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Hilfen für asylsuchende Studierende und Wissenschaftler

Für geflüchtete Menschen mit wissenschaftlichen Qualifikationen ist es schwierig, im hiesigen Hochschulbetrieb Fuß zu fassen. Neue Initiativen und Programme sollen die Integration erleichtern.

06.06.2016

Wie hoch die Zahl der Wissenschaftler unter den Asylsuchenden genau ist, wissen weder das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) noch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). Sicher ist jedoch: In Deutschland angekommen, haben geflüchtete Hochschullehrkräfte wenig Möglichkeiten, sich mit Fragen ihres Fachgebietes auseinanderzusetzen. Ihr Leben dreht sich um den Asylantrag, die Suche nach einer Wohnung und das Zurechtfinden in der Fremde.

Viele deutsche Hochschulen arbeiten am Ausbau ihrer Hilfen für asylsuchende Studierende und Wissenschaftler. Die Philipp-Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt Stiftung ist das erste deutsche Programm, das Stipendien für gefährdete Wissenschaftler sowie finanzielle Unterstützung für die aufnehmenden Hochschulen gewährt. Die Initiative verknüpft die Stipendienvergabe mit der Auflage an die Universitäten, Konzepte für die Aufnahme geflüchteter WissenschaftlerInnen zu entwickeln. „Wir hoffen, mit dem Projekt ein stärkeres Bewusstsein dafür zu schaffen, dass in ihren Heimatländern gefährdete Wissenschaftler eine wichtige Rolle für Hochschulen in Deutschland spielen können“, sagt die Programmverantwortliche Barbara Sheldon.

Geflüchtete "wieder als Forschende sichtbar machen"

Für die meisten Wissenschaftler bedeutet die Flucht einen Knick oder gar Bruch in ihrer Karriere. „In Deutschland angekommen sind sie nur noch geflüchtete Menschen – nicht mehr Physiker, Wirtschafts- oder Politikwissenschaftler“, stellt Merle Becker, Gründerin des Vereins „academic experience worldwide“ fest. Deshalb unterstützt der Verein zufluchtsuchende WissenschaftlerInnen aus Frankfurt, Berlin und München, indem er sie mit Studierenden vernetzt sowie Vortrags- und  Seminarreihen organisiert. „Es geht darum, sie wieder als Forschende sichtbar zu machen“, sagt Becker.

„Insbesondere für Wissenschaftler ist es wichtig, am Ball zu bleiben", fügt die Wirtschaftsprofessorin Carmen Bachmann von der Universität Leipzig hinzu. Um geflüchtete Hochschullehrkräfte mit hier lebenden KollegInnen in Kontakt zu bringen, hat ihr Team ehrenamtlich die Onlineplattform „Chance for Science" entwickelt. Bis heute haben sich 400 Interessierte angemeldet, darunter 50 Asylsuchende.

Die ganze Reportage von Michaela Ludwig mit aktuellen Erfahrungen syrischer WissenschaftlerInnen in Deutschland ist in der Juniausgabe der "E&W" abgedruckt.   

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