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Reaktionen auf GEW-News„Ich fühle mich einfach nur platt“

Wie geht es den Lehrkräften bei der schrittweisen Öffnung der Schulen? In den Sozialen Medien gab es viele Reaktionen auf einen Artikel der GEW – hier die wichtigsten.

13.05.2020

Schrittweise und unter Auflagen kommt der Präsenzunterricht in den Schulen in der Bundesrepublik wieder ins Rollen. Die Schulöffnungen sollen dem von der Kultusministerkonferenz (KMK) veröffentlichtem Rahmenkonzept folgen. Die GEW sah viele positive Ansätze im Konzept der KMK. Aber wie sehr belastet diese neue Situation die Lehrkräfte wirklich? Nach der Veröffentlichung des Artikels „Und die Lehrkräfte?“ haben sich viele Pädagoginnen und Pädagogen in den Sozialen Medien zu Wort gemeldet. Hier die wichtigsten Reaktionen.

„Ich fühle mich nach 8 Wochen intensivem Einsatz im digitalen Fernunterricht mit täglichem Online-Unterricht (…) und unzähligen Fortbildungen im Bereich digitales Lernen in Eigenregie gerade einfach nur platt“, schildert ein Nutzer auf Facebook sinnbildlich für die enorme Belastung der Lehrkräfte an Schulen. Schon vor einer Woche hatte GEW Vorsitzende Marlis Tepe befürchtet, dass die Belastung für die Lehrkräfte an Schulen hoch ausfallen würde. Das gilt besonders für pädagogische Fachkräfte an Gesamtschulen. Sie beschweren sich darüber, dass ihre Berufsgruppe vernachlässigt wird: „Zwar sind nachmittags nur noch die Hälfte der Kinder in der Schule, allerdings könnte das je nach Schulgröße bis zu 100 Kinder sein“, schreibt  eine Nutzerin auf Facebook.

Nicht nur die Lehrkräfte leiden unter der hohen Belastung. Eine Kommentarorin weist darauf hin, dass auch die Schulassistentinnen und -assistenten unter der immensen Beanspruchung leiden: „Und was erst ist mit der Belastung der Schulassistent*innen, die zuvor nicht selten als i. d. R. Nichtfachkräfte missachtet wurden und man sich nun plötzlich an sie erinnert: Als Privatlehrerersatz in der Homeschooling-Begleitung oder mit an der „Front“, in Notgruppen und nun nach den Öffnungen, wohlbemerkt zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit teils schwerer und mehrfacher Behinderung, die noch traumatisierenderen Umständen ausgesetzt sind?!“

„Wie kann man von einem Hygienekonzept sprechen, wenn im Eingang einer aus mehreren Gebäuden bestehenden Schule jeweils ein Stuhl mit einer Sprühflasche Desinfektionsmittel plus einem Stapel loser Papierhandtücher steht.“

Dass die Umsetzung zur Erfüllung der Hygienestandards Zeit braucht, verdeutlicht eine Lehrkraft mit einem Beispiel an ihrer Schule: „Wie kann man von einem Hygienekonzept sprechen, wenn im Eingang einer aus mehreren Gebäuden bestehenden Schule jeweils ein Stuhl mit einer Sprühflasche Desinfektionsmittel plus einem Stapel loser Papierhandtücher steht. In den Klassenräumen wird die Sprühflasche Desinfektionsmittel dann von einer Pumpflasche handelsüblicher Seife abgelöst und ebenfalls einem Stapel loser Papierhandtücher.“

Ein noch deutlicheres Beispiel beschreibt eine Lehrkraft aus Bayern. Laut des bayerischen Kultusministeriums habe er nur zwei Tage Zeit gehabt, die Rückkehr seiner Berufsschulstufenklasse in den Präsenzunterricht an das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung zu organisieren. Viele der Schülerinnen und Schüler gehörten selbst zur Risikogruppe, die meisten benötigten Assistenz bei alltäglichen Verrichtungen und der Pflege. An ein Einhalten der Mindestabstände sei nicht zu denken, so der Nutzer auf Facebook.

Schutzkleidung zum Eigenschutz, so der Lehrer weiter, sehe das Kultusministerium nicht vor, erwähne aber, dass man Schutzmasken tragen könne, wenn man es für nötig halte. Einen Schutz vor einer Infektion würde in dem Fall aber nur medizinisches Material (Masken mit FFP-Zertifizierung, Augenschutz) bieten. Kritik gibt es neben den nicht erfüllten Hygienestandards auch für die Öffnungsregelungen. Laut eines Users sei in Rheinland-Pfalz die Öffnungsregelung für die Förderschulen Ganzheitliche Entwicklung und Motorik nicht geklärt.

„Da stellt man sich schon die Frage, wie soll das weiter gehen...?“

In vielen Kommentaren wird eine allgemeine Unsicherheit deutlich. Viele Lehrkräfte gehören zur Risikogruppe. Eine Lehrkraft kommentiert ihr Lage: „Bei uns bleiben von einem zwölfköpfigen Team nach den Regelungen für Baden-Württemberg gerade Mal vier Kollegen plus Rektorin übrig, alle anderen gehören zur Risikogruppe. Da stellt man sich schon die Frage, wie soll das weiter gehen...?“

Einige Nutzerinnen haben sich auch mit der Zukunft des Lehrberufs beschäftigt und fordern die Entschlackung des Lehrplans. „Das würde den Druck von den Lehrer*innen nehmen sowie auch den Kindern, die nach den ganzen Wochen hinterherhängen, die Möglichkeit geben, im Stoff weiter bzw. wieder mitzukommen.“

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