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IGLU-E: Deutschlands Grundschüler haben gute Lesenoten - aber schlechte Aussichten

Die insgesamt guten Leseleistungen, die den Erst- bis Viertklässlern bei der Veröffentlichung des IGLU-Bundesländervergleichs heute in Berlin bescheinigt wurden, liefern wenig neue Antworten und lassen den Ruf nach Taten laut werden.

09.12.2008

Die 2006 durchgeführte Internationale Grundschul-Lese-Studie bescheinigt den Grundschulen gute Arbeit bei der Vermittlung von Lesekompetenzen,. Fast alle Bundesländer lagen leistungsmäßig im internationalen Vergleich über dem Durchschnitt, zum Teil konnten sie sogar mit der Weltspitze mithalten.

Nicht wirklich überraschend fiel das nationale Ranking aus: Thüringens und Bayerns Schüler schnitten am Besten ab, die der Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen hatten die vergleichsweise größten Probleme in punkto Lesen und Textverständnis.

Der bereits im Rahmen der PISA-Studien konstatierte große Einfluss des sozialen Hintergrunds auf die schulischen Leistungen von Kindern in Deutschland zeigt sich auch schon in der Grundschule. IGLU-E weist nach, dass in den meisten Bundesländern das kulturelle Umfeld die Lesekompetenzen stark beeinflusst. Die migrationsbedingten Unterschiede fallen ebenfalls deutlich aus: In der Mehrzahl der Länder ist die Leistungsdifferenz zwischen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern in Deutschland geboren wurden, und denen, deren Eltern nicht in Deutschland geboren wurden, im internationalen Vergleich sehr groß.

GEW fordert Taten statt Daten

Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule erklärte, IGLU-E habe kaum neue Informationen geliefert. "Statt immer neuer Daten wollen wir endlich Taten sehen: mehr Mittel und Personal für die individuelle Förderung der Schüler und eine große Schulreform."

Demmer kritisierte vor allem die sozial höchst ungerechten Übertrittsempfehlungen für die weiterführenden Schulen in der vierten Klasse. "Arbeiterkinder", betonte Demmer, "müssen Super-Schüler sein, damit Lehrkräfte und Eltern ihnen zutrauen, das Abitur zu schaffen. Bei Akademikerkindern reichen durchschnittliche Leistungen.“ Das zeige die IGLU-Studie 2006. Die Ergebnisse seien nicht den Lehrern anzukreiden, sagte Demmer. Bei den Übergangsempfehlungen müssten diese auch Prognosen über den voraussichtlichen Schulerfolg abgeben. Bei Akademikerkindern könnten dabei die Nachhilfestunden quasi eingeplant werden, Arbeiterkinder müssten hingegen ohne individuelle Förderung klar kommen.

Die frühe Aufteilung zehnjähriger Kinder in unterschiedliche Schulformen müsse endlich aufhören, so Demmer. Die jungen Leute müssten bis zum Ende der Pflichtschulzeit miteinander und voneinander lernen können. "Wie erfolgreich das sein kann, machen die Grundschulen vor!“

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