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Hochschulen in Deutschland weiter unterfinanziert

Die Finanzierung der Hochschulen kann mit der steigenden Zahl von Studierenden nicht mithalten. Vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und NRW müssten laut einer Studie mehr investieren.

01.12.2016

Deutschlands Hochschulen sind weiter unterfinanziert. Zwar stehen mehr Mittel als noch vor zehn Jahren zur Verfügung, gemessen an der steigenden Zahl der Studierenden ist das aber immer noch zu wenig, wie eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt.

Die laufenden Grundmittel etwa für Personal, Verwaltung oder Gebäude beliefen sich 2013 auf 18,3 Milliarden Euro und stiegen damit seit 2004 bundesweit betrachtet um 29 Prozent. Die Zuwächse waren in den einzelnen Ländern unterschiedlich: Am größten waren sie in Hamburg (+85 Prozent), Baden-Württemberg (+51 Prozent) und Hessen (+50 Prozent), am geringsten in Sachsen (+6 Prozent), Thüringen (+18 Prozent) und Bremen (+19 Prozent). Das einzige Land, das weniger für seine Hochschulen ausgab, war Berlin mit einem Minus von 9 Prozent.

Da die Studierendenschaft in zehn Jahren jedoch um 28 Prozent gestiegen ist, wuchsen die Ausgaben pro Student nur um 1 Prozent. Das entspricht im Durchschnitt der Länder einem Plus von 55 Euro auf 7.323 Euro im Jahr 2013. In Baden-Württemberg, Berlin, NRW, dem Saarland und Schleswig-Holstein wurde sogar weniger Geld pro Studierendem ausgegeben als zehn Jahre zuvor. Berücksichtigt man Inflation und höhere Personalkosten, sanken die Hochschulausgaben pro Student im Schnitt sogar um 12 Prozent. Nur in Brandenburg, Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz wurde real mehr ausgegeben als 2004.

Insgesamt flossen im Jahr 2013 rund 33,6 Milliarden Euro in das Hochschulsystem. Davon gingen 29,4 Milliarden Euro direkt an die Hochschulen, 4,2 Milliarden Euro in die Förderung von Studierenden und Wissenschaftlern. 94,5 Prozent dieser Mittel stammten aus öffentlichen Kassen. Dass die Hochschulen heute über mehr laufende Grundmittel verfügen, ist zu einem guten Teil dem Bund zu verdanken: Beinahe die Hälfte des Anstiegs ging auf Zuweisungen im Rahmen des Hochschulpakts zurück.

GEW: Hochschulpakt verstetigen

Die GEW legte jüngst die Wittenberger Erklärung vor. Darin fordert sie Bund und Länder auf, eine ausreichende und nachhaltige Wissenschaftsfinanzierung aus einem Guss zu schaffen. Dazu gehöre beispielsweise eine vollständige Aufhebung des im Grundgesetz verankerten Kooperationsverbots für Bund und Länder im Bildungsbereich sowie ein Umsteuern in der Steuer- und Finanzpolitik.

Der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte Andreas Keller sagte mit Blick auf das Allzeithoch der Studierendenzahlen: "Bund und Länder müssen jetzt dafür sorgen, dass alle Studierenden anständige Studienbedingungen bekommen. Es ist höchste Zeit, den 2020 auslaufenden Hochschulpakt zu verstetigen und eine Entfristungsoffensive zu starten." Die Hochschulen müssten sich für einen langen Zeitraum auf hohe Studierendenzahlen einstellen, mit immer neuen befristeten Pakten sei den Hochschulen daher nicht geholfen.

Das Statistische Bundesamt meldete jüngst mit 2,806 Millionen für das laufende Wintersemester 2016/17 so viele Studierende wie noch nie. Die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger liegt mit 505.910 erneut über der KMK-Prognose.

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