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Iran: Freiheit für inhaftierte Gewerkschafter!

Die Freude über die wiedergewonnene Freiheit war nur kurz. Nach elf Tagen Hafturlaub musste der Lehrer Esmail Abdi zurück ins Gefängnis. Er ist nicht der einzige Gewerkschafter, der im Iran zu langjährigen Haftstrafen verurteilt ist.

09.02.2018 - Manfred Brinkmann

Extreme Haftbedingungen im Evin-Gefängnis
Der Vorsitzende der Teheraner Lehrergewerkschaft, Esmail Abdi, der 2016 zu einer sechsjährigen Gefängnisstrafe wegen Durchführung von Versammlungen und konspirativer Arbeit gegen die nationale Sicherheit verurteilt worden war, ist wieder in Haft. Nach nur elf Tagen Freigang wurde er am 20. Januar 2018 erneut festgenommen und  in das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran zurückgebracht. Ungeachtet staatlicher Repression kommt es im Iran immer wieder zu öffentlichen Protesten von Lehrkräften gegen schlechte Bezahlung und für bessere Arbeitsbedingungen. Abdi wird vom Regime im Iran wegen seines Einsatzes für die Rechte der Lehrer und für kostenlose öffentliche Bildung verfolgt. Trotz seines schlechten Gesundheitszustands aufgrund der harten Haftbedingungen wurde sein Hafturlaub nicht verlängert. Abdi war 2015 erstmalig inhaftiert worden, um die Teilnahme als Delegierter seiner Gewerkschaft am Weltkongress der Bildungsinternationale im kanadischen Ottawa zu verhindern.  

Gewerkschafter werden regelmäßig kriminalisiert
Abdi ist nicht der einzige Gewerkschafter, der im Iran politisch verfolgt und kriminalisiert wird. Reza Shahabi, Vorstandsmitglied der Teheraner Busfahrergewerkschaft, wurde im Juni 2010 zu sechs Jahren Gefängnis wegen angeblicher Propaganda gegen das Regime verurteilt. Im Gefängnis wurde er körperlich schwer misshandelt und erlitt Nacken- und Wirbelsäulenverletzungen. Nach vier Jahren wurde er im Oktober 2014 aus medizinischen Gründen entlassen. Im August 2017 musste er jedoch erneut ins Gefängnis, um seine Haftstrafe zu beenden. Davood Razavi, ein weiteres Vorstandsmitglied der Teheraner Busfahrergewerkschaft, wurde im April 2015 inhaftiert, als er eine Kundgebung zum 1. Mai vorbereitete. Im September 2015 wurde er auf Kaution freigelassen, im Januar 2016 dann jedoch wegen Absprachen und Versammlungen gegen die nationale Sicherheit zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Bäcker Mahmoud Salehi, ein Gewerkschaftsaktivist aus Saghez in der iranischen Provinz Kordestān, wurde am 29. Oktober 2017 vom iranischen Geheimdienst unter dem Vorwand verhaftet, eine einjährige Gefängnisstrafe absitzen zu müssen. Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB), die Bildungsinternationale (BI) und andere Organisationen rufen zur Solidarität mit den inhaftierten Kollegen im Iran auf und fordern vom Regime in Teheran, die Urteile aufzuheben, die Gewerkschafter freizulassen und das Recht auf Vereinigungsfreiheit zur respektieren.

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