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KIM-Studie 2020 und Kinderreport 2021Mediennutzung bleibt in der Coronapandemie stabil

Die Coronapandemie hat laut Studie nicht dazu geführt, dass Kinder deutlich mehr im Internet unterwegs waren. Nichtsdestotrotz wünschen sich Kinder und Eltern, dass das Thema Mediensucht in der Schule behandelt wird.

19.05.2021

Trotz der besonderen Situation durch die Coronapandemie hat die Internetnutzung von Kindern im Jahr 2020 – zumindest während des Befragungszeitraumes im Herbst 2020  – nicht zugenommen. Die tägliche Internetnutzungszeit liegt bei den Sechs- bis 13-Jährigen weiterhin durchschnittlich bei 46 Minuten, wie aus der repräsentativen KIM-Studie 2020 hervorgeht. Die beliebteste Internetseite der Kinder ist YouTube, gefolgt von Google. Im frühen Herbst 2020 waren die Kinder zum größten Teil im Präsenzunterricht, drei Viertel der Schülerinnen und Schüler hatten aber Erfahrungen mit digitalem Fernunterricht gemacht.

70 Prozent sehen täglich fern

Der KIM-Studie zufolge ist das Fernsehen weiterhin die häufigste mediale Freizeitbeschäftigung von Kindern: 70 Prozent sehen täglich fern, im Durchschnitt 68 Minuten. Dabei dient Fernsehen auch der Wissensvermittlung: Die Hälfte der Sechs- bis 13-Jährigen sehen sich Wissensformate an, 27 Prozent Nachrichtensendungen.

Streamingdienste werden immer verbreiteter: 44 Prozent der Haushalte mit Kindern haben ein entsprechendes Abo. Die erstmals erhobene Nutzungsdauer zeigt mit durchschnittlich 24 Minuten, dass Netflix & Co. einen festen Platz im Medienalltag von Kindern einnehmen.

Das Internet nutzen 71 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen – bei den Sechs- bis Siebenjährigen sind es nur ein Drittel, bei den Zwölf- bis 13-Jährigen mit 97 Prozent nahezu alle. Beliebt sind WhatsApp, Suchmaschinen, Filme und Videos sowie YouTube.

Die Studienreihe KIM (Kindheit, Internet, Medien) wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk durchgeführt. Für die jüngste Auswertung wurden rund 1.200 Kinder und deren Haupterzieherinnen und -erzieher vom 31. August bis zum 14. Oktober 2020 zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. 

Stärker über Mediensucht informieren

Unterdessen legt der Kinderreport 2021 des Deutschen Kinderhilfswerkes einen Schwerpunkt auf das Thema Mediensucht. Die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen gibt an, dass sie selbst oder Freunde in ihrem Umfeld Erfahrungen mit Mediensucht gemacht hätten. Eine deutliche Mehrheit der Kinder und Jugendlichen sowie Erwachsenen wünscht sich eine stärkere Aufklärung über Mediensucht in der Schule (90 bzw. 95 Prozent). Ein komplettes Verbot von Smartphones für Kinder unter 14 Jahren wird jedoch nur von einem geringeren Anteil der befragten Kinder und Erwachsenen befürwortet (17 bzw. 20 Prozent).  

Eine Hauptverantwortung zur Vermeidung bzw. Eindämmung von Mediensucht sehen die Befragten neben der Familie (94 bzw. 93 Prozent) und den Nutzerinnen und Nutzern selbst (jeweils 90 Prozent) vor allem bei den Anbietern von Medienangeboten (80 bzw. 81 Prozent). Ein akutes Defizit wird in der Verfügbarkeit von Beratungs- und Hilfsangeboten für betroffene Kinder und ihre Familien ausgemacht (77 bzw. 82 Prozent).

Als hauptsächliche Anzeichen für Mediensucht werden mit 92 bzw. 88 Prozent der Verlust von Kontrolle über das eigene Medienverhalten sowie mit 91 bzw. 86 Prozent die Vernachlässigung anderer Lebensbereiche (Arbeit, Schule) zugunsten der Mediennutzung angesehen.

„Damit dies gelingt, brauchen wir Lehrkräfte, die selbst fit im Umgang mit Medien sind, und Schulen, die über funktionierende und leistungsfähige Ausstattungen verfügen und ihren Lehrkräften Weiterbildungen ermöglichen.“ (Thomas Krüger)

Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger, sagte, schon in der Schule solle allen Kindern der Umgang mit Medien vermittelt werden. „Aus kinderrechtlicher Sicht müssen dabei Chancen und Risiken der Mediennutzung gleichberechtigt thematisiert werden. Damit dies gelingt, brauchen wir Lehrkräfte, die selbst fit im Umgang mit Medien sind, und Schulen, die über funktionierende und leistungsfähige Ausstattungen verfügen und ihren Lehrkräften Weiterbildungen ermöglichen.“

Für den Kinderreport 2021 führte das Politikforschungsinstitut Kantar Public zwei Umfragen, eine unter Kindern und Jugendlichen (10- bis 17-Jährige) und eine unter Erwachsenen (ab 18-Jährige), in Deutschland durch. Befragt wurden 1.692 Personen, davon 669 Kinder und Jugendliche.