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IGLU/TIMSS: Grundschulleistungen mit Licht und Schatten

Die gute Nachricht: Viertklässler in Deutschland zeigen im internationalen Vergleich überdurchschnittliche Leistungen in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften. Die schlechte Nachricht: In der Tendenz gehen die Leistungskurven nach unten, die Zahl der Risikoschüler hat gegenüber 2006 zugenommen. Zu diesen Ergebnissen kommen die aktuell in Berlin vorgestellten Lese- und Mathematik-Vergleichsstudien IGLU und TIMSS.

11.12.2012

Für die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) und die Trends in International Mathematics and Science Study (TIMSS) 2011 wurden unter Federführung des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund die Leistungen von bundesweit rund 4000 Viertklässlern an knapp 200 Schulen ermittelt und mit denen Gleichaltriger aus 44 (IGLU) bzw. 49 (TIMSS) weiteren Staaten verglichen. Bei den Ergebnissen landeten die Kinder, die an deutschen Grundschulen lernten, im oberen Drittel.

Der wissenschaftliche Leiter der Studien, Wilfried Bos, erklärte, gegenüber den letzten Untersuchungen habe die gute Position gehalten werden können. Allerdings gebe es auch deutliche Anteile von Kindern, die in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften so schlecht seien, dass sie in der Sekundarstufe I Probleme bekommen dürften. Außerdem gebe es im internationalen Vergleich teils weniger Kinder in der obersten Kompetenzstufe. Dies sei Anlass zur Sorge. "Wir vergeuden unsere Talente", so Bos.

GEW: Ergebnisse nicht schönreden

Die GEW warnte angesichts der fast uneingeschränkt positiven Reaktionen der Kultusminister diese davor, die Ergebnisse schönzureden: "Bereits seit einigen Jahren gibt es deutliche Anzeichen, dass die Grundschulen durch die Vielzahl schlecht vorbereiteter 'Reformmaßnahmen' in ihrer positiven Entwicklung gestört worden sind. Jetzt zeigt sich, dass der positive Trend von 2006 nicht fortgesetzt und in der Lesekompetenz nicht einmal gehalten werden kann“, sagte Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule und stellvertretende Vorsitzende.

Im Lesen seien die Leistungen der Kinder auf den Stand von 2001 gesunken. In Mathematik und Naturwissenschaften konnten die Ergebnisse von 2007 gehalten werden. "Dass die Grundschulen immer noch deutlich besser dastehen als die weiterführenden Schulen darf nicht als Beruhigungspille verabreicht werden“, betonte Demmer.

Als Alarmsignal wertete sie, dass der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit schwachen Leistungen unter Kompetenzstufe III gegenüber 2006 wieder angewachsen sei: auf 15,4 Prozent gegenüber 13,2 Prozent. Gleichzeitig sei der Anteil der Spitzenleser von 10,8 auf 9,5 Prozent in 2011 gesunken.

"Die Kultusminister haben vor allem mit ihrer Testeritis aufs falsche Pferd gesetzt“, unterstrich die Schulexpertin und forderte, künftig auf die umstrittenen verpflichtenden Vergleichsarbeiten für Drittklässler zu verzichten. Die Tests müssten zu einem Instrument der freiwilligen Selbstevaluation entwickelt werden, das Schulen und Lehrkräfte flexibel nach ihren Fragestellungen und Bedürfnissen einsetzen könnten. Zudem, so Demmer, sei es notwendig, in Lehrerfortbildung und individuelle Unterstützungsmaßnahmen für schwächere Schülerinnen und Schüler zu investieren.

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