegen nicht im Stich zu lassen. Die GEW fordert Gefährdungsbeurteilungen sowie die konsequente Umsetzung der Ergebnisse für jede Kita.

Die Corona-KiTa-Studie begleitet seit Mai und voraussichtlich bis Ende 2021 die Rückkehr in den Regelbetrieb und erforscht die Rolle von Kindern im Infektionsgeschehen. Familienministerin Giffey ruft weiterhin auf, sich daran zu beteiligen: „Mit 12.000 Einrichtungen haben wir ein repräsentatives Ergebnis. Doch je mehr mitmachen, desto besser.“

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