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Immer mehr Jugendliche nehmen Nachhilfe

11.02.2016

Von 2009 bis 2013 gaben laut einer DIW-Studie 47 Prozent der befragten 17-Jährigen an, mindestens einmal Nachhilfe genommen zu haben - das sind rund 20 Prozentpunkte mehr als vor etwa 15 Jahren.

Insgesamt nahmen im Jahr 2013 13 Prozent aller SchülerInnen innerhalb der vorangegangenen sechs Monate Nachhilfe: In den Grundschulklassen waren es durchschnittlich 6 Prozent, in der Sekundarstufe I 18 Prozent. Das geht aus einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Während es früher Jugendliche aus den einkommensstärksten Haushalten waren, die am häufigsten Nachhilfe bekamen, ist dieser Anteil heute in Haushalten mit mittleren Einkommen am höchsten. Außerdem ist die Nutzung von Nachhilfeangeboten besonders stark in Haushalten gestiegen, die Hartz IV beziehen.

Ein Migrationshintergrund der Eltern hat hingegen inzwischen deutlich weniger Einfluss darauf, ob ein Kind Nachhilfe bekommt oder nicht. So nahmen in Familien, in denen beide Eltern einen Migrationshintergrund haben, zwischen 2000 und 2003 um die 20 Prozent der Jugendlichen mindestens einmal Nachhilfeunterricht. Bei Jugendlichen mit Eltern ohne Migrationshintergrund oder nur einem Elternteil mit Migrationshintergrund waren es etwa 30 Prozent. Dieser Unterschied war rund 15 Jahre später nicht mehr vorhanden: Nun gab fast die Hälfte aller 17-Jährigen an, bereits Nachhilfe bekommen zu haben – unabhängig vom Migrationshintergrund der Eltern. Auch die Karriere der Mutter war zuletzt weniger wichtig. Ganz gleich, ob diese Vollzeit, Teilzeit, geringfügig oder gar nicht erwerbstätig war: In jedem Fall lag der Anteil der Kinder, die Nachhilfe bekamen, bei 45 bis 50 Prozent.

Kinder aus der Mittelschicht erhalten am häufigsten Nachhilfe

Besonders deutlich sind die abnehmenden Unterschiede mit Blick auf das Haushaltseinkommen: In Haushalten mit mittleren Einkommen hat sich der Anteil der NachhilfeschülerInnen von 26 auf 59 Prozent mehr als verdoppelt und ist inzwischen größer als bei den Haushalten mit den höchsten Einkommen. Kinder aus Haushalten, die Arbeitslosengeld II erhalten, bekommen zu 31 Prozent Nachhilfe - zwischen 2000 und 2003 waren es rund 12 Prozent. Da Kinder aus finanziell schlechter gestellten Haushalten aber in der Regel seltener bezahlte Nachhilfe bekommen, lassen sich Bildungsungleichheiten laut DIW auf diesem Wege kaum reduzieren.

Die GEW ist nicht grundsätzlich gegen Nachhilfe, fordert jedoch ein öffentliches und für alle Kinder zugängliches Schulwesen als elementare Säule einer demokratischen Gesellschaft. Dabei ist klar: Nur wenn die öffentlichen Schulen flächendeckend zu guten integrativen Ganztagsschulen ausgebaut werden, die alle Kinder individuell und bestmöglich fördern, wird der private Bildungsmarkt überflüssig. Die Gewerkschaft warnt: Wenn die Bereiche Privatschulen und Nachhilfe wachsen – unterstützt von einer starken Wirtschaftslobby und kommerziellen Interessen – droht die soziale Spaltung in unserer Gesellschaft weiter zuzunehmen.

Bereits 2007 gaben Deutschlands Eltern laut GEW-Privatisierungsreport geschätzte zwei Milliarden Euro jährlich für Nachhilfe aus. Private Nachhilfelehrer deckten dabei bundesweit drei Viertel des Marktes ab. Um das übrige Viertel konkurrierten Unternehmen.

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