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OECD-Studie zu Kita-FachkräftenGute Ausbildung - aber wenig Anerkennung

Fachkräfte in deutschen Kitas sind im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut ausgebildet. Sie fühlen sich aber zu wenig wertgeschätzt und wünschen sich eine bessere Bezahlung, wie eine neue OECD-Studie zeigt.

29.10.2019

In Deutschland sind Fachkräfte in der Kinderbetreuung zwar gut  – und besser als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern  – ausgebildet, wünschen sich aber mehr gesellschaftliche Anerkennung für ihre Arbeit. Zudem halten sie mit Blick auf Kinder mit besonderem Förderbedarf oder mangelnden Deutschkenntnissen mehr Weiterbildung für erforderlich. Dies zeigt die neue OECD-Studie Providing Quality Early Childhood Education and Care zur frühkindlichen Bildung, für die 15.000 pädagogische Fachkräfte sowie 3.000 Leitungskräfte in Deutschland, Chile, Dänemark, Island, Israel, Japan, Korea, Norwegen und der Türkei befragt wurden. 

Während hierzulande 97 Prozent der Ü3-Fachkräfte und 95 Prozent der U3-Fachkräfte speziell für die Arbeit mit Kindern ausgebildet sind, ist dieser Anteil in allen anderen untersuchten Ländern geringer. In Island ist er mit 64 Prozent am niedrigsten. Ungeachtet dessen wünscht sich eine Mehrheit hierzulande Weiterbildungen zu den Themen Inklusion und Migration. In mehr als 40 Prozent der Kindertagesstätten haben mindestens elf Prozent der Mädchen und Jungen einen fremdsprachlichen Hintergrund – das ist der höchste Wert im Vergleich der neun untersuchten Länder.

Nur rund ein Viertel mit Gehalt zufrieden

Zwar geben 93 Prozent der deutschen Ü3-Fachkräfte an, insgesamt zufrieden zu sein. Mit Blick auf ihr Gehalt sieht dies aber nur rund ein Viertel so. Und nur 36 Prozent der Befragten fühlen sich in ihrer Rolle gesellschaftlich anerkannt. Deutsche Fachkräfte berichten auch häufiger als andere von erhöhter Arbeitsbelastung durch die Übernahme von Aufgaben für abwesende Kolleginnen oder Kollegen. Mehr als 60 Prozent der Leitungskräfte nennen Abwesenheiten und Personalmangel als Belastung für ihre Arbeit.

Darüber hinaus berichtet hierzulande nur knapp die Hälfte der Befragten, dass es mindestens einmal jährlich externe Evaluationen zum Inhalt von Aktivitäten und zur Qualität des Umgangs mit den Kindern gebe. Damit gehört Deutschland zu den Schlusslichtern.

„Was die Kolleginnen und Kollegen in den Kitas vor allem brauchen, ist mehr Zeit.“ (Björn Köhler)

Die GEW fordert, vor allem die Personalsituation in Kitas zu verbessern. Dazu gehörten neben einer guten Fachkraft-Kind-Relation ausreichende Vor- und Nachbereitungszeiten in allen Bundesländern. Zudem müssten die Kitaleitungen entlastet werden, etwa durch Freistellung vom Gruppendienst oder zusätzliches Verwaltungspersonal. „Was die Kolleginnen und Kollegen in den Kitas vor allem brauchen, ist mehr Zeit“, sagt GEW-Experte Björn Köhler. Die Gewerkschaft kritisiert auch das sogenannte Gute-Kita-Gesetz, demzufolge bis 2022 rund 5,5 Milliarden Euro vom Bund an die Länder fließen sollen, als nicht ausreichend. Sie vermisst ebenso wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Verbände verbindliche Standards.

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