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Herbstakademie 2012: Ein Schutzschirm für die Weiterbildung

"Ein Schutzschirm für die Weiterbildung – Öffentliche Verantwortung statt Markt" – unter diesem Motto hatte der GEW Hauptvorstand zur Herbstakademie vom 15. bis 17. November 2012 nach Weimar eingeladen. Während der Herbstakademie der GEW haben Gewerkschaften und Experten aus Politik und Wissenschaft über das Spannungsverhältnis von öffentlicher Verantwortung und Markt diskutiert.

17.11.2012 - Dr. Stephanie Odenwald

Am Kulturzentrum "mon ami" mitten in Weimar kündete ein großes GEW-Transparent von der Herbstakademie Weiterbildung, die mit circa 85 Teilnehmer/-innen gut besucht war und zum zwölften Mal in Weimar stattfand. Der "Schutzschirm für die Weiterbildung" war das prägende Symbol im Saal und auf der gesamten Konferenz, auf der Bühne waren rote GEW-Schirme verteilt.

Mangel an öffentlicher Verantwortung für Weiterbildung ist offensichtlich

Das Symbol "Schutzschirm für Weiterbildung" haben wir nicht ungefähr gewählt. In den Zeiten der Finanzkrise ist der Schutzschirm für Banken in aller Munde. Milliarden von Euro werden von diesem kapitalistischen Irrsinn verschluckt, während die Weiterbildung und Bildung insgesamt unterfinanziert sind. Unterfinanziert und unterverantwortet, denn der Mangel an öffentlicher Verantwortung für Weiterbildung ist offensichtlich.

Verdeutlicht wurde: Ein Schutzschirm für die Weiterbildung wird aus mehreren Gründen dringend gebraucht. Zum einen haben die massiven Kürzungen der Bundesagentur für Arbeit bei den Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung zu zahlreichen Entlassungen geführt und viele Träger an den Rand des Ruins getrieben. Zum anderen gab es auch erhebliche Kürzungen der Finanzen bei der politischen Bildung beim Etat der Bundeszentrale für politische Bildung schon im letzten Jahr, vor dem Hintergrund einer ohnehin äußerst kärglichen Finanzierung der allgemeinen Weiterbildung.

Die Folgen davon sind u.a., dass sich die Volkshochschulen immer mehr durch Teilnehmerbeiträge und Projektmittel finanzieren müssen. Und dass die finanziellen Probleme letztendlich auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, sei es bei den Volkshochschulen oder bei anderen Trägern der Weiterbildung: niedrige Honorare, befristete Verträge, Tagelöhnerarbeit für hochqualifizierte Lehrkräfte, aktuell wieder zahlreiche Entlassungen, Betriebsschließungen.

Gute Arbeitsbedingungen unerlässliche Voraussetzung

Dieser unhaltbare Zustand für die Beschäftigten wurde auch in den am Beginn angekündigten Weimarer Thesen kritisiert. Gemäß dem Motto "Gute Arbeit - gute Bildung" sind gute Arbeitsbedingungen in der Weiterbildung eine unerlässliche Verpflichtung und Voraussetzung, um gute Qualität zu erzielen.

Der Erfolg der Weiterbildung ist gebunden an die Menschen, die dafür arbeiten. Ein immenser Reichtum an Erfahrung, Engagement, Können, der gewürdigt werden muss und der verloren geht, wenn Weiterbildung zusammengestrichen und vernachlässigt wird. Von daher stehen die in der Weiterbildung tätigen Menschen an erster Stelle der "Weimarer Thesen". Sie beginnen mit der Forderung nach Abbau der prekären Arbeit, fordern Zugang aller Bürger zu einer hochwertigen Weiterbildung, Abkehr von der "Projektitis", bis hin zu den Forderungen nach bundesweiten Regelungen für die Weiterbildung und entsprechender Beratung, einschließlich einer nachhaltigen Finanzierung der Weiterbildung.

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