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Hamburg: Musikschullehrer blasen Schulbehörde den Marsch

Fünf Tage dauerte der Warnstreik an der Jugendmusikschule (JMS) Hamburg, zu dem ver.di und GEW aufgerufen hatten. Die Lehrkräfte kämpfen gemeinsam mit den Gewerkschaften für eine gerechte Eingruppierung und faire Bezahlung.

14.02.2014

Seit fast zwei Jahren verhandeln ver.di und GEW mit dem Arbeitgeberverband der Freien und Hansestadt Hamburg (AVH) über einen Tarifvertrag zur Eingruppierung der Lehrkräfte an der Jugendmusikschule. Das bisher von Arbeitgeberseite vorgelegte Angebot ist nicht akzeptabel: Es sieht eine Höhergruppierung in Entgeltgruppe 10 des Tarifvertrags der Länder (TV-L) nur für einen kleinen Teil der 310 Lehrkräfte vor, der überwiegend in Gruppen ab 12 Schüler/innen unterrichtet. Wer vor allem Kleingruppen- und Einzelunterricht erteilt, soll nach dem Willen des AVH weniger verdienen.

In einem Grußwort an die Streikenden bezeichnete GEW-Vorsitzende Marlis Tepe das Arbeitgeberangebot als Affront, der deutlich mache, dass Arbeit und Engagement der Lehrkräfte nicht anerkannt würden.

Auch die hohen Qualitätsansprüche an die Arbeit der Musikpädagogen seien den Arbeitgebern wohl nicht klar, so Tepe. Es gehe ja nicht nur um Technik und Fingerfertigkeit, sondern um pädagogische Arbeit und den kulturpolitischen Auftrag, junge Menschen für Musik zu begeistern. „Eure Forderung nach einer tariflichen Regelung, durch die Lehrkräfte mindestens in die Entgeltgruppe 11 eingruppiert werden, ist daher nicht nur angemessen und gut begründet, sie ist eine schlichte Notwendigkeit“, erklärte die GEW-Vorsitzende.

Bessere Bezahlung für alle

Um deutlich zu machen, dass das Angebot der Arbeitgeber nicht hinnehmbar ist, legten die Lehrkräfte der JMS Hamburg von Montag bis Freitag unter dem Motto „Für Musik begeistern?! Was ist Hamburg musikalische Bildung wert?“ die Arbeit nieder. Ihre Forderungen:

  • Bessere Bezahlung und Eingruppierung für alle Lehrkräfte der Jugendmusikschule
  • Eingruppierung in die Entgeltgruppe 11 TV-L, Fachbereichsleitungen in Entgeltgruppe 12 TV-L, Stadtbereichsleitungen in Entgeltgruppe 13 TV-L

Unterstützung durch Eltern

Viel Unterstützung erhielten die Lehrkräfte von den Eltern der Musikschüler, die vorab über den Unterrichtsausfall informiert worden waren. Am Donnerstag konnten die Streikenden mehr als 500 Solidaritätskarten übergeben, die an die Schulbehörde mit Senator Thies Rabe (SPD) an der Spitze adressiert waren (siehe detaillierter Bericht unten).

Anschließend bedankten sich die Lehrkräfte bei Eltern und Unterstützer/innen mit einem Streikkonzert „Musik zum Nulltarif“.

Am Freitag endete der einwöchige Streik mit einem Protestchor. Während der Mittagspause eines Kongresses zum Thema Ganztagsschule in den Räumen der Jugendmusikschule machten die Lehrkräfte so auf ihre anspruchsvollen Arbeitsbedingungen, die sich durch Ganztagsschule weiter erschweren, und auf ihre Forderung nach besserer Bezahlung aufmerksam.

Streikende JMS-Lehrkräfte übergeben Solidaritätskarten an Behörde

Die Behörde für Schule und Berufsbildung bekam am Donnerstag überraschenden Besuch von rund 50 streikenden Musikschullehrkräften. Sie überbrachten über 500 selbst gestaltete Bild-Solidaritätskarten von Eltern und Unterstützer/innen mit der Forderung nach besserer Bezahlung der Lehrkräfte der Jugendmusikschule, die an die Behörde und Senator Thies Rabe adressiert waren.

Im Treppenhaus des Büroturms Hamburger Straße, in der die Behörde untergebracht ist, bildeten die Streikenden eine Kette vom Eingang bis in die 16. Etage. Dort wurden die Karten an den Vertreter und Sprecher der Behörde, Peter Albrecht, überreicht, begleitet von vierstimmigem Protestgesang. Für den außerhalb des Hauses verweilenden Senator Rabe wurde die Klangbotschaft aufgenommen.

Die Gewerkschaften ver.di und GEW erwarten für die nächste Verhandlungsrunde am Freitag, 21. Februar, ein deutlich verbessertes Angebot in Bezug auf die Bezahlung für alle Lehrkräfte. Senator Rabe wurde gebeten, eine Stellungnahme gegenüber den Streikenden abzugeben.

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