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Kampagne der BildungsinternationaleKlimawandel stoppen, Klimabildung fördern

Bildung kann ein mächtiges Mittel gegen den Klimawandel sein. Die Bildungsinternationale hat deshalb die Kampagne „Teach4ThePlanet" gestartet. Klimabildung soll beim kommenden COP26-Klimagipfel in Glasgow auf die Agenda.

17.05.2021 - Ansgar Warner

Klimabildung ist ein Teil der Antwort, wenn der Klimawandel gestoppt werden soll. Das wurde schon 1992 in Rio de Janeiro auf dem ersten UN-Klimagipfel betont. Doch bis heute haben die Regierungen vieler Länder nicht geliefert - trotz vielfältiger Anstrengungen von Lehrenden, Lernenden und ihrer Gewerkschaften. Qualitativ hochwertige Klimabildung ("Quality Climate Change Education") spielt vielerorts nur eine untergeordnete Rolle in Lehrplänen und der Ausbildung von Lehrkräften. Und auch praktisch gibt es Mängel: Schulen und Hochschulen als Institutionen sind weder klimaneutral noch klimaresilient, d.h. nicht gegen Klimafolgen gewappnet.

Klimakompetenz braucht Klimabildung

Einen Tag vor US-Präsident Joe Bidens virtuellem Klimagipfel mit 40 Regierungschefs und sechs Monate vor dem COP26-Klimagipfel in Glasgow brachte die Bildungsinternationale (BI) am 22. April ("Earth Day") auf einem eigenen Online-Gipfel Lehrkräfte und Pädagog:innen weltweit zusammen.

Schulen bleiben vom Klimawandel nicht verschont, betonte die BI-Vorsitzende Susan Hopgood bei der Eröffnung des Online-Gipfels. Extreme Wetterereignisse führten mancherorts direkt zur Zerstörung von Infrastruktur. Dagegen setzt die BI das Instrument Klimabildung. Diese gäbe Schülerinnen und Schülern die Fähigkeit und das Wissen, um sich zu engagieren, einzugreifen und eine lebenswertere Welt zu gestalten, so Hopgood. Das Ziel der Bildungsinternationale sei deshalb: Klimabildung und Klimakompetenz für alle.

Auf der Konferenz wurde das Manifest „Für eine hochwertige Klimabildung für alle“ veröffentlicht. Klimabildung müsse Teil der staatlichen Selbstverpflichtungen auf dem COP26-Klimagipfel in Glasgow sein, fasste BI-Generalsekretär David Edwards die zentrale Forderung zusammen.

Klimawandel gefährdet Bildungs- und Entwicklungsziele

Wie schlechtes Klimamanagement auf das Bildungswesen durchschlägt, führte während der dreistündigen Online-Konferenz etwa Gifty Apanbil von der ghanaischen Bildungsgewerkschaft Ghana National Association of Teachers vor Augen. Afrika sei als stark landwirtschaftlich geprägter Kontinent besonders empfindlich für Klimaveränderungen: Trockenheit, Dürre und Ernteausfälle gefährden die Lebensgrundlage der Menschen direkt und verschlechtern damit auch die Bildungschancen. Umso wichtiger sei die Lobbyarbeit der Bildungsgewerkschaften, um das Thema Klima in Lehrplänen zu verankern und in die Schulbücher zu bringen -- und zwar gendersensitiv, siehe die wichtige regionale Rolle von Frauen als Landwirtinnen.

Schulen als „Change Agent“

Dass Schulen ein wichtiger "Change Agent" sind, betonte auch Liam Rutherford (NZEI Te Riu Roa, Neuseeland): Umweltbildung habe Auswirkungen auf die Umgebung, wenn die Schule mit gutem Beispiel vorangeht - also selbst klimaneutral wird und Recycling betreibt. Damit würden sie einen Betrag dazu leisten, die Regionalwirtschaft zu dekarbonisieren. Der Klimawandel sei zudem ein soziales Thema, mit dem Gewerkschaften Arbeitnehmer:innen mobilisieren könne –  dabei gehe es um die Frage: Wie gelingt ein gerechter Übergang in eine nachhaltige Gesellschaft?

Best-Practice-Beispiele für Klimabildung

In manchen Ländern ist Klimabildung bereits seit längerem Teil der Lehrpläne, wie etwa Rossella Benedetti (UIL Scuola, Italien) oder Younes Firachine (SNE-CDT, Marokko) berichteten. Eine Herausforderung bleibt aber oft die Ausbildung der Lehrkräfte in Sachen Klimabildung. Zudem müssten Klimaaspekte auch stärker in der beruflichen Bildung verankert werden.

Warum "Klimakompetenz" auch eine politische Bedeutung hat, zeigte Michelle Codrington-Rogers (NASUWT, Großbritannien): Ihr Job als Lehrerin bestehe darin, professionelle "Troublemaker" auszubilden, aktiv engagierte Bürgerinnen und Bürger für die Welt von morgen. Um den Klimawandel zu bekämpfen, müsse die Schule auch ein Ort des Widerstands gegen den Vorrang der Wirtschaft sein.

Klimabildung muss immer faktenbasiert sein, betonte zugleich Kathy Dorman (American Federation of Teachers, USA). Ihre Schülerinnen und Schüler würden deswegen lernen, was wissenschaftliche Informationen sind und wie sich diese von Fake-News in den sozialen Medien unterscheiden lassen.

Bildung und Demokratie sind untrennbar

Der BI-Generalsekretär Edwards unterstrich zum Abschluss der Konferenz: Es gehe nicht mehr darum, weitere Beweise für den Klimawandel zu suchen oder technische Möglichkeiten zu erforschen – sondern um den politischen Willen zur Veränderung. Klimabildung sei letztlich auch eine Lektion in Demokratie: "Vom Rand der Klimakatastrophe bringt uns nur das Handeln der Regierungen zurück, die wiederum angetrieben werden durch den Willen der Bevölkerung." Die breite Beteiligung an der Kampagne "Teach4theplanet" sei deshalb besonders wichtig.