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ILO-Weltkonferenz gegen Kinderarbeit

Bildung ist der Schlüssel zur Überwindung von Kinderarbeit. Dies ist eine der zentralen Botschaften der Weltkonferenz gegen Kinderarbeit vom 14. bis 16. November 2017 in Buenos Aires.

19.11.2017 - Manfred Brinkmann

Kinderarbeit bis 2025 beenden

Die ILO schätzt, dass weltweit 152 Millionen Kinder arbeiten müssen. Rund siebzig Prozent dieser Kinder sind in der Landwirtschaft tätig, überwiegend im informellen Sektor und in Familienbetrieben, die oft von der Mitarbeit der Kinder abhängen. Kinderarbeit ist zugleich Ursache und Folge von Armut, Ungleichheit, Diskriminierung, sozialem Ausschluss und fehlendem Zugang zu Bildung, wie in der ‚Buenos Aires Erklärung‘, dem Abschlussdokument der ‚Vierten Globalen Konferenz zur nachhaltigen Beseitigung von Kinderarbeit‘, festgehalten wird. Nach Oslo (1997), Den Haag (2010) und Brasilia (2013) waren Mitte November 2017 erneut rund tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 193 Staaten auf Einladung der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der argentinischen Regierung in Buenos Aires zusammengekommen, um ihren Willen zur Beseitigung der  Kinderarbeit zu bekräftigen. In der gemeinsamen Erklärung verpflichteten sich die VertreterInnen von Regierungen, Arbeitgebern, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 weltweit zu beenden. Dazu gehöre insbesondere der Ausbau sozialer Sicherungssysteme und der Zugang zu universeller, ganzheitlicher, guter, öffentlicher und kostenfreier  Grund- und Sekundarbildung, wie in der Abschlusserklärung festgehalten wird.

„Wo Mädchen und Jungen die Möglichkeit zum Schulbesuch haben, vermindert dies das Risiko der Kinderarbeit erheblich.“ (Guy Ryder)

Der ehemalige Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB) und jetzige Generaldirektor der ILO, Guy Ryder, forderte verstärkte Initiativen der Weltgemeinschaft, um Kinderarbeit wirksam und nachhaltig zu beseitigen. Zwar sei die Zahl arbeitender Kinder in den letzten zwanzig Jahren um 100 Millionen gesunken, allerdings habe sich ihr Rückgang in jüngster Zeit verlangsamt. Dazu beigetragen habe nicht zuletzt das beispiellose Ausmaß an weltweiter Migration und Vertreibung. Zudem gebe es große regionale Unterschiede. Während Lateinamerika kontinuierliche Fortschritte verzeichnen könne, sei die Situation in Afrika weiter problematisch. Ryder betonte die Aufgabe des Staates bei der Durchsetzung der ILO Konventionen gegen Kinderarbeit und unterstrich die Bedeutung von Bildung: „Wo Mädchen und Jungen die Möglichkeit zum Schulbesuch haben, vermindert dies das Risiko der Kinderarbeit erheblich.“  Außerdem betonte er die Notwendigkeit menschenwürdiger Arbeit für Erwachsene und forderte verstärkte Inspektionen der Arbeitsaufsichtsbehörden.

Nicht allein ein Problem armer Länder

Dass Kinderarbeit nicht nur ein Problem armer Entwicklungsländer ist, sondern auch reicher Staaten des Nordens, machte Norma Flora Lopez von der US-amerikanischen ‚Child Labour Coalition‘  mit eigenen biografischen Berichten deutlich. Die in den USA geborene Tochter mexikanischer Einwanderer musste ihren Eltern als Kind bei der Ernte von Zwiebeln, Kartoffeln und Tabak helfen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. „Wir haben bis zu zwölf Stunden täglich auf den Farmen gearbeitet, sieben Tage die Woche. Die Arbeitsbedingungen waren hart. Oft waren wir ungeschützt dem Einsatz von Pestiziden ausgesetzt – Medizin für die Pflanzen, wie uns Kindern erklärt wurde.“ Norma berichtete auch von menschenunwürdigen Unterkünften für die Farmarbeiter und vom alltäglichen weißen Rassismus gegenüber den dunkelhäutigen, mexikanischen Arbeitsmigranten. Nach ihrer Aussage gibt es in den USA heute noch bis zu 500.000 arbeitende Kinder. Der Inder Kailash Satyarthi, für sein jahrzehntelanges Engagement gegen Kinderarbeit 2014 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, äußerte zum Abschluss in Buenos Aires die Hoffnung, dass es in Zukunft keiner weiteren Weltkonferenz gegen Kinderarbeit mehr bedarf: „Wenn wir noch einmal zusammenkommen, dann um das Ende der Kinderarbeit zu feiern.“

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