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„Kampf gegen eine Kultur der unbedingten Zielerreichung“

Strenge Anforderungen an sich selbst überfordern Studierende zunehmend. „Die Angst vor dem Abweichen von verinnerlichten Leistungsidealen ist in den Köpfen tief verwurzelt“, sagt der psychologischer Psychotherapeut Wilfried Schumann.

04.12.2017

Die Zahl überforderter Studierender steigt nach Ansicht von Experten seit Jahren kontinuierlich an. „Bologna hat den Leistungsaspekt im Studium in den Vordergrund gerückt. Punkte und Noten sind heute an der Hochschule die entscheidende Währung“, sagt der Diplompsychologe und Leiter des Psychologischen Beratungsservices von Universität und Studentenwerk Oldenburg, Wilfried Schumann, im „E&W“-Interview. „Viele Schülerinnen, Schüler und Studierende haben ein Selbstbild verinnerlicht, das vor allem von dem Ziel geprägt ist, schnell und effektiv zu sein.“

Eines der Standardthemen in der Beratung sei die Angst, die Regelstudienzeit zu überziehen. „Wir versuchen dann, die Individualität deutlich zu machen, die eben auch zu Lernprozessen gehört. Und weisen darauf hin, dass die berufliche Perspektive für Akademikerinnen und Akademiker derzeit ausgezeichnet ist, auch mit einem oder zwei Semestern mehr“, erklärte Schumann. In der Beratungsarbeit gehe es darum, den Leistungsdruck zu hinterfragen und zu relativieren. „Das ist ein richtiger Kampf gegen eine Kultur der unbedingten Zielerreichung.“

Das komplette Interview von Armin Himmelrath ist in der Dezemberausgabe der „E&W“ abgedruckt.

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